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Bau neuer Kraftwerke : Großbritannien und China schließen Atombündnis

Der Nuklearkomplex Sellafield in Nordwestengland Bild: dpa

Chinesische Investoren sollen neue Kernkraftwerke in Großbritannien finanzieren. Der Bedarf auf der Insel ist groß. Bedenken ob der Hilfe aus China stellt die britische Regierung zurück.

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          Investoren aus China sollen in Großbritannien der Atomkraft zu einer neuen Blüte verhelfen. Die Regierung in London wolle, dass chinesische Unternehmen Teilhaber beim Bau von Atomkraftwerken auf der Insel werden, sagte der britische Finanzminister George Osborne am Donnerstag während eines Staatsbesuchs in China. Zunächst seien Minderheits-, später auch Mehrheitsbeteiligungen an neuen Atomkraftwerken in Großbritannien vorgesehen.

          Marcus Theurer
          Redakteur in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.
          Christian Schubert
          Wirtschaftskorrespondent für Italien und Griechenland.
          Christian Geinitz
          Wirtschaftskorrespondent in Berlin

          Beide Länder unterzeichneten eine Absichtserklärung zur Zusammenarbeit in der zivilen Nukleartechnik. Fachleute bezeichnen das Atombündnis als wichtigen energiepolitischen Schritt: „Das ist von großer Bedeutung“, sagte der Energiewissenschaftler Dieter Helm von der Universität Oxford. „Es gibt zwar außen- und sicherheitspolitische Bedenken wegen einer Zusammenarbeit mit China in der Nukleartechnik. Aber die Regierung stellt diese zurück.“

          Konkrete Investitionen könnten bald folgen. Erwartet wird, dass sich der chinesische Staatskonzern China General Nuclear Power (CGN) am Bau des geplanten Atomreaktors Hinkley C in der englischen Grafschaft Somerset beteiligt. Die Baukosten werden auf 14 Milliarden Pfund (16,5 Milliarden Euro) geschätzt. CGN würde damit Partner des staatlichen französischen Energiekonzerns EdF, der federführend bei dem Projekt ist. Eine EdF-Sprecherin wollte dazu am Donnerstag keine Stellung nehmen. In Konzernkreisen hieß es aber, EdF arbeite seit 30 Jahren erfolgreich mit CGN zusammen.

          Nirgendwo auf der Welt werden so viele neue Atomkraftwerke gebaut wie in China. Doch außerhalb der Landesgrenzen haben sich die Chinesen bisher nur in Pakistan am Bau von Atomkraftwerken beteiligt. CGN ist einer der wichtigsten Betreiber von Atomkraftwerken im Reich der Mitte. „China hat viel Kapital, deshalb ist es als Investor für Kernkraft so wichtig, wenn in den Industrieländern die Budgets knapp sind“, sagte Wu Zongxin vom Institut für Nukleartechnik an der Tsinghua-Universität in Peking. Es fehlten aber Technik und Patente, um die internationalen Sicherheitsstandards zu erfüllen.

          Großbritannien braucht dringend neue Kraftwerke

          Die Briten planen derweil eines der ehrgeizigsten Neubauprogramme für die Atomkraft in Europa: Bis zum Jahr 2030 sollen an acht Standorten neue Atomreaktoren gebaut werden. Schätzungen zufolge könnten sie einen dreistelligen Milliardenbetrag kosten. Die Pläne sind allerdings ins Stocken geraten: Eine Reihe von potentiellen Investoren, darunter auch die deutschen Konzerne Eon und RWE, sprangen ab, weil ihnen die Großprojekte wirtschaftlich zu riskant waren. Nun sollen die Chinesen einspringen.

          Großbritannien braucht dringend neue Kraftwerke, denn zahlreiche alte Anlagen kommen ans Ende ihrer Laufzeit. Fachleute schätzen, dass bis zum Jahr 2025 rund die Hälfte der derzeitigen Kraftwerkskapazität auf der Insel ersetzt werden muss. Die Atomkraft, die derzeit knapp ein Fünftel der Stromerzeugung ausmacht, soll dabei eine wichtige Rolle spielen. Trotz der Atomkatastrophe im japanischen Fukushima unterstützen, Meinungsumfragen zufolge, rund zwei Drittel der Bürger diese Pläne. Die Briten haben in den fünfziger Jahren das erste kommerzielle Atomkraftwerk der Welt, Calder Hall, gebaut. Heute sind die insgesamt neun Kernkraftwerke im Land allerdings großteils überaltert. Der letzte britische Reaktor wurde vor 18 Jahren in Betrieb genommen und war ein finanzielles Debakel.

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