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Bayern-LB-Chef Michael Kemmer : „Brauchen nicht zwingend eine Bundes-Bad-Bank“

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Sie sind derzeit fast gar nicht feststellbar. Das liegt an der allgemeinen Markterholung und unserem guten Ruf gerade im Inland, aber sicherlich auch daran, dass die Rating-Agenturen in der Finanzkrise völlig zu Recht an Reputation verloren haben. Der Markt erkennt, dass die Agenturen nach ihrem Versagen vor der Krise nun dazu neigen, in die andere Richtung zu übertreiben. Zudem hat sich das Ratinggefüge von Banken insgesamt nach unten verschoben. Im Übrigen haben wir bei den anderen Ratingagenturen Moody's und Fitch ein A+ beziehungsweise A1. Trotzdem nehmen wir das Downgrading von S&P ernst und arbeiten daran, wieder nach oben zu kommen. Mit der Restrukturierung ist die Bayern LB

Sie haben zuletzt Risikovorsorge im Wesentlichen für Kredite von 1,7 Milliarden Euro getroffen und im ersten Quartal einen hohen Gewinn gemacht. Macht die Bayern LB auch im Gesamtjahr 2009 wieder Gewinn?

2009 wird es für uns sehr schwierig sein, wieder in die schwarzen Zahlen zu kommen. Wir haben in unserer Risikovorsorgeplanung zwar schon eine deutliche Abkühlung der Konjunktur eingebaut. Doch erst im Herbst wird sich zeigen, wie groß die Einschläge aus der Realwirtschaft auf unser Kreditportfolio sein werden. Aber klar ist: Die Risikovorsorge wird nennenswert sein. Zudem wird uns der notwendige Restrukturierungsaufwand belasten. Wir bleiben vorsichtig.

Aber gerade die Landesbanken sind doch von der Politik in die schlechten Risiken getrieben worden . . .

. . . im Moment wird in der Öffentlichkeit viel von Kreditausfällen geredet, gesehen habe ich davon bisher wenig. Das wird aber noch kommen. Und dass wir hineingetrieben wurden, möchte ich so nicht stehenlassen. Wir sind für unsere Entscheidungen schon selbst verantwortlich.

Die Bayern LB musste beispielsweise die Verluste für ein schlecht ausgelastetes Hotel auf dem Obersalzberg übernehmen . . .

Wir sollten schon korrekt bleiben. Fakt ist, dass die Bayern LB vor einer Reihe von Jahren die Verantwortung für den unternehmerischen Betrieb übernommen hatte. Der wirtschaftliche Betrieb ist noch nicht profitabel, aber wir befinden uns insgesamt auf einem guten Weg.

Dann mal etwas größer: Die Bayern LB ist Hausbank von Arcandor.

Wir sind eine von mehreren Banken. Die Politik versucht bei Arcandor, mit ihren Mitteln eine Lösung zu finden, und das ist richtig. Es geht um viele tausend Arbeitsplätze. Aber für die Beurteilung unseres Kreditengagements kann dies nicht allein entscheidend sein.

Die Bayern LB hat eine Kernkapitalquote von 9,6 Prozent. Wie viel Eigenkapital-Puffer haben Sie für Kreditausfälle?

Wir sind im Moment gut kapitalisiert. Die von uns definierte Zielquote des Kernkapitals ist 8 Prozent. Grob gesagt, würde ein voll gegen das Kernkapital laufender Verlust von 2 Milliarden Euro in etwa 1 Prozent der Quote ausmachen. Demnach hätten wir einen Puffer für knapp 4 Milliarden Euro Verlust. Allerdings ist dabei zu berücksichtigen, dass nach Basel II auch Rating-Verschlechterungen das Kernkapital belasten. Und in einer Wirtschaftskrise ist mit solchen Verschlechterungen zu rechnen.

Werden Sie noch einmal Geld vom bayerischen Steuerzahler brauchen?

Aus heutiger Sicht nein! Unser Restrukturierungskonzept bis zum Jahr 2013 ist so angelegt, dass wir mit dem jetzt vorhandenen Eigenkapital auskommen. Auch in einem pessimistischen Szenario werden wir nach Lage der Dinge keine Probleme haben.

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