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Bitte mehr Geld ausgeben : Amerikas Dauerauftrag an Deutschland

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Amerikas Finanzminister Jack Lew braucht für seine Forderung an Deutschland mittlerweile eigentlich kein Manuskript mehr - er dürfte sie auswendig kennen, so oft wie er sie schon vorgebracht hat. Bild: AP

Kurz vor dem wichtigen G20-Treffen in Australien hat der amerikanische Finanzminister wie üblich klargemacht, was er von Deutschland erwartet: Mehr zu tun, damit Europas Wirtschaft schneller wächst.

          Und täglich grüßt der amerikanische Finanzminister: Jack Lew, der derzeit dieses Amt innehat, hat vor dem bevorstehenden großen Treffen der 20 wichtigsten Industrie- und Schwellenländer in Brisbane abermals erahnen lassen, dass auch dieser  Gipfel geprägt sein wird von der Dauerauseinandersetzung zwischen seinem Land und Deutschland.

          Die Vereinigten Staaten appellieren regelmäßig an die Bundesrepublik, mehr zu tun, um das Wirtschaftswachstum in der Europäischen Währungsunion anzukurbeln. Und meinen damit vor allem, mehr Geld auszugeben, für einen größeren Binnenkonsum zu sorgen - natürlich gerne auf Kosten des vom deutschen Finanzminister Wolfgang Schäuble angestrebten ausgeglichenen Staatshaushaltes.

          Lew warnte nun laut Manuskript einer Rede an das World Affairs Council in Seattle vor einem verlorenen Jahrzehnt für Europa. Er rief die EU zu stärkeren Anstrengungen für mehr Wirtschaftswachstum auf. Eine „Politik des Status quo“ habe nicht wie von der G20 vereinbart zu starkem, nachhaltigem Wachstum geführt, sagte er. Die Europäische Zentralbank habe „konsequente Schritte“ unternommen, um die wirtschaftliche Entwicklung zu stärken. Dies allein habe aber nicht zu gesundem Wachstum geführt.

          Lew machte auch klar, wer innerhalb der EU nun aus seiner Sicht speziell gefordert ist: Länder, die tatsächlich die Möglichkeit haben, etwas gegen die wirtschaftliche Schwächephase zu tun - also derzeit Deutschland. Die Welt könne sich ein verlorenes europäisches Jahrzehnt nicht leisten.

          Klar dürfte auch sein, wie die deutsche Delegation in Brisbane, die von Kanzlerin Angela Merkel angeführt wird, darauf reagieren wird: So wie immer - mehr Wachstum und disziplinierte Finanzpolitik seien kein Widerspruch, zu nachhaltigem Wachstum tragen vor allem Strukturreformen bei. Zugleich wird sie ein deutsches Anliegen vortragen, nämlich in punkto Banken-Regulierung beherzter vorzugehen. Damit die Institute besser gewappnet sind gegen künftige Krisen.

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