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Boko Haram : Der Terror lähmt Nigerias Norden

  • -Aktualisiert am

Gewalt im Alltag: Die nordnigerianische Metropole Kano nach einem Bombenattentat Ende November vergangenen Jahres. Bild: AP

Die islamistische Terrormiliz Boko Haram hat die Wirtschaft von Afrikas bevölkerungsreichstem Land zum Erliegen gebracht. Viele Industriebetriebe haben geschlossen.

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          Babangida Lamido rührt missmutig in seinem Kaffee. „Nichts zu tun, alles tot“, beschreibt der rundliche Mittvierziger seine wirtschaftliche Lage. Babangida Lamido handelt in der nordnigerianischen Millionenstadt Kano mit Wasserpumpen, Windrädern und Solarsystemen. Am Südrand der Sahara, wo Wasser ebenso rar ist wie es Sonnenschein im Überfluss gibt, ist das eigentlich ein bombensicheres Geschäft. In Lamidos Werkstatt stapeln sich die teuren Solarpaneele und setzen Staub an. Das letzte Windrad zur Stromerzeugung hat er vor acht Monaten verkauft. Sein Umsatz, so erzählt er, sei um 80 Prozent gefallen, seit die Islamisten von Boko Haram den Norden Nigerias mit ihrem Terror überziehen. Seine acht Angestellten hat er längst entlassen müssen. „Kein Kunde verirrt sich mehr nach Kano“, seufzt Lamido.

          Kano. Alleine der Name dieser Stadt klingt nach Tausendundeiner Nacht. Seit mehr als 500 Jahren ist die Sahelmetropole Handels- und Umschlagplatz für Güter aus den heutigen Staaten Sudan, Tschad, Niger, Nigeria, Kamerun und der Zentralafrikanischen Republik. Der Süden Libyens wird von Kano aus mit Lebensmitteln beliefert, selbst auf den Märkten von Kairo finden sich Lederwaren aus dem Norden Nigerias. „Das war der ideale Standort“, sagt Lamido. Seine Pumpen und seine Solarsysteme hat er überwiegend nach Tschad und nach Niger verkauft und machte damit eigenen Angaben zufolge einen Umsatz von bis zu fünf Millionen Naira (rund 23 000 Euro) in der Woche. Aus und vorbei. Die Grenzen zu beiden Ländern sind inzwischen Kampfgebiet. „Boko Haram will uns wirtschaftlich das Genick brechen, und ich muss zugeben: Das ist ihnen gelungen“, sagt Lamido.

          Ahmad Rabiu führt gleich drei Handys mit sich. Doch nicht eines klingelt während des neunzigminütigen Gesprächs. „Es ist wirklich hoffnungslos“, beschreibt der Chef der nigerianisch-nigrischen Handelskammer in Kano die gegenwärtige Lage. Mit dem Nachbarland Niger machten die Unternehmer aus Kano früher besonders viele Geschäfte. Die Grenze ist keine 100 Kilometer entfernt. Doch der Handel ist aufgrund der Kämpfe vollständig zum Erliegen gekommen. Die Umsatzeinbußen für die nigerianischen Unternehmer schätzt Rabiu auf 80 Prozent. Früher wurden in Kano Lebensmittel, Gebrauchsgüter und Textilien überwiegend für den Export produziert. Inzwischen haben viele Industriebetriebe zugemacht, und mit ihnen die Dienstleister. Das hat aber nicht nur mit den Umsatzeinbußen wegen des Terrors zu tun. Ein anderer Grund ist, dass viele der Fabrikbesitzer und Händler Christen aus dem Süden Nigerias sind, die sich nicht mehr sicher fühlen im muslimischen Norden. Die Zahl der als geschäftstüchtig geltenden christlichen Ibo im muslimischen Bundesstaat Kano betrug einst 3,5 Millionen Menschen. Nahezu die Hälfte von ihnen hat den Norden inzwischen verlassen.

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