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Bergbau : Der Einzug der Roboter

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Bild: F.A.Z.

Bergbau ohne Kumpel: Was für die einen utopisch klingt, finden andere revolutionär und realisierbar. Die Herausforderung der Ingenieure ist, unter Tage möglichst vollkommen ohne Menschen auszukommen.

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          Schmutzig, laut, gefährlich, altmodisch - der Bergbau genießt in der Öffentlichkeit einen schlechten Ruf.

          Tatsächlich strotzen die Maschinen, die unter und über Tage zur Gewinnung von Bodenschätzen eingesetzt werden, vor moderner Technologie.

          „Wir müssen von diesem Image wegkommen, daß Bergbau einfach nur ein schwarzes Loch ist“, sagt Manfred Schmidt, technischer Direktor beim Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA), zuständig für Bergbaumaschinen.

          Kumpel unter Tage

          „Wir sind eine Hochtechnologiebranche, die ihre Produkte weltweit anbietet.“ Sicherheit für die Mitarbeiter und den Bergbaubetrieb insgesamt sowie der Zwang zu höherer Produktivität führen nämlich dazu, Abbauprozesse zu automatisieren.

          Der Kumpel unter Tage - zumindest in Deutschland - gehört allmählich der Vergangenheit an. Roboter übernehmen die mühsame Arbeit in Kohleflözen oder Erzgruben. Die Steuerung erfolgt über Tage von der Leitzentrale aus.

          Ferngelenkte „mannlose“ Fahrzeuge bohren Sprenglöcher, die nach einem Schema optimal vom Computer gesteuert werden.

          Nimmermüde „mannlose Roboter“

          Sie füllen die Löcher und sorgen für das „Absprengen“, wie es im Fachjargon heißt. Fahrlader, mit Sensoren und Funksteuerung ausgestattet, transportieren das Abbaugut aus unterschiedlichen Schächten zu den richtigen Förderbändern; ohne Fahrer und von oben kontrolliert.

          Dabei haben die „mannlosen Roboter“ die Eigenheit, daß sie nicht müde werden und rund um die Uhr arbeiten können.

          Computer bestimmen die Abbauweise: Um die Statik zu gewährleisten und um Einstürze zu vermeiden, muß der Abbau unter Tage nach einem Schema befolgt werden. Das Schachbrettsystem ist eine gängige Methode.

          Steinschlag und Einsturz

          Wie im Brettspiel ist der Abbaubereich in Flächen eingeteilt. Während die „weiße Fläche“ bearbeitet wird, bleibt die danebenliegende „schwarze Fläche“ zunächst unberührt. Ist „Weiß“ erschöpft, wird sie gefüllt und stabilisiert; „Schwarz“ kommt an die Reihe.

          Das klingt einfach. Dahinter aber steckt ein kompliziertes logistisches System. Den Abbau selbst machen mittlerweile gewaltige Maschinen mit einer Gesamtlänge von 120 bis 300 Metern: Ein „Hobellager“ fräst sich durch die Flöze und zieht mächtige Schutzschilde hinter sich her.

          Sie schützen vor Steinschlag und Einsturz. Das geschieht automatisch. Nur noch vergleichsweise wenige Arbeitskräfte sorgen unter Tage für den reibungslosen Ablauf und erledigen Arbeiten, zu der eine Maschine nicht in der Lage ist.

          Bergbau ohne Menschen

          Die Herausforderung der Ingenieure ist, unter Tage möglichst vollkommen ohne Menschen auszukommen. Für Manfred Schmidt klingt das revolutionär, aber nicht utopisch. Darüber hinaus arbeiten sie daran, zunehmend die Aufbereitung unter die Erde zu verlagern.

          Es gibt erste Versuche in China unter Beteiligung deutscher Firmen, Kohle in der Lagerstätte bereits zu vergasen oder zu verflüssigen. Ebenso soll das Abbaugut mehr und mehr vor Ort zerkleinert und sortiert, aus den Erzen sollen schon Metalle gewonnen werden.

          Das erhöht die Produktivität und senkt die Kosten. Denn so kann Energie eingespart werden, die einen großen Kostenblock ausmacht.

          Neue Technologien

          Optoelektronische Sortieranlagen, die mit Druckluft arbeiten, werden bereits erfolgreich eingesetzt. So erfolgreich, daß sich diese Technologie inzwischen im alltäglichen Recycling wiederfindet: beim Sortieren von Altglas.

          So könnte das nach Farben getrennte Einwerfen von Flaschen in die Recycling-Tonne schon bald der Vergangenheit angehören.

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