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Verhandlungen mit der EU : Deutsche Autobranche warnt Briten vor Brexit

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Matthias Wissmann ist Präsident des Bundesverbandes der deutschen Automobilindustrie (VDA). Bild: dpa

Die britische Führung setzt in den Verhandlungen mit der EU auch auf Unterstützung der wichtigen deutschen Autoindustrie. Ihr oberster Lobbyist macht nun eine klare Ansage.

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          Der britischen Autobranche stehen schwere Zeiten bevor, wenn das Vereinigte Königreich den Zugang zum Europäischen Binnenmarkt verlieren sollte. Außerdem würden Hersteller Produktion an Standorte mit niedrigen Kosten verlagern, zumal nach Ost-Europa. Diese Einschätzung hat nun der oberste deutsche Autolobbyist Matthias Wissmann geäußert. „Wenn es einen 'harten Brexit' gibt, werden wir eine Wendung in Richtung Zentral- und Südosteuropa bekommen,“ sagte er gegenüber der „Financial Times“.

          Gerade Länder wie Polen oder die Slowakei seien sehr attraktive. Dort seien die Löhne niedrig und sie sind Mitglied der EU.

          „Der EU-Markt ist sehr viel wichtiger“

          Wissmann, der einmal Verkehrsminister in Deutschland war, sagte auch: Kein Autohersteller würde im derzeitigen Klima in Großbritannien investieren. „Umso länger die Periode der Ungewissheit andauert, umso länger werden die Menschen sich mit Investitionen zurückhalten.“

          Wenn es um Großbritannien und die Europäische Union gehe, stellte Wissmann schließlich fest: „Das Vereinigten Königreich ist ein wichtiger Markt für uns, aber der EU-Markt ist noch sehr viel wichtiger.“ Deutschland Priorität müsse sein, die EU der 27 zusammen zu halten.

          Dass gerade ein Vertreter der deutschen Automobilindustrie solche Töne anschlägt, ist brisant. Wie zu hören ist, spekuliert die britische Führung um Premierministerin Theresa May offenbar auch darauf, dass etwa die deutsche Auto-Industrie schon helfen werde, gegenüber den Briten Zugeständnisse herbeizuführen - aus eigenem Interesse und zumal angesichts der im kommenden Jahr anstehenden Bundestagswahl in Deutschland. Auch wurde in der britischen Regierung darüber gesprochen, ob für wichtige Branchen besondere Vereinbarungen getroffen werden könnten; darunter auch für die Autoindustrie, die in Britannien in den vergangenen Jahren eine Renaissance erlebte.

          Autobranchen-Vertreter Wissmann sagte hingegen nun unmissverständlich: „Wenn das Vereinigte Königreich nicht dasselbe Schicksal erleiden möchte wie Italiens Autobranche, muss ihm wichtig sein, vollen Zugang zum Binnenmarkt zu behalten.“

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