https://www.faz.net/-gqe-ze9v

Breitbandinitiative : Gerangel um das mobile Internet auf dem Land

Mobilfunk-Mast am Sportplatz: Begehrlichkeiten im lukrativen Datengeschäft Bild: Cornelia Sick

Voraussichtlich im ersten Quartal 2010 wird ähnlich wie bei der UMTS-Auktion vor neun Jahren ein neues Frequenzpaket versteigert. Ginge es nach der FDP, müssen sich die Telefongesellschaften auf einen Konkurrenten gefasst machen.

          2 Min.

          Der Ausbau des mobilen Internets in ländlichen Regionen soll stärker über regionale Kabelnetzanbieter geschehen. Dafür will sich die FDP einsetzen. „Wenn es Bundeskanzlerin Angela Merkel mit ihrer Breitbandintiative ernst meint, kommt sie an den unabhängigen, mittelständischen Netzbetreibern nicht vorbei“, sagte der stellvertretende Fraktionsvorsitzende der FDP Rainer Brüderle der F.A.Z. Brüderle schlägt vor, bei der Versteigerung neuer Mobilfunkfrequenzen kleinen Anbietern, Handwerksbetrieben und Netzbetreibern der lokalen Wohnungswirtschaft, einen Marktanteil von 20 Prozent zu sichern. Nach bisherigem Stand können die vier großen Mobilfunkgesellschaften T-Mobile, Vodafone, E-Plus und O2 davon ausgehen, die Auktion unter sich auszumachen. „Im Sinne der Menschen auf dem Land und des Wettbewerbs darf es keine Monopolstrukturen geben“, sagte der FDP-Politiker.

          Henning Peitsmeier

          Wirtschaftskorrespondent in München.

          Die Bundesregierung hat in ihrer Breitbandinitiative jedem Haushalt in Deutschland einen schnellen Internet-Anschluss versprochen. Bis 2014 etwa soll in 75 Prozent aller Haushalte ein Anschluss von mindestens 50 Megabit pro Sekunde verfügbar sein. Doch das schnelle Internet für jedermann erfordert zusätzliche Funkfrequenzen. Diese teilt die Bundesnetzagentur den Unternehmen zu.

          Wieder werden Frequenzpakete versteigert

          Nach der Bundestagswahl, voraussichtlich im ersten Quartal 2010, wird die Bonner Behörde ähnlich wie bei der UMTS-Auktion vor neun Jahren ein neues Frequenzpaket versteigern. Die Frequenzen zwischen 790 und 862 Megahertz werden frei, weil die Rundfunkanstalten auf eine digitale Technologie umgestellt haben und sie für die Ausstrahlung ihrer Programme nicht mehr benötigen. Die Vergabe dieser sogenannten digitalen Dividende ist für alle Interessenten von hohem Wert, um künftig noch mehr Haushalten mobile Datendienste anbieten zu können. Deshalb hat schon ein Gerangel unter den Bietern begonnen, noch bevor das Auktionsverfahren der Bundesnetzagentur beschlossen ist.

          Die beiden kleineren Mobilfunkanbieter E-Plus und O2 wittern einen unfairen Wettbewerb und fürchten, weniger Frequenzblöcke ersteigern zu können als die Marktführer Vodafone und Deutsche Telekom. Dann könnten sie im lukrativen Datengeschäft aber nicht länger mithalten, womöglich würde einer der unterlegenen Bieter, E-Plus oder O2, sogar vom deutschen Markt verschwinden. Ginge es nach der FDP, müssen sich die vier Telefongesellschaften nun auf einen fünften Konkurrenten gefasst machen. Bis zum 26. August können sich die Bieter zu den Auktionsbedingungen äußern, am 12. Oktober will die Bundesnetzagentur dann ihrem Beirat einen Entscheidungsentwurf präsentieren und danach die Spielregeln für die Auktion festlegen.

          „Wir beseitigen die weißen Flecken auf der Landkarte“

          Brüderle vermutet, dass die vier Mobilfunkanbieter zwar so viele Frequenzblöcke wie möglich ersteigern wollen, später aber – mangels Masse – die dünn besiedelten Landstriche doch nicht mit Breitband-Diensten versorgen werden. Die lokalen Anbieter vor Ort hätten dagegen ein natürliches Interesse und würden den Netzaufbau tatsächlich in den unterversorgten Regionen vorantreiben.

          „Wir beseitigen die weißen Flecken auf der Landkarte“, sagte Heinz-Peter Labonte vom Fachverband Rundfunkempfangs- und Kabelanlagen (FRK), der die Interessen der mittelständischen Betriebe vertritt. „Mit uns wird es schnelles Internet in der Niederlausitz genauso geben wie im Landkreis Oberhavel.“ Die lokalen Netzbetreiber nutzen für einen flächendeckenden Einsatz auf dem Land heute schon Rundfunksempfangsanlagen, Satellitenmasten, Wassertürme oder alte Schornsteine.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.