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Brexit-Abstimmung : Britischer Finanzminister warnt vor „Schock“

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Gerade beim G7-Treffen in Japan: Britanniens Finanzminister George Osborne im Gespräch mit IWF-Chefin Christine Lagarde. Bild: AFP

Stark fallende Hauspreise, teurere Kredite, weniger Investitionen und Turbulenzen an den Finanzmärkten: Der britische Finanzminister erklärt, warum seine Landsleute für einen Verbleib in der EU stimmen sollten.

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          Der britische Finanzminister George Osborne hat seine Warnung vor einem möglichen EU-Austritt seines Landes (Brexit) noch einmal ausdrücklich bekräftigt. Er warnte am Rande des Treffens der Finanzminister der sieben großen Industrienationen in Japan vor einem „unmittelbaren ökonomischen Schock“, sollten die Briten in dem bevorstehenden Referendum mehrheitlich dafür stimmen, die EU zu verlassen.

          Erschütterungen an den Finanzmärkten wären die Folge, so der konservative Politiker gegenüber dem Fernsehsender BBC. Gravierende Konsequenzen müssen seinen Worten zufolge auch Immobilienbesitzer fürchten. Der Wert ihrer Häuser würde um zehn bis 18 Prozent fallen. Für Neukäufer würden Hypothekenkredite teurer und wären schwieriger zu bekommen.

          Was würde nach einem Brexit passieren? Hier geht es zu unserer Analyse.

          Dem Minister zufolge drohen bei einem sogenannten Brexit auch langwierige und lähmende Neuverhandlungen über die Handelsbeziehungen zu zahlreichen Ländern. Für die Firmen bedeute dies Unsicherheit. Sie würden sich mit Neueinstellungen und Investitionen zurückhalten, führte Osborne darüber hinaus aus.

          Für die britische Regierung, die ausdrücklich dafür wirbt, dass das Vereinigte Königreich in der EU bleibt, sind die wirtschaftlichen Folgen eines der wichtigsten Argumente im Wahlkampf. Das dürfte auch daran liegen, dass das Land immer noch ein hohes jährliches Haushaltsdefizit aufweist und zugleich ein Defizit in der Leistungsbilanz - eine besonders schlechte Kombination, die für Schocks anfälliger ist als andere Konstellationen.

          Die EU-Ablehner, die für einen Brexit werben, warnen hingegen vor allem vor Einwanderern und Terrorgefährdungen, die durch eine Mitgliedschaft in der EU angeblich gravierender seien. Umweltministerin Andrea Leadsom, die ebenfalls diesem Lager angehört, betonte mit Blick auf die wirtschaftlichen Folgen hingegen, die größte Bedrohung für die heimische Wirtschaft sei die riskante Verfassung der Europäischen Währungsunion, an die Großbritannien durch die EU-Mitgliedschaft ihrer Meinung nach gekettet ist.

          Die Briten stimmen am 23. Juni darüber ab, ob sie in der EU bleiben wollen oder nicht. In Umfragen - besonders in telefonischen - liegen tendenziell die EU-Befürworter vorne, aktuell gab es zwei sehr deutliche Befragungen. Unter den Buchmachern, die gelegentlich als bessere Indikator gelten, ist die Wahrscheinlichkeit für einen Brexit weiterhin nur 30 Prozent groß. Allerdings halten viele Beobachter ein knappes Ergebnis für möglich, dass auch sehr stark von ganz kurzfristigen Stimmungsänderungen abhängen könnte.

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