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Bernd Lucke : Alternative für Deutschland?

Der nette Mann von nebenan: AfD-Gründer Bernd Lucke Bild: Gyarmaty, Jens

Bernd Lucke ist das Gegenteil eines charismatischen Populisten. Trotzdem kann er dem politischen Mainstream Paroli bieten. Verhilft ihm sein Auftreten gerade deshalb zu solch einem Erfolg?

          Bernd Lucke kommt so harmlos daher, so brav, so normal. 1962 ist er geboren, wie ungefähr 1,3 Millionen andere dieses Babyboomer-Jahrgangs. Strebsam hat er eine klassische Bildungslaufbahn absolviert, in Schule und Universitäten, die noch von ideologischen Kämpfen geprägt waren. Er trat in die Junge Union ein. In der Freizeit sammelte er Fossilien und Farne. Er studierte Volkswirtschaft, wurde mit „summa cum laude“ promoviert und kam damit seinem Ziel näher, ordentlicher Professor zu werden. Gefährlich klingt das nicht, eher beruhigend, als wachse hier eine Stütze der Gesellschaft heran. Im vergangenen Jahr hat Bernd Lucke mit anderen die Alternative für Deutschland (AfD) gegründet. Für die sitzt er jetzt im Europaparlament.

          Winand von Petersdorff-Campen

          Wirtschaftskorrespondent in Washington.

          Gewiss ist Lucke bei aller Normalität nicht durchschnittlich: Er ist besonders klug, besonders diszipliniert und besonders strebsam. Seine Kernfamilie ist statistisch auffällig, weil sie aus sieben Köpfen besteht. Sie haben kein Auto und keinen Fernseher, spielen dafür gerne Tischtennis. Das alles ist altmodisch und zugleich sehr zeitgemäß, entspricht es doch dem Lebensstil, den die Allnatura-Kunden, die Prenzlauer-Berg-Familien und Deutschlands erfolgreichste Zeitschrift, die „Apotheken Umschau“, beständig propagieren: Lebe nachhaltig, bescheiden und bleibe in Bewegung. Zweimal sogar hat Lucke Erziehungsurlaub genommen, gelegentlich stellt er sich an den Kochtopf. So denkt man sich einen modernen Mann und keinen Erzkonservativen.

          Bernd Lucke bleibt einfach eine unauffällige Erscheinung, sympathisch, frisch und kontrolliert. Bier trinken gehen möchte man eher nicht mit ihm, weil die Gefahr groß wäre, dass er Fanta bestellt.

          Seine Person widerlegt eine Vorstellung, die Politologen lange gepflegt haben: Sie dachten, eine rechtspopulistische Partei könne in Deutschland nur entstehen, wenn sie von einem starken, polarisierenden Charismatiker geführt würde, einer echten Kraftnatur. All die brodelnden politischen Strömungen, die sich gegen den politischen Mainstream stellten, würden irgendwann zusammenfließen, um sich auf eine beeindruckende Führungsfigur auszurichten. Dachte man.

          Kein Volkstribun klassischer Art

          Der Gedanke liegt nahe. Die Engländer haben den großen Rhetor Nigel Farage, die Franzosen die kraftvolle Marine Le Pen, die Holländer den schillernden Geert Wilders. Die Deutschen aber haben niemanden abbekommen. Denn Bernd Lucke ist kein Volkstribun klassischer Art, er redet klar und präzise, aber nicht begeisternd. Er strahlt auch keine Herzenswärme aus, eher unnahbare Präzision. Und Ironie versteht er nicht.

          Manchmal streut er sehr kalkuliert Bosheiten in seine Reden ein, die für einen bekennenden Christen ziemlich brutal sind. („Man hat das Gefühl, dass sich niemand im Bundestag für unsere Kinder interessiert – außer Herr Edathy.“) Die Zuhörer johlen und klatschen nach solchen Sätzen besonders. Aber sie klatschen ohnehin viel, wenn der Mann spricht. Sie stehen dafür sogar auf. Lucke sagt: „Sie jubeln nicht wegen mir. Sie sehen mich als Personifikation einer politischen Erneuerung, die sie sich sehnlich wünschen.“

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