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Bill Gates im Interview : „Mir geht es nicht ums Steuersparen“

  • Aktualisiert am

Bill Gates Bild: REUTERS

Die Bill & Melinda Gates Foundation ist die größte Privatstiftung der Welt. Der Microsoft-Gründer macht heute vor allem als Wohltäter von sich reden. Im F.A.Z.-Gespräch bezeichnet er sich als „Extremspender“, dem es nicht um Steuervorteile gehe.

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          Herr Gates, Sie haben zusammen mit Ihrer Frau Melinda und dem Investor Warren Buffett 58 amerikanische Milliardäre zu dem Versprechen bewegt, mehr als die Hälfte ihres Vermögens für wohltätige Zwecke zu geben. Sind Sie bei manchen Superreichen auch abgeblitzt?

          Es gab tatsächlich einige, die „Nein“ gesagt haben. Manche Menschen wollen ihr Vermögen eben doch lieber vererben – und sicherstellen, dass ihre Kinder superreich sind. Andere sehen ihre Spenden als Privatangelegenheit und wollen keine öffentliche Erklärung abgeben wie mit unserem „Giving Pledge“. Und dann gibt es auch solche, die erst einmal sagen: „Wir überlegen es uns noch.“ Aber insgesamt sind wir von der Reaktion überwältigt.

          Können Sie noch mehr Milliardäre rekrutieren?

          Wir bekommen ständig Neuzugänge. In ein paar Monaten werden wir die nächste Runde von Namen veröffentlichen.

          Ihre Aktion gefällt nicht jedem. Manche bemängeln den elitären Charakter eines solchen Appells unter Milliardären, andere stören sich daran, dass durch die mit Spenden verbundenen Steuernachlässe dem Staat Einnahmen vorenthalten bleiben.

          Aber es führt doch wohl kein Weg an der Tatsache vorbei, dass der wohltätige Einsatz reicher Menschen eine Menge guter Dinge bewegt hat. Außerdem: Einem Extremspender wie mir geht es bestimmt nicht ums Steuersparen. Wenn man mehr als 95 Prozent seines Vermögens hergibt, dann wird auch das Potential für Steuervergünstigungen kleiner. Im „Giving Pledge“ haben wir einige solche Extremspender, manche versprechen sogar 100 Prozent.

          Die Milliardäre folgen Ihrem Beispiel nicht überall auf der Welt. Sie haben sich vor kurzem mit Reichen in Indien und China getroffen. Dort gibt es immer mehr Milliardäre, aber deren wohltätiger Einsatz hält sich in Grenzen, und Ihre Besuche scheinen bisher keine Spendenversprechen ausgelöst zu haben.

          Wir haben in Indien und China ganz andere Ziele. Uns ging es bei den Treffen in diesen Ländern nicht darum, konkrete Spendenverpflichtungen einzuholen, sondern einen grundsätzlichen Dialog über karitative Arbeit zu beginnen. Mit dem „Giving Pledge“ beschränken wir uns auf Amerika.

          Sie wollen also auch keine Milliardäre aus Deutschland oder anderen europäischen Ländern für die Aktion anwerben?

          Nein, aber ich kann mir sehr wohl einen Gedankenaustausch mit vermögenden Deutschen vorstellen, die sich zu Diskussionen über wohltätigen Einsatz zusammentun und dabei auch an meinen Erfahrungen interessiert sind.

          Was sagen Ihre drei Kinder dazu, dass die Eltern „Extremspender“ sind und nur ein sehr kleiner Teil des Vermögens für das Erbe bleibt?

          Melinda und ich haben den Kindern unsere Haltung oft erklärt, und ich denke, sie verstehen es auch. Wir wollen unsere Kinder nicht in eine Position bringen, in der sie keinerlei Ehrgeiz haben und nichts aus ihrem Leben machen müssen, und das ist sicher gesund für sie.

          Sie kommen in der nächsten Woche nach Deutschland und werden sich mit Bundeskanzlerin Angela Merkel und Entwicklungsminister Dirk Niebel treffen. Was soll bei den Gesprächen herauskommen?

          Deutschland ist großzügig in der Entwicklungshilfe, und die deutsche Regierung ist auf vielen Gebieten tätig, die auch in unserer Stiftungsarbeit eine Rolle spielen. Wir wollen über die Fortschritte und Ergebnisse diskutieren, die wir in der Entwicklungsarbeit sehen.

          Aber es dürfte wohl kaum pure Harmonie herrschen. Es muss Ihnen ein Dorn im Auge sein, dass die deutsche Regierung kürzlich die Zahlungen an den Globalen Fonds zur Bekämpfung von Aids, Tuberkulose und Malaria nach einer Korruptionsaffäre gestoppt hat. Ihre Stiftung gehört zu den größten Förderern des Fonds.

          Richtig, ich hoffe, dass Deutschland die Zahlungen so schnell wie möglich wieder aufnimmt. Am Ende sprechen die Fakten nämlich für den Fonds, und die Wirksamkeit seiner Arbeit ist unbestritten. Der Korruptionsfall hat eine kleine Dimension und wurde von der Organisation selbst aufgedeckt. Das rechtfertigt kein Fehlverhalten, und der Fonds mag nicht perfekt sein. Aber wer ihm Geld verweigert, dem muss klar sein: Viele Menschen werden dann keine Medikamente bekommen, und viele Menschen werden sterben.

          Wo in der Entwicklungshilfe muss Deutschland sonst mehr tun?

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