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Bob Corker im Portrait : Bedenkenträger mit kritischen Fragen

  • -Aktualisiert am

Der republikanische Senator Bob Corker glaubt nicht, dass GM, Chrysler und Ford überleben werden Bild: AP

Der republikanische Senator Bob Corker gehörte zu den Hauptakteuren in den Verhandlungen um das Rettungspaket für die krisengebeutelte Autoindustrie. Er zweifelt an der Überlebensfähigkeit der „Drei aus Detroit“ und geht mit den Automanagern hart ins Gericht.

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          Bob Corker macht sich große Sorgen um die amerikanische Autoindustrie. Daran hat der Senator aus Tennessee in den vergangenen Tagen und Wochen nie einen Zweifel aufkommen lassen. Aber der Republikaner, der in den Verhandlungen über ein Rettungspaket für General Motors, Chrysler und Ford zu den führenden Akteuren zählte, hat große Zweifel an der Überlebensfähigkeit der Unternehmen und fürchtet, finanzielle Hilfe aus Washington würde in ein Fass ohne Boden gegossen.

          In den Anhörungen der drei Vorstandsvorsitzenden aus Detroit im Bankenausschuss des Senats vor einigen Tagen war es vor allem Corker, der sich die Automanager vorknöpfte und ihnen vorhielt, ihre Geschäftsmodelle seien auf Dauer nicht tragfähig. Im breiten Akzent, der seine Herkunft aus einem der südlichen Bundesstaaten Amerikas sofort verrät, erkundigte sich Corker bei Chrysler-Chef Bob Nardelli danach, weshalb denn Mehrheitsaktionär Cerberus, eine milliardenschwere Beteiligungsgesellschaft, nicht zusätzliches Geld in das Unternehmen pumpe.

          Als Nardelli eine befriedigende Antwort schuldig blieb, gab Corker sie selbst: „Weil Chrysler auf Dauer nicht bestehen kann.“ Er habe ein Problem damit, fuhr er fort, Geld der Steuerzahler in ein Projekt zu stecken, dass keine Zukunft habe.

          Die Hilfeschreie der Autoindustrie waren wohl nicht laut genug
          Die Hilfeschreie der Autoindustrie waren wohl nicht laut genug : Bild: AP

          Die Schulden sind zu groß

          Corker hat auch schnell begriffen, dass es im Ringen um eine staatliche Rettung der Autoindustrie weniger um Chrsyler und Ford als vor allem um GM geht. „Ford braucht das Geld derzeit gar nicht, und Chrysler ist zu unbedeutend, um hier in Washington um Geld zu bitten. Es dreht sich alles um GM. Die beiden anderen sind nur auf den Zug aufgesprungen.“

          62 Milliarden Dollar Schulden habe General Motors, viel mehr, als es sich langfristig leisten könne. Ohne erhebliche Zugeständnisse der Gläubiger, einschließlich der Gewerkschaft United Auto Workers (UAW), lasse sich das Ruder nicht herumreißen, machte Corker klar. Zunächst plädierte der Senator dafür, GM und notfalls auch die anderen Autohersteller sollten im Rahmen eines Konkursverfahrens nach Kapitel 11 des amerikanischen Insolvenzrechts restrukturiert und auf eine gesündere finanzielle Basis gestellt werden, ohne staatliche Hilfe.

          Nicht kompromissbereit

          Dem Präsidenten der UAW, Ron Gettelfinger, warf Corker vor, „in der Vergangenheit zu leben“, weil dieser nicht bereit sei, im Namen der Arbeitnehmer auf Pensionsansprüche zu verzichten. „Aber wenn die Unternehmen untergehen, dann sind alle Pensionszusagen sowieso hinfällig.“

          Von dem Kompromiss zwischen Weißem Haus und der demokratischen Kongressmehrheit, Notfallkredite über 14 Milliarden Dollar zu bewilligen und einen „Auto-Zar“ einzusetzen, der die Restrukturierung der Unternehmen überwachen solle, hielt Corker nichts: „Das ist eine alberne Vereinbarung“, sagte er und warf der Regierung von Präsident George Bush vor, nur noch die Zeit bis zur Amtsübergabe an Barack Obama im Januar überbrücken zu wollen. „Wie eine Dose, die sie auf dem Weg vor sich her treten.“

          Die Zulieferer leben von den „Drei aus Detroit“

          Schließlich fand sich Corker aber doch bereit, es mit einem Notfallkredit zu versuchen: Das Geld solle an die Bedingung geknüpft werden, bis Mitte März die Schuldenlast insbesondere von GM unter Mitwirkung sämtlicher Beteiligter um zwei Drittel zu verringern, schlug Corker vor. Gelinge dies nicht, dann müsse GM eben Konkurs anmelden und Gläubigerschutz beantragen.

          Dass er diesen Vorschlag unterbreitete, mag auch mit Ereignissen in seiner Heimatstadt Chattanooga zu erklären sein: Dort hat Volkswagen kürzlich mit dem Bau seines ersten und einzigen Werks in den Vereinigten Staaten begonnen. Um dort wie vorgesehen von 2011 an einen Mittelklassewagen produzieren zu können, ist die Ansiedlung von Zulieferbetrieben unerlässlich. Deren Schicksal aber hängt auch am Fortbestand der „Drei aus Detroit“.

          Erst seit zwei Jahren im Senat

          An unternehmerischer Erfahrung mangelt es dem konservativen Republikaner nicht. Ehe er Mitte der neunziger Jahre in die Politik einstieg und 2001 Bürgermeister von Chattanooga wurde, war Corker ein erfolgreicher Geschäftsmann.

          Sein Bauunternehmen, gegründet 1974 mit 8000 Dollar Startkapital, expandierte schnell in 17 weitere Bundesstaaten und machte ihn zum Multimillionär. Anfang der neunziger Jahre stieg er in das Immobiliengeschäft ein und wurde schnell zum größten privaten Grundbesitzer im Landkreis Hamilton. Im Senat sitzt der Absolvent der Universität von Tennessee erst seit zwei Jahren.

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