https://www.faz.net/-gqe-11wsb

Boni für Banker : Keine Gehaltsgrenzen für Spitzenverdiener

Muss die Commerzbank Boni ausschütten, die noch vor der Übernahme bewilligt wurden? Bild: AP

Das Thema Boni für Banker erregt seit Tagen die Gemüter. Trotz Krise schütten viele Banken hohe Prämien an ihre Mitarbeiter aus. In Deutschland gibt es deshalb Gehaltsgrenzen in den Banken, die Staatshilfe beanspruchen. Allein: Die Regel gilt nur für Vorstände. Die Manager der zweiten Reihe dürfen weiterhin abkassieren.

          2 Min.

          Die Gehaltsgrenzen für Banken, die staatliche Hilfen beanspruchen, gelten nur für die Vorstände, nicht aber für die Spitzenverdiener außerhalb dieses Gremiums. Nach dem Finanzmarktstabilisierungsgesetz unterliegen nur die Vorstände von Banken, die vom staatlichen Bankenrettungsfonds Soffin Eigenkapitalhilfen erhalten haben, der Auflage, jährlich nicht mehr als eine halbe Million Euro verdienen zu dürfen. In Deutschland ist die Commerzbank das bislang einzige Institut, das vom Staat eine Kapitalzufuhr erhalten hat. Im Gegenzug für die insgesamt 18,2 Milliarden Euro hat sich der Vorstand mit seinem Sprecher Martin Blessing darauf verpflichten müssen, dass das Jahresgehalt je Vorstandsmitglied nicht 500.000 Euro übersteigen wird.

          Markus Frühauf

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Doch davon ausgenommen sind Mitarbeiter, die nicht dem Vorstand angehören, aber dennoch einschließlich Boni mehr als 500.000 Euro jährlich verdienen. Ein Commerzbank-Sprecher erklärte, dass in der neuen Bank, einschließlich der Dresdner Bank, kein Mitarbeiter in den beiden Ebenen unterhalb des Vorstands mehr als 500.000 Euro jährlich bekomme. Doch Boni sind darin nicht enthalten. Also können die gut 400 Manager - einen guten Geschäftsverlauf vorausgesetzt - mehr verdienen. Von der Deutschen Bank ist nicht zu erfahren, wie viele Mitarbeiter über dieser Gehaltsgrenze liegen. Allerdings gelten für Deutschlands größte Bank die Einschränkungen nicht, weil sie bislang keine Staatshilfe benötigt.

          Trotz Milliardenverlusten: Banker pochen auf ihre Boni

          Der Soffin kann im Fall der Commerzbank darauf hinwirken, dass unangemessene Vergütungssysteme außerhalb des Vorstands innerhalb des zivilrechtlich Möglichen beendet werden. Zurückliegende Zusagen können aber nur in Ausnahmefällen geändert werden. Deshalb pochen die Investmentbanker von Dresdner Kleinwort auf ihre von der Allianz garantierten Boni, obwohl die Einheit der Dresdner Bank im abgelaufenen Jahr einen Milliardenverlust eingefahren hat. Die Commerzbank, die die Dresdner Bank inzwischen übernommen hat, prüft, ob sie an diese Zusagen gebunden ist.

          Offenbar hatte die Allianz den Investmentbankern im Sommer 2008 einen Bonuspool für das abgelaufene Jahr von 400 Millionen Euro garantiert. Dies geschah aber noch vor dem Verkauf der Dresdner an die Commerzbank. Der Commerzbank-Vorstand ist zwar gewillt, Anpassungen vorzunehmen, wenn Ziele verfehlt wurden. Doch das hängt vom Einzelfall ab. Denn nicht alle Bereiche von Dresdner Kleinwort sind für den Verlust im vergangenen Jahr verantwortlich.

          Boni auch an den Verbleib in der Bank gekoppelt

          Auch bei der Deutschen Bank können sich einzelne Investmentbanker über höhere Ausschüttungen freuen, obwohl ihr Bereich für den Rekordverlust ihres Instituts von 3,9 Milliarden Euro im vergangenen Jahr verantwortlich war. Im Devisenhandel hingegen, der zum Investmentbanking gehört, wurde Geld verdient. Es ist davon auszugehen, dass auch einige Investmentbanker von Dresdner Kleinwort für das vergangene Jahr Boni erhalten werden - erst recht, weil diese nicht nur an den individuellen Erfolg, sondern auch an den Verbleib in der Bank gekoppelt sind.

          Diese vertraglich zugesicherten Halteprämien sind nur ein Beispiel für die Schwächen in den Anreizsystemen der Banken. Als Ursache für die Finanzkrise gelten auch die Vergütungssysteme, weil sie in der Regel zu stark am kurzfristigen Erfolg ausgerichtet waren. Dies verleitete Banker dazu, hohe Risiken einzugehen, die erst nach einem längeren Zeitraum zu Verlusten führten.

          Weitere Themen

          „Wettbewerb belebt das Geschäft“ Video-Seite öffnen

          VDA zu Tesla : „Wettbewerb belebt das Geschäft“

          Der Automobilverband VDA wertet die Entscheidung des Elektropioniers Tesla, sein erstes Werk für Elektroautos in Europa in der Region Berlin-Brandenburg zu bauen, als Stärkung des Automobilstandortes Deutschland.

          Topmeldungen

          Die Diplomaten George Kent (links) und William Taylor (rechts) im großen Ausschusssaal im Longworth-Building des Repräsentantenhauses in Washington

          Ukraine-Affäre : Taylor belastet Trump

          Mit der öffentlichen Anhörung von Kent und Taylor hat eine neue Phase der Impeachment-Ermittlungen gegen Präsident Trump begonnen. Botschafter Taylor fügt seiner früheren Aussage eine Ergänzung hinzu, die aufhorchen lässt.

          Abwahl Brandners : Hetzen als System

          Der Rechtsausschuss hat seinen Vorsitzenden Stephan Brandner abgewählt. Seit Jahren beschimpft der AfD-Politiker alle politischen Gegner – und zeigt dabei eine Vorliebe für sexuell aufgeladene Pöbeleien.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.