https://www.faz.net/-gqe-u6fm

Branchen (85): Medizintechnik : Gesundheit aus einer Hand

Bild: F.A.Z.

Die Einkaufstouren nehmen kein Ende. Die jüngsten Akquisitionen in Milliardenhöhe belegen, dass die Medizintechnik ein hochlukrativer Wachstumsmarkt ist - und das über viele Jahre. Die Verlierer der Konsolidierung dürften die kleinen Unternehmen sein.

          4 Min.

          Die Menschen werden im Durchschnitt älter und anfälliger für Krankheiten. Chronische Erkrankungen und Verschleißerscheinungen und damit auch die medizinische Betreuung werden zunehmen. Die Befindlichkeitsanalyse ist wenig charmant. Doch sie ist die Grundlage für das dauerhafte Wachstum in der Medizintechnik.

          Rüdiger Köhn

          Wirtschaftskorrespondent mit Sitz in München.

          Sie wird in den nächsten Jahren ihren Anteil am gesamten Gesundheitsmarkt, der Ausgaben für die Versorgung ebenso umfasst wie die für Medikamente, steigern. Experten schätzen, dass sich die Zahl der Menschen, die über 60 Jahre alt sind, bis 2050 auf 2 Milliarden verdreifachen wird. Der größte Anteil davon wird in den sich entwickelnden und wirtschaftlich aufstrebenden Ländern leben, in denen die Gesundheitssysteme ohnehin noch schwach ausgeprägt sind.

          „Das Wachstum ist gesichert“

          Komplexe, mit Elektronik vollgestopfter Röntgengeräte, Computer- und Magnetresonanztomographen etwa kosten zunächst viel Geld. Am Ende aber soll der Einsatz moderner Medizintechnik für eine effektive und preiswerte Gesundheitsversorgung stehen, geht es nach dem Willen der Industrie. Der Markt wird auf Dauer jährlich um 8 bis 10 Prozent zulegen. „Das Wachstum ist gesichert“, sagt Laura Rossi vom Managementteam der schweizerischen BB Medtech, einer börsennotierten Gesellschaft, die sich an Branchenunternehmen beteiligt.

          Von einem homogenen Markt kann allerdings keine Rede sein. „Aus Investorensicht müssen wir uns von dem Gedanken des einheitlichen Medizintechnikmarktes verabschieden“, sagt sie. Dafür gebe es zu große Unterschiede zwischen den Segmenten.

          So ist in der Orthopädie der Bereich der Hüftgelenke ein reifer Markt mit geringeren Zuwachsraten. Die computergestützte Diagnostik sowie Dienstleistungen versprechen hingegen höhere Zuwachsraten. Für Rossi gibt es eigentlich nur eine Gemeinsamkeit: „Der Markt wird durch die demographische Entwicklung und starke Innovationen getrieben.“

          Der Markt ist regional stark fragmentiert

          Die Heterogenität kommt in der Vielzahl der Unternehmen zum Ausdruck. Weltweit soll es 16.000 Firmen geben, die in der Branche tätig sind und mehr als 10.000 Produkte anbieten. Auch wenn der Markt als global betrachtet wird, sind regional sehr unterschiedliche Entwicklungen zu beobachten.

          Nach wie vor gibt es überdurchschnittliches Wachstum in den Vereinigten Staaten, die mit einem Anteil von rund 40 Prozent den größten Einzelmarkt darstellen. Das liegt nicht zuletzt an dem einheitlichen Gesundheitssystem, das von einem hohen Anteil privater Ausgaben für Gesundheit geprägt ist.

          Ganz anders in Westeuropa: Der Markt mit einem Anteil von 40 bis 45 Prozent ist wesentlich schwieriger. Er ist angesichts der Vielzahl nationaler, staatlich gesteuerter Gesundheitssysteme regional stark fragmentiert.

          „Sie werden in den nächsten Jahren deutlich aufholen“

          Deutschland entwickelt sich trotz oder gerade wegen der endlosen Reformbemühungen einer zunehmend löchrigen Versorgung unterdurchschnittlich. Die Wachstumsraten liegen im niedrigen einstelligen Bereich, obwohl es einen „politisch bedingten Investitionsstau von 30 Milliarden Euro gibt“, wie der Branchenverband Spectaris schätzt. Deutsche Anbieter suchen daher erfolgreich ihr Heil im Ausland - mit einer stolzen Exportquote von 65 Prozent. Die EU ist mit einem Anteil von 40 Prozent größter Absatzmarkt vor Nordamerika (25 Prozent) und Asien (14 Prozent).

          „Von der Gesundheitsreform mit ihrer alleinigen Ausrichtung auf eine kurzfristige Kostenreduzierung und der damit einhergehenden Regulierungsdichte jedenfalls sind keine positiven Impulse zu erwarten“, sagt Hauptgeschäftsführer Sven Behrens. Er hofft dennoch, dass immer mehr Menschen erkennen, dass durch Investitionen in moderne Medizintechnik eine deutliche Effizienzsteigerung ermöglicht wird. „Nur dann haben wir eine realistische Chance, dass Deutschland im Ranking der Gesundheitsmärkte weltweit von Platz drei auf Platz eins vorrückt.“

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          CSU-Online-Mitgliedschaft : Die Söder-Flamme am Züngeln halten

          Schon seit September kann man deutschlandweit CSU-Online-Mitglied werden, mit eingeschränkten Rechten. Kurz nach dem Streit um die K-Frage meldet die Partei einen „sprunghaften Anstieg“ – will das aber nicht als Sticheln verstanden wissen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.