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Elterngeld : Papa will nicht wickeln

Für Mehrlingsgeburten gibt es einen Bonus: Der Staat legt monatlich pro weiterem Kind 300 Euro Elterngeld oben drauf.

Oswald ist zu Hause angekommen, er geht in sein Arbeitszimmer. Am Ende des Gesprächs macht er die Tür zu und nennt noch einen Grund. „Ich habe auch keine Lust auf diese Frauen-Welt. Ich will nicht ein Jahr von einer Mütter-Selbstfindungsgruppe zur nächsten laufen.“ Bekannte von ihm hätten das gemacht. „Die sagen mir: ,Das ist wie Gehirnwäsche.‘“ Er könne das nachvollziehen, denn er gehe mit seinem älteren Sohn zum Hockey und zum Kinderenglisch. „Da bin ich in der Regel der einzige Mann. Und seitdem weiß ich über manche Frauen Dinge, die möchte ich gar nicht wissen! Die erzählen mir dann ihre Sex-Probleme!“ Für ihn steht fest: „Da gehe ich lieber arbeiten!“ Tatsächlich gesteht der eine oder andere Vater im vertraulichen Gespräch, dass ein Baby bisweilen anstrengender ist als jedes Meeting.

Um mehr Männer an den Wickeltisch zu bringen, gehen insbesondere die Sozialdemokraten mit öffentlichkeitswirksamem Beispiel voran. Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig etwa ist im Mai direkt nach dem Mutterschutz wieder an ihren Schreibtisch zurückgekehrt, ihr Mann Stefan hingegen geht für zwölf Monate in Elternzeit. Ein Problem? Aber nicht doch, beteuerten die Schwesigs in einem dreiseitigen Interview mit der „Bild am Sonntag“: „Karriere für beide geht – vielleicht nicht immer gleichzeitig zu 100 Prozent. Für mich ist klar, dass ich das nächste Jahr für unser Kind da bin“, antwortet der Vater. Und anstatt zu nörgeln, sollten die Arbeitgeber „die Erfahrung in der Erziehungszeit wertschätzen: Da lernt man Sozialkompetenz, und man muss mit einem Kind ja auch ziemlich flexibel sein.“

Seine Frau Manuela deutet die Frage, wer zu Hause bleibt und beruflich zurücksteckt, gar in ein Privileg um: „Die ersten Monate mit einem Baby sind so eine wertvolle Zeit, warum sollte diese nur den Müttern zustehen? Ich gönne meinem Mann diese Phase.“ Sorgen anderer Mütter, ob der Partner Haushalt und Kind tatsächlich einigermaßen hinbekommt, hat die Familienministerin nicht, im Gegenteil: „Er macht das beste Frühstück der Welt. Und kann die Spülmaschine viel besser einräumen.“

Sozialdemokratische Mustermänner

Auch Schwesigs Parteivorsitzender Sigmar Gabriel machte vor, wie sich das Thema Vätermonate medienwirksam ausschlachten lässt. In der selbstverordneten, dreimonatigen Babypause twitterte und facebookte der Vizekanzler, was die Tastatur hergab. Er gab so viele Interviews und feilte an derart vielen Konzepten, dass sich selbst seine Parteifreunde fragten, ob er bei so viel Hyperaktivität auch nur ein Fläschchen gegeben hat.

Wegen – oder trotz – dieser sozialdemokratischen Mustermänner steigt die Beteiligung der Väter seit Einführung des Elterngelds 2007 immerhin kontinuierlich an: Zu Beginn nahm nur jeder fünfte Vater Elternzeit (20,8 Prozent), mittlerweile ist es jeder dritte (34,2 Prozent). Das neue „Elterngeld Plus“, das einen längeren Bezug bei Teilzeitarbeit ermöglicht, soll die Quote weiter nach oben treiben. Nach neuesten Zahlen des Statistischen Bundesamtes hält sich der Erfolg aber in Grenzen: Demnach hat sich im ersten Quartal 2016, ein Dreivierteljahr nach Einführung der neuen Leistung, nicht mal jedes fünfte Elternpaar (17,4 Prozent) dafür entschieden.

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