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Bau-Boom : China hängt weiter am Tropf der Immobilienwirtschaft

Baustelle Shanghai World Financial Center: 2013 wurden in China neue Wohnungen für mehr als 800 Milliarden Euro verkauft. Bild: AFP

Eigentlich will Chinas Regierung die Spekulationsblase am Bau bekämpfen. Doch das könnte das Wirtschaftswachstum gefährlich bremsen. Auch die Kommunen mauern: Sie sind finanziell vom Landverkauf abhängig.

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          In China hat der Verkauf von Landnutzungsrechten den Kommunen so viel Geld eingebracht wie nie zuvor. Das zuständige Ministerium bezifferte das Volumen für 2013 auf 4,1 Billionen Yuan (492 Milliarden Euro). Damit wurde der Spitzenwert von 2010 um 600 Milliarden Yuan übertroffen. Besonders stark – um 27 Prozent - stieg die Nutzung für die Immobilienentwicklung. Sie macht bereits ein Viertel aller Landverkäufe aus.

          Christian Geinitz

          Wirtschaftskorrespondent für Österreich, Ostmittel- und Südosteuropa und Türkei mit Sitz in Wien.

          Die neuen Werte haben in vielerlei Hinsicht Bedeutung. Sie zeigen, dass die Bauwirtschaft, die in Spitzenzeiten ein Fünftel zum Bruttoinlandsprodukt (BIP) beiträgt, weiterhin stark wächst. Dafür spricht auch der Rekord, dass 2013 neue Wohnungen im Wert von umgerechnet 800 Milliarden Euro verkauft wurden.

          Für viele Familien wird eigener Wohnraum unbezahlbar

          Eigentlich will die Regierung die Entwicklung abkühlen, da hinter dem Boom und dem starken Preisanstieg eine Immobilienblase vermutet wird. Viele Familien könnten sich keinen eigenen Wohnraum mehr leisten, weil Spekulanten die Preise in die Höhe trieben, heißt es. Die Städte und Gemeinden aber haben ein starkes Interesse an dem Aufschwung, da der Großteil ihrer Einnahmen vom Verkauf der Landnutzungsrechte abhängt. Aller Grund und Boden gehört in China dem Staat oder den Bauernkollektiven. Verkauft werden kann nicht das Eigentum daran, sondern lediglich die zeitlich befristete Nutzung.
          Die Kommunen setzen das Land zudem als Sicherheiten für Kredite ein, die sie außerhalb der offiziellen Haushalte am Kapitalmarkt aufnehmen. Insofern besteht ein Interessenkonflikt zwischen der Zentralregierung und den Gebietskörperschaften.

          Doch auch die Verantwortlichen in Peking wollen nicht allzu deutlich am Markt eingreifen. Denn zum einen predigt die Regierung unter Ministerpräsident Li Keqiang, dass die Preisfindung in der chinesischen Wirtschaft künftig verstärkt über Angebot und Nachfrage zustandekommen soll, nicht durch staatliche Einflussnahme. Zum anderen schwächt sich das BIP-Wachstum seit zwei Jahren ab. 2014 könnte es so gering ausfallen wie seit 1990 nicht, ein Jahr nach dem Massaker am Platz des Himmlischen Friedens, als China im Ausland isoliert und im Innern zerrissen war.

          Eine zu arg gebeutelte Immobilienwirtschaft kann sich deshalb weder die Volksrepublik noch die Weltwirtschaft leisten: China trägt seit Jahren fast ein Drittel zum globalen Wachstum bei, doppelt so viel wie alle Industrieländer zusammen.

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