https://www.faz.net/-gqe-7aee5

Berlin diskutiert über Begrüßungsgeld : 300 Euro für jeden Studenten?

Studenten in einem Hörsaal der Humboldt-Uni in Berlin. Bild: AP

Berlin zahlt Studenten bisher 50 Euro Begrüßungsgeld. Nun sind sogar 300 Euro im Gespräch. Die Idee: Wenn mehr Studenten kommen, gibt es mehr Geld aus dem Länderfinanzausgleich.

          2 Min.

          Die Hauptstadt leidet in jeder Hinsicht unter dem Verlust an Einwohnern, die ihr der jüngste Zensus beschert hat. Nicht zuletzt schmerzt der Verlust an Größe, weil damit die Überweisungen aus dem Länderfinanzausgleich geringer ausfallen. So diskutieren Landespolitiker in Berlin offen, wie man die Statistik aufhübschen kann. Im Zentrum der Überlegungen steht ein Begrüßungsgeld für Studenten. Bisher erhalten Studenten 50 Euro, wenn sie ihren Hauptwohnsitz in Deutschlands größter Stadt anmelden. Bald könnte es ein Vielfaches werden. Offiziell heißt es dazu, entschieden sei noch nichts. Aber das kann sich schon an diesem Dienstag ändern, wenn der Senat darüber berät.

          Manfred Schäfers

          Wirtschaftskorrespondent in Berlin.

          Die Tendenz ist nach den nach Aussagen von Politikern von SPD und CDU klar. Der SPD-Fraktionsvize im Abgeordnetenhaus Jörg Stroedter ließ sich mit den Worten zitieren: „Viele Studenten aus anderen Bundesländern, die bei uns studieren, haben jedoch nicht ihren ersten Wohnsitz in Berlin. Dafür wollen wir jetzt einen finanziellen Anreiz schaffen.“ Sein Kollege von der CDU, Stefan Evers, ließ ebenfalls Sympathie für diesen Weg erkennen: „Als Reaktion auf den Zensus ist das eine sinnvolle Sache.“ Die beiden Parteien tragen die Regierung in dem Stadtstaat.

          Was Berlin plant, ist nicht ungewöhnlich: Magdeburg, Leipzig, Dresden, Kiel und Bremen umwerben die Studenten mit Einmalzahlungen, die Umzugsprämie, Unterstützungszahlung oder Begrüßungsgeld heißen. Sachsen-Anhalts Landeshauptstadt wirbt mit dem Slogan: „Magdeburger werden, studieren und kassieren.“ Mit einer dreistufigen Unterstützungsaktion - 70 Euro, 50 Euro, 40 Euro - heiße man alle Studierenden, die ihre Hauptwohnung dort anmeldeten, willkommen. Studierende, die mit Nebenwohnung in Magdeburg gemeldet seien, sollten die Möglichkeit nutzen, diese in eine Hauptwohnung umzumelden. Auch Leipzig, Dresden, Bremen und Kiel zahlen. „150 Euro für deinen Start in Dresden“, wirbt die sächsische Landeshauptstadt. In Bremen heißt es: „Ummelden und 150 Euro Begrüßungsgeld kassieren.“ Auch die Stadt Leipzig gewährt eine „freiwillige finanzielle Leistung in Form einer Einmalzahlung in Höhe von 150 Euro“. In Kiel können auch Auszubildende in den Genuss der Hilfe kommen. Antragsberechtigt sind neben Studenten der Christian-Albrechts-Universität, der Fachhochschule Kiel, der Kunsthochschule und der Wirtschaftsakademie seit März auch Auszubildende und Berufsfachschüler. Auch hier gibt es 150 Euro.

          Wenn in Berlin das Begrüßungsgeld tatsächlich auf 250 oder 300 Euro festgesetzt würde, wäre das deutlich mehr, als andere Städte ihren Studenten zahlen, wenn diese ihren Hauptwohnsitz dorthin verlegen, wo sie eingeschrieben sind. Die 180.000 weniger Einwohner, die der Zensus Berlin offenbarte, kostet die Stadt im Länderfinanzausgleich knapp eine halbe Milliarde Euro - mehr als 2500 Euro je Kopf. Aus Sicht der Stadt ist es also ökonomisch, einmalig ein paar hundert Euro zu zahlen, um im Finanzausgleich regelmäßig deutlich mehr zu kassieren. Die Geberländer dürften das anders sehen: Sie müssen dann entsprechend mehr zahlen.

          Weitere Themen

          Sie retten das Leben von Kindern

          Berlin Heart : Sie retten das Leben von Kindern

          Ein Berliner Unternehmen stellt Herz-Unterstützungssysteme für Patienten her, die auf ein Spenderorgan warten. Sie werden implantiert, wenn der Patient sonst nicht überleben würde.

          VW bietet Kunden erstmals Entschädigung an Video-Seite öffnen

          Dieselskandal : VW bietet Kunden erstmals Entschädigung an

          Viereinhalb Jahre nach Bekanntwerden des Dieselskandals bietet Volkswagen hunderttausenden Kunden in Deutschland erstmals eine Entschädigung an. Verhandlungen für einen Vergleich mit der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) scheiterten indes.

          Topmeldungen

          In Karlsruhe wird ein Verdächtiger am Samstag abgeführt.

          Zerschlagene Terrorzelle : Sie planten Bürgerkriegsszenarien

          Eine überregionale rechtsextreme Terrorzelle stand offenbar kurz davor, einen schweren Anschlag zu verüben. Die Mitglieder fanden sich wohl im Netz und radikalisierten sich. Nun kam heraus, welche Pläne sie hatten und wie sie gestoppt wurden.
          In einem Landtag: Björn Höcke, AfD-Fraktionschef, und weitere Mitglieder der AfD-Fraktion verfolgen in Erfurt die Regierungserklärung von Ministerpräsident Ramelow (Linke)

          AfD und Linke : Streitbare Demokratie

          Ob eine Partei vom Verfassungsschutz beobachtet wird, hängt auch vom Verhalten ihres Führungspersonals ab. Und hier marschiert die AfD bewusst in Richtung Verfassungsfeindlichkeit.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.