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Vor der Brexit-Abstimmung : „Können wir bewusst für eine Rezession stimmen?“

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Ja, wo laufen sie denn? Die Tower-Bridge während des London Marathons am 24. April. Bild: AP

Die Abstimmung der Briten über die EU rückt näher. Finanzmister Osborne warnt vor den wirtschaftlichen Folgen eines Brexits. Sein Chef wählt noch drastischere Worte.

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          Mit dem näher rückenden Volksentscheid über die weitere Mitgliedschaft Großbritanniens in der EU erhöhen die Köpfe der jeweiligen Kampagnen offenkundig die Schlagzahl. Der britische Finanzminister George Osborne, der für einen Verbleib in der Staatengemeinschaft wirbt, hat seine Landsleute nun ein weiteres Mal für den wirtschaftlich schlimmen Folgen eines EU-Austritts („Brexit“) gewarnt. „Das britische Volk muss sich selbst diese Frage stellen: Können wir bewusst für eine Rezession stimmen?“, sagte der konservative Politiker.

          Mindestens eine halbe Million Arbeitsplätze könnten demnach vernichtet werden, sollte das Land die Europäische Union (EU) verlassen. Die Reallöhne dürften binnen zwei Jahren um fast drei Prozent schrumpfen, was knapp 800 Pfund jährlich weniger pro Durchschnittsverdiener bedeute. Die Entscheidung für den Brexit wäre „die Option zur Selbstzerstörung", sagte Regierungschef David Cameron, der mit Osborne zusammen eine neue Analyse des britischen Finanzministeriums vorstellte.

          Großbritannien stimmt über die EU ab - hier geht's zu unserer Themenseite.

          Das Ministerium hat zwei Szenarien für die kurzfristigen Folgen eines Brexit ausgemalt: Im Falle eines milden Schocks wäre demnach die Wirtschaftsleistung nach zwei Jahren um 3,6 Prozent niedriger verglichen mit einem Verbleib in der EU. Zugleich dürfte die Inflation steigen und dürften die Immobilienpreise um zehn Prozent niedriger sein. Im schlimmsten Fall könnte das Bruttoinlandsprodukt sogar um sechs Prozent und die Immobilienpreise um 18 Prozent niedriger fallen.

          „Mister Remain“ - der britische Finanzminister Osborne wirbt dafür, dass sein Land  in der EU bleibt. Bilderstrecke

          Kritiker werfen der Regierung vor, kein realistisches Bild zu zeichnen. „Dieses Dokument des Finanzministeriums ist keine ehrliche Bewertung, sondern ein stark voreingenommener Blick auf die Zukunft“ sagte Iain Duncan Smith, einer früherer Minister unter Premier Cameron, der ebenfalls dafür wirbt, dass sein Land Mitglied der EU bleibt.

          Rund vier Wochen vor dem Referendum am 23. Juni setzen sich die EU-Befürworten womöglich gerade von den EU-Ablehnern ab. In zwei aktuellen Internet-Umfragen - eine für die Zeitung „Observer“, die andere vom Meinungsforschungsinstitut YouGov - sprachen sich 44 Prozent der Befragen für einen Verleib in der EU aus und 40 Prozent dagegen. In aktuellen telefonischen Erhebungen ist der Abstand deutlich größer, teilweise mehr als 10 Prozentpunkte.

          Etwas Aufsehen auf dem Kurznachrichtendienst Twitter erregte am Wochenende auch ein Kommentar in der britischen Boulevard-Zeitung „Daily Mail“, in dem der Kommentator schreibt, dass die Positionen der Brexit-Befürworter seiner Ansicht nach zusehends zerbröseln. Während die EU-Befürworter vor allem mit den wirtschaftlichen Folgen argumentieren, warnen die EU-Ablehner vor allem auch vor Überfremdung durch Ausländer.

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