https://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/wirtschaftspolitik/boersennotierte-unternehmen-eu-parlament-will-frauenquote-12673031.html

Börsennotierte Unternehmen : EU-Parlament will Frauenquote

  • Aktualisiert am

Männer in der Übarzahl: Manager auf dem Arbeitgebertag in Berlin Bild: dpa

Frauen und Männer sind zwar gleichgestellt, aber in Aufsichtsräten großer Unternehmen sind Managerinnen rar. Das soll anders werden. Das EU-Parlament macht jetzt Druck. Doch gegen eine Frauenquote gibt es erheblichen Widerstand.

          1 Min.

          Aufsichtsräte börsennotierter Unternehmen sollen bis 2020 nach dem Willen des EU-Parlaments zu 40 Prozent aus Frauen bestehen. Das EU-Parlament stimmte am Mittwoch in Straßburg für einen entsprechenden Vorschlag der EU-Kommission. Das Votum geht weiter als die Pläne von Union und SPD in Deutschland, wonach ab 2016 in Aufsichtsräten großer börsennotierter Unternehmen mindestens 30 Prozent Frauen vertreten sein sollen.

          Nach den Vorstellungen der EU-Parlamentarier sollen kleinere und mittlere Betriebe mit weniger als 250 Mitarbeitern und weniger als 50 Millionen Euro Jahresumsatz von der 40-Prozent-Quote ausgenommen werden. Jetzt muss das Parlament mit den Regierungen verhandeln. Da herrscht erheblicher Widerstand. Mindestens neun EU-Regierungen, die gemeinsam über eine Sperrminorität im Ministerrat verfügen, haben die Frauenquote bereits als „Überregulierung“ abgelehnt.

          Nachdem jetzt in den Koalitionsverhandlungen von Union und SPD Aussicht auf eine gesetzliche Quote für Frauen im Topmanagement besteht, könnte Deutschland aus der Sperrminorität ausscheren. Dann käme Bewegung in die Frage.

          Reding: Deutschland könnte zum Vorreiter werden

          EU-Justizkommissarin Viviane Reding hält ein positives Signal aus Deutschland in der Sache für unerlässlich. „Wenn das, was jetzt in den Koalitionsgesprächen vereinbart worden ist, Realität wird, würde Deutschland gemeinsam mit Frankreich und Italien zu den Vorreitern bei der Frauenquote werden. Das wäre ein starkes Signal für Europa und für die Frauen“, sagte sie.

          Nach Redings Auffassung geht es ohne Quote nicht. „60 Prozent der Hochschulabsolventen sind Frauen, aber 83 Prozent der Aufsichtsratsmitglieder sind Männer, irgendetwas läuft schief, die weiblichen Talente werden einfach nicht zugelassen“, sagte sie.

          Bei den börsennotierten Unternehmen sind nach den Plänen des EU-Parlaments unter bestimmten Voraussetzungen Strafen vorgesehen, falls die Verfahren der Auswahl nicht transparent sind. Bestraft wird nicht, nur weil der Anteil von 40 Prozent nicht erreicht wird.

          Sollten sich die EU-Regierungen mit den Volksvertretern einigen, könnte das Parlament noch im April, also vor den Europawahlen, die Frauenquote endgültig beschließen. Doch das ist ein sehr optimistisches Szenario.

          Die Diskussion um die Frauenquote hat anscheinend schon für Bewegung gesorgt. Nach einem Bericht der EU-Kommission ist allein zwischen Oktober 2012 und April 2013 der Anteil der Frauen in den Führungsgremien EU-weit gestiegen: Von 15,8 auf 16,6 Prozent.

          Weitere Themen

          „Sommerlaune“ bringt Erholung für Dax Video-Seite öffnen

          Frankfurter Börse : „Sommerlaune“ bringt Erholung für Dax

          Die Dax-Anleger nehmen den Schwung vom Freitag mit in die neue Börsenwoche. Zu den Favoriten am deutschen Aktienmarkt zählte BioNTech mit einem Kursplus von sieben Prozent. Wie nachhaltig die Kurserholung sein werde, sei unklar, hieß es an der Frankfurter Börse.

          Topmeldungen

          Der chinesische Staats- und Parteichef Xi Jinping am 30. Juni in Hongkong

          Xi Jinping zu Besuch : Polizeistaat Hongkong

          China kann die einst liberale Stadt Hongkong nur mit Zwang integrieren. Das sagt etwas über die Strahlkraft des chinesischen Entwicklungsmodells.
          In nur zehn Minuten beim Kunden: Das Start-up Gorillas bietet Lebensmittel per Lieferdienst

          Unprofitables Liefergeschäft : Es wird eng für Gorillas

          Lebensmittel in zehn Minuten – dieses Geschäftsmodell hat der Lieferdienst etabliert. Doch nun könnte ihm das Geld ausgehen. Hinter den Kulissen wird offenbar an einem Verkauf des Unternehmens gearbeitet.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Sie können bis zu 5 Newsletter gleichzeitig auswählen Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.