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Bildungspolitik : Staatliche Prämie für das Bildungssparen

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Kinder sollen ausreichend vorgebildet in die Schule kommen, dafür soll es mehr Geld für die Eltern geben Bild: dpa

Katholische Unternehmer fordern die Umschichtung von Geld zugunsten von Kleinkindern. Eltern sollen Gutscheine für Krippen- und Kindergartenbetreuung bekommen, damit die Kinder ausreichend vorgebildet eingeschult werden.

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          Der Staat sollte nicht nur das Bausparen fördern, sondern auch den Aufbau persönlichen Bildungsvermögens durch Eltern unterstützen. Wer für ein Kind Geld auf ein gesondertes Bildungssparkonto einzahlt, der sollte aus Steuermitteln eine Prämie von zehn Prozent bekommen und zudem Bildungssparen als Sonderausgabe steuerlich absetzen können. Diese Vorschläge macht der Bund Katholischer Unternehmer (BKU) in einem Grundsatzpapier zur Bildungsfinanzierung, das an diesem Dienstag veröffentlicht wird. Mit diesen und weiteren, ungewöhnlichen Ideen zur Vorschulerziehung und Hochschulfinanzierung will der Verband den Appell von Bundeskanzlerin Angela Merkel aufgreifen, die kürzlich gefordert hatte, die soziale Marktwirtschaft müsse künftig vor allem „Bildung für alle“ garantieren.

          In der Studie „Bildungsvermögen für alle“ wird eine starke Umschichtung öffentlicher Mittel aus dem universitären in den vorschulischen Bereich verlangt. Der Verband schlägt vor, dass sich die Hochschulen über Studiengebühren, Gelder von Unternehmen oder über Anleihen finanzieren. Der Staat sollte die frei werdenden Mittel in die vorschulische Bildung stecken, diese über Prämien, Gutscheine und Steuerermäßigungen aber vor allem den Eltern zugutekommen lassen. Denn diese - und nicht so sehr staatliche Institutionen - sollten mehr als bisher den Bildungsprozess der Kleinkinder steuern. „Die soziale Gerechtigkeit unseres Bildungswesen entscheidet sich weniger an der Frage, ob ein guter Schüler nach dem Abitur die Hochschulzulassung erhält, sondern vielmehr an der Frage, ob ein Kind am ersten Schultag ordentlich Deutsch sprechen kann“, schreiben die katholischen Unternehmer. Eine vorschulische Bildung nach Kassenlage wäre ein „Verbrechen an den Kindern“.

          Gutscheine für Krippen und Kindergärten

          Damit die Eltern in der Bildung eine wichtigere, subsidiäre Rolle spielen können, fordert der Verband die Umschichtung von jährlich 23 Milliarden Euro. Der Wegfall von Zuschüssen an Krippen und Kindergärten bringe 10 Milliarden, der Ersatz staatlicher Gelder durch Studiengebühren etwa 13 Milliarden Euro.

          Die Unternehmer wollen mit dem eingesparten Geld einerseits das Bildungssparen fördern und zum anderen Gutscheine finanzieren, die Eltern für die vorschulische Erziehung erhalten. Der jährliche Gutschein sollte bis zum dritten Lebensjahr 10.440 Euro betragen, was den Ausgaben für einen Kita-Platz entspreche, und vom dritten bis zum sechsten Lebensjahr 6300 Euro. Die Eltern können die Gutscheine in Kita oder Kindergärten einlösen oder die Kinder ganz oder teilweise in Eigeninitiative erziehen. Einen ähnlichen Vorschlag hatte zeitweise auch die CSU beim Ausbau der Krippenplätze durch die große Koalition gemacht, doch war dieser in der Bundesregierung nicht berücksichtigt worden.

          Das Bildungssparen sollte nach Ansicht des Verbandes bis zum 18. Lebensjahr gefördert werden. Eltern würden nach dem Vorschlag jährlich höchstens 1200 Euro auf ein Sonderkonto einzahlen und dafür 120 Euro vom Staat erhalten. Bei einem durchschnittlichen Zins von vier Prozent könne damit ein Bildungsvermögen von 35.206 Euro angespart werden, heißt es in dem Papier. Dieses Geld dürfe dann nach Vollendung des 18. Lebensjahres - und bis zum Rentenalter - nur für die eigene Aus- oder Weiterbildung verwendet werden.

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