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Trendumkehr : Warum mehr Wessis in den Osten ziehen

Dresden gehört zu den Magneten in Ostdeutschland. Bild: Helmut Fricke

Erstmals seit der Wende gewinnt Ostdeutschland Bevölkerung hinzu. Doch für eine Entwarnung gibt es noch lange keinen Grund.

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          Ostdeutschland kann mit Blick auf seine Bevölkerungsentwicklung wieder etwas Hoffnung schöpfen: Wie neue Berechnungen des Bundesinstituts für Bevölkerungsentwicklung (BiB) zeigen, sind im Jahr 2014 erstmals seit der Wiedervereinigung mehr Menschen von West- nach Ostdeutschland gezogen als umgekehrt.

          Sven Astheimer

          Verantwortlicher Redakteur für die Unternehmensberichterstattung.

          Auch wenn dieser Wanderungssaldo mit rund 7200 Personen überschaubar ist, lasse sich von einer belastbaren Trendumkehr sprechen, sagte Studienautor Bernhard Köppen der F.A.Z. Schon im Jahr 2013 sei der historische Negativtrend zumindest gestoppt worden. Zuvor war Ostdeutschlands Bevölkerung seit der Wiedervereinigung in einem atemberaubenden Ausmaß geschrumpft.

          In den fünf Flächenstaaten ist die Einwohnerzahl seit dem Ende der DDR um etwa 2,3 Millionen auf rund 12,5 Millionen Menschen gesunken. Das lag zum einen daran, dass die Geburtenrate nach der Wende dramatisch rückläufig war. Zum anderen suchten gerade viele Jüngere wegen des darniederliegenden Arbeitsmarktes in ihrer Heimat ihr Glück im Westen. Allein im Jahr 1991 verlor der Osten rund 170000 Menschen gen Westen, im Jahr darauf waren es nochmals 95000. Nach einer Beruhigung Mitte der neunziger Jahre betrug der Nettoverlust im Jahr 2000 nochmals fast 70000 Bürger.

          Nun scheint sich das Blatt zu wenden – allerdings nur für einige Regionen. „Berlin und Sachsen machen den Unterschied“, sagt Geograf Köppen. Es gebe einen „Hauptstadteffekt“, von dem auch in hohem Maße das brandenburgische Umland profitiere. Im selben Bundesland gebe es aber auch Regionen wie die Uckermark oder die Lausitz, die weiterhin unter hoher Landflucht litten. Die sächsischen Metropolen Dresden und Leipzig zögen ebenfalls in hohem Maß neue Bürger an. Auch die Küstenregionen von Mecklenburg-Vorpommern seien durch den Tourismus attraktiv, während das strukturschwache Hinterland kämpfen müsse.

          Insgesamt profitierten rund ein Drittel der ostdeutschen Gemeinden von Zuwanderung, in den anderen zwei Dritteln habe sich wenig geändert. „Das Ganze ist heute weniger eine Frage von West und Ost, sondern der Unterschiede zwischen Regionen“, sagte Köppen rund ein Vierteljahrhundert nach der Einheit mit Blick auf das gesamte Land. Auch im Westen gebe es enorme Unterschiede. Während die Bevölkerung Bayerns in diesem Zeitraum fast durchgehend gewachsen sei, halte der Abwärtstrend im Saarland an. Das kleinste westdeutsche Flächenland ähnele von der Struktur dem Osten. Niedersachsen und Schleswig-Holstein profitierten dagegen wohl von der Nachbarschaft zu den Stadtstaaten Hamburg und Bremen.

          Aus den BiB-Daten lassen sich weder Motive für die West-Ost-Wanderung noch mögliche Folgen der Rückkehrerprogramme der ostdeutschen Länder ablesen. Die Altersstruktur weise keine Besonderheiten auf, sagt Köppen, es überwiege die Gruppe der Mittelalten. Die These, dass vor allem Rentner sich für ihren Lebensabend im Osten niederlassen, bestätigen die Zahlen jedenfalls nicht. Allerdings setzen einige Regionen auf dieses Modell und die Arbeitsplätze im Dienstleistungssektor, die im Umfeld solcher Versorgungszentren entstehen. Die regionale Arbeitsmarktsituation spielt eine große Rolle für Wanderungsentscheidungen. Auch die angespannten Wohnungsmärkte in vielen westdeutschen Städten und die vergleichsweise günstige Lage im Osten dürften darauf Einfluss nehmen. Studenten zieht es wegen der niedrigeren Lebenshaltungskosten schon vermehrt an Universitäten in Ostdeutschland.

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