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Brand im Golf von Mexiko : Neuer Unfall erschüttert die Ölindustrie

Löscharbeiten an der Ölplattform Mariner Energy Bild: dpa

Nach dem Brand auf einer Förderplattform im Golf von Mexiko ist die Sicherheitsdiskussion um Tiefseebohrungen wieder in vollem Gange. Der Zwischenfall könnte die Aufhebung des Bohrmoratoriums verzögern.

          3 Min.

          Die Ölindustrie gerät durch einen neuen Betriebsunfall im Golf von Mexiko weiter unter Druck. Am Donnerstagvormittag (Ortszeit) war auf einer Förderplattform der amerikanischen Ölgesellschaft Mariner Energy ein Feuer ausgebrochen. Die 13 Besatzungsmitglieder „Vermillion 380“ sprangen daraufhin ins Meer und wurden von Rettungskräften geborgen. Sie haben nach Angaben der Küstenwache keine ernsten Verletzungen erlitten.

          Marcus Theurer

          Redakteur in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Patrick Welter

          Korrespondent für Wirtschaft und Politik in Japan mit Sitz in Tokio.

          Das Feuer auf der Plattform rund 160 Kilometer vor der Küste Louisianas konnte nach mehreren Stunden gelöscht werden. Die Ölförderung wurde gestoppt. Es gebe keine Hinweise auf ein Ölleck, erklärte die Küstenwache. Sie widersprach ersten Berichten, nach denen in der Nähe der Unglücksstelle ein Ölfilm auf dem Wasser gesichtet wurde.

          Der Zwischenfall kommt für die Ölwirtschaft zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt. Mitte April hatte eine Explosion auf einer im Auftrag des britischen Energiekonzerns BP betriebenen Bohrplattform im Golf von Mexiko zur schwersten Umweltkatastrophe in der Geschichte Amerikas geführt. Bis Mitte Juli liefen fast 800 Millionen Liter Öl ins Meer. Die Regierung von Präsident Barack Obama erließ daraufhin bis Ende November ein Verbot neuer Ölbohrungen im Golf.

          Die Lage der am Donnerstag explodierten Ölplattform

          Moratorium kostet die Ernergieriesen viel Geld

          Der neue Unfall auf der Mariner-Plattform könnte die von der Industrie geforderte Aufhebung des Bohrmoratoriums verzögern. Der Golf von Mexiko zählt zu den wichtigsten Förderregionen westlicher Ölkonzerne wie BP, Exxon-Mobil und Shell - und das Moratorium verursacht den Energieriesen hohe Kosten. Dabei steht es rechtlich auf wackeligen Beinen. Erst am Mittwoch hatte ein Richter das Ansinnen der Regierung abgelehnt, die Klage eines Ölunternehmens gegen das Verbot zu untersagen. Das erste Moratorium der Regierung war von einem Gericht ausgesetzt worden.

          Die Regierung kündigte an, die Lage genauestens zu beobachten. Der Brand auf der Förderplattform sei ein weiterer Beweis dafür, dass die Ölförderung auf See nicht sicher ist, warnte Senator Frank Lautenberg von der Demokratischen Partei. Die Umweltschutzorganisation Greenpeace kritisierte, die Ölbranche habe ihre Lektion aus der BP-Katastrophe nicht gelernt. Der Energie- und Handelsausschuss des Repräsentantenhauses lud den Chef von Mariner Energy, Scott Josey, zu einer Anhörung am 10. September vor.

          Kaum Einfluss auf Aktienkurs der Marktführer

          Am Finanzmarkt sorgte der neue Unfall für Verunsicherung. Der Preis für Terminkontrakte auf Öl stieg. Der Aktienkurs von Mariner Energy brach zeitweise um 16 Prozent ein, erholte sich aber rasch wieder. Das Unternehmen steht vor der Übernahme durch den Konkurrenten Apache, der an dem Kauf festhalten will. Die Aktienkurse der Marktführer BP, Exxon-Mobil und Shell reagierten dagegen kaum auf die Nachricht.

          Lobbyisten der Ölbranche argumentieren, der Brand auf der Mariner-Plattform sei mit der BP-Katastrophe nicht zu vergleichen. „Das sind einfach verschiedene Dinge“, sagte der Präsident des Internationalen Verbands der Bohrdienstleistungs-Industrie, Lee Hunt. Die Förderplattform von Mariner befindet sich in seichten Gewässern mit rund 120 Meter Wassertiefe. Das Ölleck der BP-Bohrplattform befand sich dagegen in rund 1500 Meter Tiefe, was der Hauptgrund dafür war, dass es monatelang nicht abgedichtet werden konnte.

          42.000 Schadensersatzforderungen an BP

          BP droht derweil damit, dass seine Zahlungsfähigkeit durch einen Ausschluss von neuen Ölbohrungen im Golf von Mexiko leiden werde. Die Forderungen an das Unternehmen, über seine rechtlichen Verpflichtungen hinaus weitere Programme zu finanzieren, nehmen kein Ende. „Wenn wir diese Felder nicht am Laufen halten können, hat das einen substantiellen Einfluss auf unseren Mittelzufluss“, sagte David Nagle, der Vizechef von BP America.

          Das Unternehmen argumentiert gegen einen Gesetzentwurf, der Ölunternehmen mit vielen Unfällen von der Förderung im Golf ausschließt. Dieser Passus ist speziell auf BP zugeschnitten. Der Konzern teilte am Freitag mit, die Kosten für das Abdichten der Ölquelle, Reinigungsarbeiten, Schadenersatz und weiteres seien inzwischen auf rund 8 Milliarden Dollar gestiegen.

          Knapp 440 Millionen Dollar hat das Unternehmen bislang als Schadenersatz gezahlt. Dem von BP auf Druck der Regierung mit 20 Milliarden Dollar zu finanzierenden Entschädigungsfonds liegen derzeit 42.000 Schadenersatzforderungen vor. Obwohl seit Mitte Juli kein Öl mehr ins Meer geflossen ist, arbeitet BP weiter daran, das Leck dauerhaft abzudichten. Das wird sich voraussichtlich bis Mitte September verzögern.

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