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Private Banken, freie Sparzinsen : China will mehr Markt wagen

Ein Chinesischer Bankangestellter zählt Geld. Bild: dpa

Private Banken, freie Sparzinsen - Chinas Regierung überlässt den Geldverkehr immer weiter dem Markt. Denn mit den alten Staatsbanken stößt das Land an Wachstumsgrenzen.

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          Es sind entscheidende Schritte auf Chinas Weg, den Geldverkehr freizugeben. Nach der schnellen Liberalisierung der Warenmärkte sollen in den kommenden fünf Jahren auch die Geldgeschäfte den Marktkräften unterworfen und die Kapitalströme über die Grenzen hinweg freigegeben werden - und am Dienstag haben Chinas Politiker zwei entscheidende Schritte angekündigt.

          Christian Geinitz
          Wirtschaftskorrespondent in Berlin

          So können sich die chinesischen Privatanleger, die emsigsten Sparer der Welt, auf höhere Renditen einstellen. Die bisherige Zinsdeckelung soll aufgegeben werden, um den Wettbewerb unter den Banken zu beleben. Das dürfte sich in besseren Konditionen für die Kunden niederschlagen.

          „Die Freigabe der Einlagenzinsen steht auf unserem Programm. Ich persönlich halte es für sehr wahrscheinlich, dass das in ein oder zwei Jahren verwirklicht wird“, sagte der Gouverneur der Zentralbank PBOC, Zhou Xiaochuan, am Dienstag auf einer Pressekonferenz aus Anlass des Nationalen Volkskongresses in Peking.

          Das Scheinparlament des Einparteienstaats tagt noch bis Donnerstag in der Hauptstadt. Zhous Einlassung war die erste eines Verantwortlichen, die explizit einen Zeitrahmen für die Zinsfreigabe nannte. Auf derselben Veranstaltung kündigte der Vorsitzende der Bankenaufsicht, Shang Fulin, die Zulassung der ersten fünf Privatbanken in China an. Sie würden probehalber an vier Standorten eröffnet,  in den Städten Schanghai und Tianjin sowie in den Küstenprovinzen Guangdong und Zhejiang.

          Diese und andere Reformschritte waren auf der Wirtschaftstagung des Zentralkomitees der Kommunistischen Partei, dem „Dritten Plenum“, im November beschlossen worden und werden seitdem immer weiter konkretisiert. Zhou sagte, alle vom Plenum angekündigten Neuerungen würden in ein bis spätestens fünf Jahren verwirklicht.

          Das alte Staatsbankensystem kostet den Mittelstand viel Geld

          Noch dominieren die Staatsbanken den chinesischen Markt, doch sie gelten als schwerfällig und ineffizient. Bisher verdiente dieses Oligopol viel Geld mit dem von der PBOC vorgegebenen Zinsabstand zwischen Kredit- und Einlagensätzen. Die Sparer erhielten so geringe Zinsen, dass sie nach Abzug der Inflation gegen Null gingen oder negativ waren.

          Dadurch wurden die niedrigen Sollzinsen der Staatsbetriebe subventioniert. Hingegen ging der private Mittelstand oft leer aus und flüchtete oft in den grauen Kapitalmarkt, wo er Geld nur zu hohen Zinsen aufnehmen konnte.

          Das Schattenbankenwesen, das daraus resultierte, gilt als Gefahr für die Stabilität des chinesischen Finanzsystems. Der oberste Bankenaufseher Shang gab zu, dass es „einige Risiken“ gebe, sie seien aber unter Kontrolle. „Unsere Vorsorge und die Kapitalrücklagen für schlechte Vermögenswerte sind ausreichend“.

          Hohe Zinsen sollen die Chinesen reicher machen

          Die Sollzinsen hatte die Notenbank schon im vergangenen Jahr freigegeben, jetzt sollen auch die Sätze auf Spareinlagen folgen. Bisher betragen sie für einjährige Anlagen rund 3 Prozent. Die Geldentwertung (Inflation) erreichte im vergangenen Jahr 2,6 Prozent. Von der Vorgabe der Zinssätze durch die PBOC dürfen die Banken bisher nur um 10 Prozent abweichen.

          Die nunmehr vollständige Zinsfreigabe und die Zulassung der Privatbanken dienen Analysten zufolge mehreren Zwecken. Chinas Führung möchte die Abhängigkeit der Wirtschaft von Investitionen und Exporten zurückdrängen und stattdessen den Binnenkonsum stärken. Man will die Kaufkraft ausweiten und die Dienstleistungswirtschaft verbreitern, etwa im Gesundheitswesen, in der Bildung oder Altenbetreuung. Dazu brauchen die Chinesen mehr Geld: Die Reallöhne können steigen, aber auch die Renditen auf das Ersparte.

          Der Wettbewerb zwischen öffentlichen und privaten Geschäftsbanken soll zudem die Produktivität erhöhen, zur Schaffung neuer Anlageprodukte führen und die Institute fit machen für den globalen Wettbewerb.

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