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Bestseller-Autor J. D. Vance : Rückkehr in die Tristesse

Bild: AP

J. D. Vance hat Amerikanern in seinem Bestseller „Hillbilly Elegy“ das Trump-Phänomen erklärt. Er hätte selbst als Abgehängter enden können, machte aber Karriere. Jetzt zieht es ihn wieder in seine Heimat.

          Man hat ihn den „Wutübersetzer“ genannt. Sein Buch „Hillbilly Elegy“ kam wenige Monate vor der amerikanischen Präsidentschaftswahl im vergangenen Jahr heraus und traf einen Nerv. Er nannte es „eine persönliche Analyse einer Kultur in der Krise – derjenigen von armen, weißen Amerikanern“. So wurde James David („J.D.“) Vance unverhofft zum Erklärer des Phänomens Donald Trump. Ohne jemals Trumps Namen zu nennen, gab er in dem Buch Einblicke, was gerade weiße Menschen in wirtschaftlich desolaten amerikanischen Regionen so empfänglich für dessen Botschaft gemacht hat.

          Roland Lindner

          Wirtschaftskorrespondent in New York.

          Dies tat er aus erster Hand, denn er wuchs selbst als „Hillbilly“ oder „Hinterwäldler“ auf: im Nirgendwo von Kentucky und in einer Stadt in Ohio, die vom Niedergang ihrer Stahlfabriken getroffen wurde und der es damit ähnlich erging wie vielen anderen Orten im industriellen Rostgürtel Amerikas. Er tat es auch aus einer komfortablen Position heraus, denn er hatte es geschafft, seine triste Heimat hinter sich zu lassen, an der Eliteuniversität Yale zu studieren und Investor im Silicon Valley zu werden. „Hillbilly Elegy“ wurde zu einem Bestseller und ist bis heute eines der meistverkauften Bücher in den Vereinigten Staaten. Der 32 Jahre alte Vance hält nun regelmäßig Vorträge und ist ein gefragter Gast in politischen Fernsehsendungen.

          Zurück nach Ohio

          Jetzt hat er beschlossen, zu seinen Wurzeln zurückzukehren. Er zieht wieder nach Ohio. Dort will er weiter als Investor tätig sein, wobei er dort ganz andere Voraussetzungen vorfinden wird als im Silicon Valley, denn Ohio ist bislang für traditionelle Wagniskapitalgeber weitgehend Brachland. Vance wird nun für die Revolution LLC arbeiten, hinter der Steve Case steht, der Gründer des Online-Dienstes AOL. Revolution hat sich auf die Fahnen geschrieben, Unternehmen jenseits etablierter Gründerregionen wie dem Silicon Valley zu fördern. Vance soll sich in Ohio nach verheißungsvollen Start-up-Unternehmen umsehen.

          In einem Gastbeitrag für die „New York Times“ schrieb er, er liebe seine Heimat. Außerdem wolle er mit seiner Rückkehr einen Kontrapunkt zu dem „Brain Drain“ setzen, also dem Abwandern gut ausgebildeter Menschen, unter dem viele strukturschwache amerikanische Regionen leiden. Er habe sich gefragt ob er im Silicon Valley selbst Teil eines Problems geworden sei. „Es ist erschütternd, in einer Welt zu leben, wo jede Person meint, ihr Leben wird nur besser werden, wenn man aus einer Welt kommt, wo viele Menschen zurecht glauben, dass die Dinge schlechter geworden sind. Und mir ist der Verdacht gekommen, dass dieser Optimismus viele im Silicon Valley blind für die echten Kämpfe in anderen Teilen des Landes gemacht hat.“

          „Immun gegen harte Arbeit“

          Vance hatte alles andere als gute Voraussetzungen, um Karriere zu machen. In seinem Buch schreibt er, das Beste, worauf Kinder mit seinen Ausgangsbedingungen hoffen könnten, sei es, Sozialhilfe zu vermeiden. Im schlechtesten Fall bringe sie eine Überdosis Heroin ins Grab. „Ich bin arm aufgewachsen, in einer Stahlstadt in Ohio, die Arbeitsplätze und Hoffnung verloren hat, solange ich mich erinnern kann.“ Zur Armut kamen zerrüttete Familienverhältnisse: Sein Vater verließ die Familie, als er noch klein war, seine Mutter kämpfte mit Drogensucht und vernachlässigte ihn. Seine Großmutter wurde zu seiner prägenden Figur und bläute ihm ein, dass er alles im Leben erreichen kann.

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