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Betriebsrenten : Unruhe in der Commerzbank-Belegschaft

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Mit Entsetzen hat der Betriebsrat der Commerzbank auf die Kündigung der Betriebsrente zum Jahresende reagiert. "Wir sind fassungslos und sehr aufgebracht", sagte Mathias Fingerhut, Mitglied des Gesamtbetriebsrats.

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          Mit Entsetzen hat der Betriebsrat der Commerzbank auf die Kündigung der Betriebsrente zum Jahresende reagiert. "Wir sind fassungslos und sehr aufgebracht", sagte Mathias Fingerhut, Mitglied des Gesamtbetriebsrats. Der Vorstand hatte am 30. Dezember 2003 die Vereinbarung über die Betriebsrente zum 31. Dezember dieses Jahres gekündigt. Vor allem das Vorgehen hat die Vertreter der Beschäftigten entsetzt: "Das war eine Nacht-und-Nebel-Aktion", sagte Fingerhut. Ein Bote habe den Brief dem Vorsitzenden des Gesamtbetriebsrats Uwe Tschäge, der zugleich stellvertretender Vorsitzender des Aufsichtsrats ist, am Nachmittag des 30. Dezember in seinem Urlaub überbracht. Gleichzeitig sei eine Kopie einem anderen Betriebsrat in Frankfurt überreicht worden. Das Schreiben sei jedoch vor die Weihnachtsansprache von Vorstandssprecher Klaus-Peter Müller datiert.

          "Ich halte das Verhalten des Vorstands für skandalös", sagte Uwe Foullong, Fachbereichsleiter Banken bei der Gewerkschaft Verdi und Aufsichtsratsmitglied der Commerzbank. "Zu einem vertrauensvollen Umgang gehört es, daß harte Einschnitte vorher mit Aufsichtsrat und Betriebsrat besprochen werden."

          Die Arbeitnehmervertreter haben ein Rechtsgutachten in Auftrag gegeben und werden sich am 22. Januar zu einer Sondersitzung in Düsseldorf treffen. Danach wollen sie rechtlich gegen die Kündigung vorgehen. "Ich erwarte vom Vorstand, daß er den Schaden, den er angerichtet hat, erkennt und mit uns schnellstmöglich behebt", sagte Foullong weiter.

          Für Empörung unter den Angestellten sorgt auch die Tatsache, daß sich der Vorstand von der Kündigung der Betriebsrente ausgenommen hat. "Der Vorstand ist schon in Vorlage getreten", verteidigte dies eine Banksprecherin. Seine Mitglieder hätten schon in der Vergangenheit Abstriche bei der Altersvorsorge hingenommen.

          Mit der Kündigung behalten die Beschäftigten ihre Rentenansprüche, können aber von 2005 an keine neuen mehr erwerben. Eine Ersatzlösung sei nicht vorgesehen, hieß es bei der Bank. Nach einer Beispielsrechnung des Betriebsrats konnte ein Angestellter, der vor 1981 in die Bank eintrat, bisher eine Gesamtrente von 80 Prozent netto des letzten Bruttogehalts erwarten. Künftig seien es nur etwa 70 Prozent. "Dies ist eine Maßnahme von vielen, um die Kostenseite stabil zu halten", sagte die Banksprecherin, ohne den Effekt beziffern zu wollen. Schätzungen zufolge wird die Kündigung der Betriebsrente die Kosten um 40 bis 50 Millionen Euro senken. Begründet hat der Vorstand den Schritt mit der Notlage, in der sich die Bank befinde. Die Bank wird für 2003 einen hohen Verlust ausweisen, nachdem sie im Herbst Abschreibungen auf Beteiligungen von 2,3 Milliarden Euro vorgenommen hat. Zuvor hatte Müller jedoch mehrfach ein ausgeglichenes Ergebnis in Aussicht gestellt. Betroffen sind zunächst die rund 26 000 Beschäftigten der Bank. Die Angestellten der Tochtergesellschaften werden vorläufig weiter Betriebsrente erhalten.

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