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BER : Gepolter am Flughafen

Berlin bekommt heute nach 13 Jahren einen neuen Bürgermeister. Wann Wowereits Nachfolger endlich den neuen Flughafen eröffnen darf, ist noch immer unklar. Die Politik darf sich jetzt aber nicht wegstehlen.

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          Die Ruhe auf der Baustelle des Berliner Hauptstadtflughafens BER steht in hartem Kontrast zum Trubel in der Flughafengesellschaft. Der Aufsichtsrat verliert seinen umstrittenen Vorsitzenden, wenn Berlins Bürgermeister Klaus Wowereit an diesem Donnerstag im Rathaus Michael Müller Platz macht. Müller will nicht zugleich Oberaufseher des Flughafens werden. Doch muss schon seine Entscheidung, überhaupt in den Aufsichtsrat zu gehen, als mutig gelten. Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke kneift ohne schlechtes Gewissen, er überlässt die undankbare Kontrollaufgabe einem Staatssekretär.

          Das Stühlerücken im Aufsichtsrat nutzt Brandenburg, um einen Mann aus der Wirtschaft, den ehemaligen Rolls-Royce-Manager Axel Arendt, zu etablieren. Das ist eine gute Idee, Wirtschaftskompetenz kann nicht schaden in einem intransparenten Projekt, in dem Prozesse stocken und Kosten in himmlische Höhen steigen. Möglicherweise wird Arendt sogar Vorsitzender. Das kann das Vorhaben voranbringen, wenn es dem Neuen gelingt, mit Autorität und Fingerspitzengefühl jene Zwistigkeiten zu ersticken, die in diesem Aufsichtsrat seit Jahren lustvoll ausgelebt werden. Aber der Rückzug der Politik aus dem Aufsichtsrat, initiiert vor allem von Brandenburg, ist auch eine Bankrotterklärung der Politik. Der Flughafen ist ein öffentliches Projekt! Solange Berlin, Brandenburg und Bund die Gesellschaft tragen, haben die Politiker die Verantwortung. Sie dürfen sich nicht wegstehlen, nur weil sie sich noch nicht im Glanze eines schicken Flughafens sonnen können. An dem Debakel hat ja auch die Politik schuld, die einst an der falschen Stelle sparte und dann über Jahre nicht scharf genug hinschaute.

          Nun wird, wen wundert es, ein neuer Sündenbock gesucht. Da bietet sich Flughafen-Geschäftsführer Hartmut Mehdorn an. Sein Talent im Umgang mit der Politik ist seit Bahn-Zeiten legendär. Unvorsichtigerweise schriftlich hat er gerade seine Wut abgelassen über die mangelnde Unterstützung durch die Gesellschafter. Die sehen ihn als Nestbeschmutzer, der nicht liefert. Vor allem das Bundesverkehrsministerium und Brandenburg wollen ihn absägen, nur Müller hat noch Geduld. Ein neuer Flughafen-Chef aber würde das Vorhaben nicht entscheidend voranbringen. Er müsste sich wieder einarbeiten und könnte falsche Kabel unter der Bodenplatte auch nicht durch Zauberei beseitigen. Mehdorn sollte den Flughafen fertigbringen, managen kann ihn dann ein anderer.

          Kerstin Schwenn

          Wirtschaftskorrespondentin in Berlin.

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