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Berlin diskutiert über Begrüßungsgeld : 300 Euro für jeden Studenten?

Studenten in einem Hörsaal der Humboldt-Uni in Berlin. Bild: AP

Berlin zahlt Studenten bisher 50 Euro Begrüßungsgeld. Nun sind sogar 300 Euro im Gespräch. Die Idee: Wenn mehr Studenten kommen, gibt es mehr Geld aus dem Länderfinanzausgleich.

          Die Hauptstadt leidet in jeder Hinsicht unter dem Verlust an Einwohnern, die ihr der jüngste Zensus beschert hat. Nicht zuletzt schmerzt der Verlust an Größe, weil damit die Überweisungen aus dem Länderfinanzausgleich geringer ausfallen. So diskutieren Landespolitiker in Berlin offen, wie man die Statistik aufhübschen kann. Im Zentrum der Überlegungen steht ein Begrüßungsgeld für Studenten. Bisher erhalten Studenten 50 Euro, wenn sie ihren Hauptwohnsitz in Deutschlands größter Stadt anmelden. Bald könnte es ein Vielfaches werden. Offiziell heißt es dazu, entschieden sei noch nichts. Aber das kann sich schon an diesem Dienstag ändern, wenn der Senat darüber berät.

          Manfred Schäfers

          Wirtschaftskorrespondent in Berlin.

          Die Tendenz ist nach den nach Aussagen von Politikern von SPD und CDU klar. Der SPD-Fraktionsvize im Abgeordnetenhaus Jörg Stroedter ließ sich mit den Worten zitieren: „Viele Studenten aus anderen Bundesländern, die bei uns studieren, haben jedoch nicht ihren ersten Wohnsitz in Berlin. Dafür wollen wir jetzt einen finanziellen Anreiz schaffen.“ Sein Kollege von der CDU, Stefan Evers, ließ ebenfalls Sympathie für diesen Weg erkennen: „Als Reaktion auf den Zensus ist das eine sinnvolle Sache.“ Die beiden Parteien tragen die Regierung in dem Stadtstaat.

          Was Berlin plant, ist nicht ungewöhnlich: Magdeburg, Leipzig, Dresden, Kiel und Bremen umwerben die Studenten mit Einmalzahlungen, die Umzugsprämie, Unterstützungszahlung oder Begrüßungsgeld heißen. Sachsen-Anhalts Landeshauptstadt wirbt mit dem Slogan: „Magdeburger werden, studieren und kassieren.“ Mit einer dreistufigen Unterstützungsaktion - 70 Euro, 50 Euro, 40 Euro - heiße man alle Studierenden, die ihre Hauptwohnung dort anmeldeten, willkommen. Studierende, die mit Nebenwohnung in Magdeburg gemeldet seien, sollten die Möglichkeit nutzen, diese in eine Hauptwohnung umzumelden. Auch Leipzig, Dresden, Bremen und Kiel zahlen. „150 Euro für deinen Start in Dresden“, wirbt die sächsische Landeshauptstadt. In Bremen heißt es: „Ummelden und 150 Euro Begrüßungsgeld kassieren.“ Auch die Stadt Leipzig gewährt eine „freiwillige finanzielle Leistung in Form einer Einmalzahlung in Höhe von 150 Euro“. In Kiel können auch Auszubildende in den Genuss der Hilfe kommen. Antragsberechtigt sind neben Studenten der Christian-Albrechts-Universität, der Fachhochschule Kiel, der Kunsthochschule und der Wirtschaftsakademie seit März auch Auszubildende und Berufsfachschüler. Auch hier gibt es 150 Euro.

          Wenn in Berlin das Begrüßungsgeld tatsächlich auf 250 oder 300 Euro festgesetzt würde, wäre das deutlich mehr, als andere Städte ihren Studenten zahlen, wenn diese ihren Hauptwohnsitz dorthin verlegen, wo sie eingeschrieben sind. Die 180.000 weniger Einwohner, die der Zensus Berlin offenbarte, kostet die Stadt im Länderfinanzausgleich knapp eine halbe Milliarde Euro - mehr als 2500 Euro je Kopf. Aus Sicht der Stadt ist es also ökonomisch, einmalig ein paar hundert Euro zu zahlen, um im Finanzausgleich regelmäßig deutlich mehr zu kassieren. Die Geberländer dürften das anders sehen: Sie müssen dann entsprechend mehr zahlen.

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