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Basel III : Amerika beschließt striktere Bankenregeln

Bankentürme in New York Bild: AP

Die Vereinigten Staaten führen die internationalen Eigenkapitalregeln Basel III ein. Und nicht nur das: Die Federal Reserve arbeitet schon daran, die Regeln für Großbanken noch zu verschärfen.

          2 Min.

          Die Vereinigten Staaten stehen kurz davor, die international vereinbarten Eigenkapitalstandards Basel III für alle Banken des Landes einzuführen. Als erstes Aufsichtsgremium beschloss die Notenbank Federal Reserve neue Kapitalauflagen, mit denen für die größten Banken des Landes auch die Basel-III-Regeln in amerikanisches Recht umgesetzt werden. Dies ist der Beginn, um die Regulierung für international tätige Großbanken zu verschärfen, erklärte der Fed-Vorsitzende Ben Bernanke. Die Fed arbeitet schon an weiteren Auflagen.

          Patrick Welter

          Korrespondent für Wirtschaft und Politik in Japan mit Sitz in Tokio.

          Die endgültige Regulierung muss in den kommenden Tagen noch von anderen Bankaufsehern in den Vereinigten Staaten beschlossen werden. Der Bankenregulierer OCC und die Einlagensicherung FDIC wollen darüber kommende Woche abstimmen. Dann wären bis auf wenige Ausnahmen alle Banken von den Regeln erfasst. Kleineren Instituten, die mehr als 90 Prozent aller amerikanischen Banken ausmachen, werden Erleichterungen zugestanden. Das betrifft vor allem die Bewertung von Eigenheimhypotheken in den Bilanzen, die im Vergleich zu vorherigen Vorschlägen erleichtert wurde.

          Mit den neuen Kapitalvorgaben soll das Finanzsystem sicherer gemacht werden. Kern der neuen Regelungen sind mehrere Eigenkapitalquoten, die zum Teil neu und zum Teil verschärft wurden. So müssen alle Banken eine harte Eigenkapitalquote von 4,5 Prozent erfüllen. Hinzu kommt ein Kapitalerhaltungspuffer von 2,5 Prozent. Die verlangte Kernkapitalquote Tier 1 wird von 4 auf 6 Prozent heraufgesetzt. Eine allgemeine Kapitalquote von 8 Prozent bleibt erhalten. Alle Banken müssen wie bisher eine „Leverage Ratio“ von 4 Prozent einhalten. Das heißt, dass sie 4 Prozent ihrer Bilanzsumme mit Eigenkapital unterlegen müssen. Großbanken werden zusätzliche 3 Prozentpunkte auferlegt, die auch außerbilanzielle Verpflichtungen berücksichtigt.

          Ratingagenturen entwertet

          International tätige Banken müssen von Januar 2014 an die Regeln erfüllen, wobei es Übergangsfristen bis 2019 gibt. Diese Übergangsfristen sind kompatibel mit den Basel-III-Vereinbarungen. Die kleineren Banken müssen die Standards von 2015 an erfüllen. Bei den Großbanken stehen die Vereinigten Staaten damit der Europäischen Union nicht nach, ungeachtet gegenteiliger Sorgen. Die EU hatte sich im Februar auf die Basel-III-Regeln geeinigt und strebt an, dass diese von Anfang 2014 an gelten sollen. Amerika und Europa hängen damit dem ursprünglichen Zeitplan hinterher.

          Die amerikanischen Regelungen unterscheiden sich in einigen Details von der Umsetzung in der EU und sind nach Darstellung der Fed zum Teil strenger als die Basel-III-Vorgaben. Der prominenteste Unterschied ist, dass die amerikanischen Regulierer mit der Finanzmarktreform die Bewertung von Staatsanleihen nicht mehr an den Noten von Ratingagenturen ausrichten dürfen. Die Aufseher greifen nun auf Risikobewertungen der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) zurück. Dabei wird OECD-Staaten generell ein Null-Risiko zugesprochen. Gab es in den vergangenen fünf Jahren aber einen Zahlungsausfall (default) und bedienten die Staaten ihre Schulden nicht mehr wie vereinbart, stuften die Amerikaner sie mit einem Risikogewicht von 150 Prozent ein.

          Strengere Regeln in Amerika in Vorbereitung

          Die Fed plant schon weitere Schritte, um über die internationalen Absprachen für Kapital- und Liquiditätsstandards hinauszugehen und diese zu verschärfen. Fed-Gouverneur Daniel Tarullo erklärte, die Fed werde in Kürze einen Vorschlag vorlegen, um den größten Banken eine striktere Leverage Ratio vorzuschreiben als unter Basel III. Nach Medienberichten soll sie auf 6 Prozent verdoppelt werden. Die Fed arbeitet ferner an Regulierungen, wonach die Großbanken eine bestimmte Mindestsumme von Eigenkapital und langfristigen Schulden vorhalten müssen. Hinzu kommen international noch zu vereinbarende Kapitalaufschläge für große Bankinstitute, die global systemrelevant eingestuft werden.

          Der Löwenanteil der amerikanischen Banken erfüllt nach Angaben der Fed die verschärften Kapitalstandards schon heute. Die Fed-Fachleute bezifferten den zusätzlichen Kapitalbedarf, der sich durch die Regeln für das harte Tier-1-Kapital und den Kapitalpuffer ergibt, auf insgesamt etwa 4,5 Milliarden Dollar bis 2019. Davon betroffen seien rund 100 Bankinstitute, hieß es.

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