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Bildungsinvestition : Weiterbildung gegen Urlaubsverzicht

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Verzichten auf Urlaub? Betriebe wollen dafür in die Weiterbildung ihrer Mitarbeiter investieren Bild: picture-alliance/ dpa

Eine Umfrage des Deutschen Industrie- und Handelskammertages zeigt: Unternehmen wünschen sich mehr Beteiligung ihrer Mitarbeiter. Für Urlaubsverzicht beispielsweise investieren sie in betriebsspezifische Weiterbildung.

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          Die Unternehmen würden ihre Weiterbildungsanstrengungen noch verstärken, wenn die Mitarbeiter sich mit Zeit und Geld beteiligten. Das geht aus einer Umfrage des Deutschen Industrie- und Handelskammertages bei 900 Betrieben im September 2005 hervor, die DIHK-Hauptgeschäftsführer Martin Wansleben am Montag in Nürnberg vorstellte.

          Danach wären 58,8 Prozent der Betriebe zu höheren Bildungsinvestitionen bereit, wenn die Mitarbeiter auf Urlaub oder Freizeit verzichteten; nur 18,7 Prozent verlangen hierfür eine finanzielle Beteiligung der Arbeitnehmer. 49 Prozent der Betriebe nennen als Voraussetzung für ein stärkeres Engagement die Amortisation der Bildungsinvestition, 47,1 Prozent verlangen eine betriebsspezifischere Weiterbildung, nur 19,8 Prozent setzen bessere Geschäftserwartungen voraus.

          Qualifizierung der Mitarbeiter lohnt sich langfristig

          Die Unternehmen wüßten, welchen strategischen Wettbewerbsfaktor die Qualifizierung der Mitarbeiter ausmache und daß diese nicht von kurzfristigen Geschäftserwartungen abhängig gemacht werden dürfe, sagte Wansleben. Der DIHK-Hauptgeschäftsführer warnte zugleich die Politik vor staatlichen Eingriffen in den Markt, zum Beispiel durch eine Weiterbildungsabgabe oder die verpflichtende Zertifizierung von Bildungsanbietern.

          Für diesen Fall wollten 49,1 Prozent der Betriebe aus der Weiterbildung und 29,6 Prozent aus der Erstausbildung aussteigen. 35,9 Prozent drohten, sie würden die staatlichen Auflagen ignorieren; 28,4 Prozent der Betriebe würden Zeitkräfte beschäftigen, um den Regelungen auszuweichen, und 10,9 Prozent sogar die Produktion ins Ausland verlagern.

          Pünktlichkeit, Zuverlässigkeit und soziale Kompetenz

          Bisher sei die Staatsferne der Weiterbildung „ein großer Pluspunkt in Deutschland“, da sie die Verkrustung von Strukturen verhindere, sagte Wansleben. Die DIHK-Umfrage zeigt außerdem, daß sich die Anforderungen der Unternehmen an die Mitarbeiter gewandelt haben. Das Fachwissen rangiere nicht mehr an erster Stelle, sondern werde inzwischen als selbstverständlich vorausgesetzt.

          „Im Zentrum der unternehmerischen Erwartungen stehen heute Lernbereitschaft, Leistungswillen und Innovationsstärke“, sagte Wansleben. Außer der Lernbereitschaft ihrer Beschäftigten seien für die Betriebe vor allem Tugenden wie Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit sowie soziale Kompetenzen wichtig. Noch vor dem Fachwissen rangiere die Fähigkeit der Mitarbeiter, sich selbständig um Weiterbildung zu bemühen.

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