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Branchen (40): Erneuerbare Energien : Goldgräberstimmung

  • -Aktualisiert am

Bild: F.A.Z.

Erneuerbare Energien wie Solar und Windkraft erhalten im viel diskutierten Energiemix eine immer wichtigere Bedeutung. Unter den Unternehmen herrscht Goldgräberstimmung. In den nächsten sechs Jahren sollen 70 Milliarden Euro investiert werden.

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          Wenn sich Energiemanager treffen, ist automatisch viel Geld im Spiel. Keine Branche investiert in Deutschland so kräftig: 30 Milliarden Euro sollen in den kommenden Jahren in neue Kraftwerke und Stromnetze fließen. Sogar 70 Milliarden Euro werden bis 2012 in erneuerbare Energien in Deutschland investiert, kündigte der Bundesverband Erneuerbare Energie (BEE) auf dem Energiegipfel an. Das Gros soll in Solar, Windkraft und Biomasse fließen: 25 Milliarden Euro für die Sonnenenergie, 13 Milliarden Euro für den Ausbau der Windkraft und sogar 26 Milliarden Euro für die Nutzung der Biomasse.

          Der Rest entfällt auf die Erdwärme (Geothermie) und auf Wasserkraft. Das Muskelspiel der Öko-Branche folgt einem klaren Ziel: „Erneuerbare Energien sind die Zukunft der deutschen Energieversorgung“, hofft Frank Asbeck, Chef des Bonner Solarunternehmens Solarworld und Teilnehmer des Energiegipfels. „Der Wegfall atomarer und fossiler Energien kann vollständig durch den Ausbau erneuerbarer Energien ersetzt werden.“

          „Deutschland ist weltweit technologisch führend“

          Den Optimismus begründen die deutschen Anbieter mit ihrer Stellung auf dem Weltmarkt: „Deutschland ist weltweit technologisch führend bei erneuerbaren Energien; inzwischen beträgt das jährliche Exportvolumen der Branche bereits mehr als vier Milliarden Euro und wächst rasant weiter“, erwartet Aloys Wobben, Gründer des größten deutschen Windenergieanlagenherstellers Enercon. Tatsächlich geht es den Anbietern erneuerbarer Energie zur Zeit sehr gut.

          Im Blickfeld steht vor allem die Solarbranche, obwohl sie im vergangenen Jahr nur 0,16 Prozent des Stroms in Deutschland erzeugt hat. Aber spätestens seitdem Länder wie die Vereinigten Staaten, China, Spanien und Italien ebenso wie Deutschland milliardenschwere Förderprogramme für den Solarstrom aufgelegt haben, herrscht in der Branche Goldgräberstimmung. Mit jedem Dollar, um den das Rohöl sich verteuert, wird Ökostrom attraktiver.

          Problemfall Spezialisierung

          Ob allerdings viele deutsche Unternehmen auf den neuen Auslandsmärkten Fuß fassen können, ist keineswegs sicher. Denn abgesehen von einigen Vorzeigefirmen, sind die 5.000 Unternehmen der Branche meist spezialisierte kleine Betriebe oder Mittelständler ohne große Auslandserfahrung. Zudem haben sich die meisten Anbieter nur auf eine oder zwei Stufen der Wertschöpfungskette spezialisiert, die insgesamt fünf Stufen umfaßt.

          Die Siliziumhersteller wie Wacker Chemie produzieren Reinsilizium, das in der zweiten Stufe von Unternehmen wie Solarworld, Ersol und Schott Solar zu Siliziumscheiben (Wafer) oder Blöcken (Ingots) verarbeitet wird. Aus diesen Vorprodukten werden in der dritten Stufe die Solarzellen gefertigt, worauf sich in Deutschland Unternehmen wie Q-Cells spezialisiert haben. Aus den Zellen werden in der vierten Stufe von Unternehmen wie Solon dann Solarmodule zusammengestellt, die Dienstleister wie Conergy in der fünften Stufe zu kompletten Solarsystemen kombinieren und an Vertriebspartner oder Endkunden verkaufen.

          „Echte Konkurrenz für deutsche Solarbranche“

          Mit Ausnahme der Handwerker, die für die Montage der Solarsysteme zuständig sind, haben die Unternehmen über alle Stufen der Wertschöpfungskette hinweg in den vergangenen beiden Jahren prächtig verdient. Da die Preise für Solarzellen und Module seit zwei Jahren steigen und wohl in diesem Jahr weiter zulegen, bleiben die Gewinne der Unternehmen hoch. Zu verdanken haben sie diese Gewinne vor allem den hohen Einspeisevergütungen für Solarstrom in Deutschland und der dadurch ausgelösten hohen Nachfrage nach Solaranlagen.

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