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Bio-Treibstoff : Sprit vom Acker

  • -Aktualisiert am

Die erste Bioethanol-Tankstelle eröffnete in Bad Homburg Bild: picture-alliance/ dpa/dpaweb

Auf einen Boom des Biosprits setzen Bauern und Börsianer. Sie erwarten sich von den biologischen Treibstoffen ähnliche Zuwachsraten, wie sie zuletzt in der Solarbranche zu beobachten waren. Die Euphorie wird nur durch Nachrichten aus Amerika gebremst.

          An der Börse geben die Unternehmen aus der Biospritbranche momentan mächtig Gas. Gleich drei Börsengänge in zwei Wochen sind zu verzeichnen. Alle wollen Geld von Anlegern, um ihre Kapazitäten kräftig auszubauen. Denn sie versprechen nichts Geringeres als einen Boom des Biosprits. Es werden sogar ähnliche Zuwächse vorhergesagt, wie sie zuletzt in der Solarbranche zu beobachten waren.

          Die Wachstumshoffnungen beim Biosprit ruhen auf mehreren Säulen. Energie ist ein Wachstumsmarkt, erneuerbare Energie erst recht. Doch erst seit die Europäische Kommission vorgeschrieben hat, daß die Mitgliedstaaten den Anteil von Biokraftstoffen am Kraftstoffverbrauch bis zum Jahr 2010 auf 5,75 Prozent steigern sollen, ist auch ein halbwegs kalkulierbarer Markt entstanden. Eine eher seltene Allianz aus Umwelt- und Landwirtschaftspolitikern - die einen wegen der günstigen CO2-Bilanz, die anderen wegen neuer Geschäftschancen für Landwirte - sorgte für eine Pflicht zur Beimischung von Biosprit bei der Benzinherstellung.

          Nachfrage an Bioethanol soll den Markt anheizen

          Der Markt ist derzeit eher überschaubar, wächst aber durch die Brüsseler Vorgaben nach Ansicht von Branchenkennern in den nächsten Jahren mit 50 Prozent und mehr jährlich. Im Mittelpunkt der Wachstumsprognosen steht vor allem Bioethanol, das durch die Fermentierung (eine Art Gärung) zucker- und stärkehaltiger Pflanzen, zum Beispiel Getreide, entsteht. Getreide gibt es genug in Europa. Rückwärts gerechnet sind für die 5,75 Prozent etwa 21 Millionen Tonnen Getreide nötig, der EU-Überschuß beträgt 30 Millionen Tonnen, die Jahresproduktion 260 Millionen Tonnen. Wertmäßig ergibt sich ein Bioethanolmarkt von rund vier Milliarden Euro. Daß der Börsenstart der Biodiesel AG, die Anlagen zur Biodieselherstellung anbietet, dieser Tage eher holprig ausfiel, hat wenig zu bedeuten.

          Das Interesse an der Südzucker-Tochter Crop Energies ist in diesen Tagen groß

          Denn die Börsengänge der größten Unternehmen der Biospritbranche, die ostdeutsche Verbio und vor allem die Südzucker-Beteiligungsgesellschaft Crop Energies aus Mannheim, stehen noch bevor. Beide Unternehmen rechnen mit Emissionserlösen im dreistelligen Millionen-Euro-Bereich. Von Crop Energies liegt bereits der Wertpapierprospekt vor, der Chancen und Risiken des Geschäfts aufzählt. Die gelten für die gesamte Branche.

          Die Landwirtschaftslobby ist gefragt

          Der neue Markt ist kein freier Markt im klassischen Sinn. „Ohne staatliche Förderung ist in der EU produziertes Bioethanol nicht wettbewerbsfähig“, steht gleich an erster Stelle der Risikofaktoren im Prospekt von Crop Energies. Und auch Punkt zwei ist existentiell für alle Unternehmen der Branche. „Der Import von Ethanol ist mit einem Importzoll belegt, der könnte gesenkt oder vollständig abgebaut werden.“ Denn anderswo, etwa in Brasilien, kann Bioethanol billiger hergestellt werden.

          Doch auf Brüssels Politiker und vor allem die Landwirtschaftslobby dürfte bis auf weiteres in gewohnter Manier Verlaß sein. Die Zwangsquote zur Beimischung dürfte eher steigen, und bis der Einfuhrzoll sinkt, können viele Jahre ins Land gehen. Die anderen Risiken wie die Gefahr von Überkapazitäten oder Preisschwankungen aufgrund veränderter Nachfrageverhältnisse sind dann eher wieder klassischer Natur. Die Markteintrittsschwelle ist allerdings recht hoch, denn die Herstellung von Bioethanol ist, wie Crop Energies bei ihrer ersten Anlage im ostdeutschen Zeitz erfahren mußte, nicht einfach. Unvorhergesehene Aufwendungen bescherten der Muttergesellschaft Südzucker höhere Anlaufverluste als erwartet.

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