https://www.faz.net/-gqe-12ti2

Bayern-LB-Chef Michael Kemmer : „Brauchen nicht zwingend eine Bundes-Bad-Bank“

  • Aktualisiert am

Ein Hebel für den Bund, die Bayern LB bis Ende 2010 unter eine Holding zu zwingen, ist das erweiterte Bad-Bank-Gesetz. Braucht die Bayern LB zur Umsetzung von EU-Auflagen eine Bundes-Bad-Bank-Anstalt?

Kredite von Geschäftszweigen, die nicht mehr im Fokus stehen, auszulagern kann eine reizvolle Konstruktion sein. Es hätte den Charme, so unser Eigenkapital von Rating-Verschlechterungen bei Wertpapieren und Kunden zu entlasten und die Refinanzierung durch die Verkleinerung der Bank zu erleichtern. Allerdings sind die Konditionen, die der Bund für die Auslagerung zum verständlichen Schutz der Steuerzahler verlangt, prohibitiv. Wichtig ist: Wir haben keinen Druck. Die Bayern LB hat Ende vergangenen Jahres eine Risikoabschirmung über 4,8 Milliarden Euro von den Eigentümern bekommen. Deshalb brauchen wir eine Bundes-Bad-Bank-Anstalt nicht zwingend.

Die Risikoabschirmung und die 10 Milliarden Euro Eigenkapitalzufuhr der Eigentümer gelten als staatliche Beihilfe. Wie hart werden die Auflagen der EU?

Wir haben nach vier Monaten konstruktiver Gespräche mit der EU auf Arbeitsebene im April einen Umstrukturierungsplan für die Bayern LB in Brüssel eingereicht. Unsere Ziele sind gleichgerichtet. Brüssel verlangt in der Regel eine Fokussierung der Geschäfte und eine deutliche Verringerung der Bilanz. Wir haben selbst gesagt, dass wir 70 Milliarden Euro an Anlagen in einer internen Restrukturierungseinheit bündeln und abbauen wollen. Das ist ein Drittel unserer Risikoaktiva.

Seehofer hat in Brüssel gesagt, ein Verkauf von Teilen der Bank bis 2011 käme für den Freistaat Bayern zu früh.

Ja, eindeutig. Wenn Sie jetzt etwas ins Schaufenster stellen, locken Sie nur Schnäppchenjäger an. Damit würden wir Wert vernichten. Wir brauchen definitiv eine längere Frist, um nicht unter Wert zu verkaufen.

Verlangt die EU von Ihnen den Verkauf des Osteuropa-Geschäfts und der Privatkundenbank DKB, also bisherige Alleinstellungsmerkmale Ihrer Bank?

Das kann ich nicht ausschließen. Ohnehin sind unter den 70 Milliarden Euro an abzubauenden Risikoaktiva auch Aktivitäten in Osteuropa. Wir haben gesagt, dass wir unsere Tochtergesellschaften in Osteuropa bis 2013 kapitalmarktfähig machen wollen und damit sämtliche Optionen erschließen, die wir benötigen. Die DKB hingegen ist ein Kernbestandteil des Konzerns, für den dies nicht gilt.

Wird die Bayern LB nach dem Umbau statt einer „Osteuropa LB“ nur noch eine größere Sparkasse für Bayern sein?

Eindeutig nein. Wir werden das Mittelstandsgeschäft ausbauen. Dafür werden wir auch noch ein neues Vorstandsmitglied an Bord nehmen. Im mittelständischen Firmenkundengeschäft sehen wir in Bayern und anderen Regionen Deutschlands noch gute Chancen, Marktanteile zu gewinnen. Aber klar ist auch, wir bleiben eine internationale Bank und werden nicht zu einer bayerischen Regionalbank. Das ist für unsere Firmenkunden, die im Ausland aktiv sind, wichtig.

Sie ziehen sich aus Asien zurück, verkleinern die Standorte New York und London. Wie wollen Sie unter diesen Umständen eine internationale Bank führen?

Wir haben gerade in diesem Jahr gute Fortschritte im Kundengeschäft gemacht, insbesondere mit Kapitalmarktprodukten. Große internationale Unternehmen bleiben auch weiterhin unsere Zielkunden.

S&P hat überraschend das Rating der Bayern LB massiv auf „BBB+“ herabgestuft. Früher wäre die Bayern LB damit nicht überlebensfähig gewesen. Wie groß sind heute die Refinanzierungsnachteile?

Weitere Themen

Alle wichtigen Fakten zum BER Video-Seite öffnen

Langer Anlauf, lange Eröffnung : Alle wichtigen Fakten zum BER

Die Eröffnung wurde immer wieder verschoben, und die Kosten explodierten – der neue Berliner Flughafen sorgte über Jahre für Negativschlagzeilen. Mit neun Jahren Verspätung geht der Flughafen „Willy Brandt“ vor den Toren der Hauptstadt nun in Betrieb.

Topmeldungen

Eine Frau mit einer Packung Eier – im Hintergrund das Kapitol in Havanna

Corona-Krise auf Kuba : Schlimmer als die Pandemie

In Kuba setzt die Regierung strenge Maßnahmen gegen Corona ein. Noch härter als die Pandemie trifft die Menschen jedoch die Lebensmittelkrise. Das Land schlittert in eine immer schwierigere Situation.
Wahlkämpferisch: Donald und Melania Trump am Freitag bei einer Veranstaltung in Tampa, Florida.

Wahl in Amerika : Gespaltene Staaten

Aus dem zivilisierten Wettstreit um die politische Macht zwischen Rot und Blau ist in den Vereinigten Staaten ein radikaler Kampf um alles oder nichts geworden; das liegt nicht nur an Donald Trump. Ein Gastbeitrag.

Newsletter

Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.