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Banker-Boni : Das Spiel geht weiter

Faites votre jeu: In den Banken wird wieder kräftig gehandelt Bild: dpa

Bekommen Banker, was sie verdienen? Hohe Boni sind nötig, um gute Mitarbeiter zu halten, sagen die Banken. Personalberater halten dagegen: Lukrative Wechselchancen gibt es nur für ganz wenige.

          Nein, sagt der Frankfurter Jaguar-Händler – eine verstärkte Nachfrage von Bankern nach seinen Luxuskarossen spürt er nicht. Nein, sagt auch der Armani-Verkäufer auf Frankfurts Nobelmeile Goethestraße – bei ihm kaufen keine Banker im vorweihnachtlichen Einkaufsrausch den Laden leer. Und der Immobilienmakler von Engel & Völkers kann ebenfalls nicht mit Boni-Bankern im Geldausgabefieber dienen, „leider“, wie er sagt. Alles läuft wie gehabt. Keine Spur von Investmentbankern, die angesichts des ihnen in Aussicht gestellten Bonusschecks für dieses Jahr schnell schon mal ein Penthouse reservieren, bevor es ein anderer tut.

          Julia Löhr

          Wirtschaftskorrespondentin in Berlin.

          Es ist ruhig an Deutschlands Bonusfront, zumindest verglichen mit dem, was in anderen Ländern passiert. In Amerika berichten die Vermieter von Privatjets und Ferienhäusern in der Karibik von phantastischen Buchungszahlen, Juweliere führen Wartelisten für Uhren, die 200.000 Dollar kosten.

          Präsident Barack Obama macht aus seinem Unmut keinen Hehl. Er habe nicht kandidiert, um „einem Haufen Bonzen“ an der Wall Street zu helfen. Auch in Großbritannien stehen die Zeichen auf Krawall. Die Führungsspitze der teilverstaatlichten Royal Bank of Scotland drohte zwischenzeitlich mit Rücktritt, falls das Finanzministerium die geplanten Boni für ihre Investmentbanker nicht genehmigen sollte. Der Minister konterte mit der Einführung einer Sondersteuer von 50 Prozent auf alle Boni, die 25 000 Pfund übersteigen. Die Banker sind erzürnt, die Regierungen auch – die Fronten verhärten sich zusehends.

          Boni ist nicht gleich Boni

          „Exorbitante Boni sind in erster Linie ein angelsächsisches Phänomen“, sagt Ulrich Hocker, Geschäftsführer der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) und Mitglied der Regierungskommission für gute Unternehmensführung (Corporate Governance). „Bei uns in Deutschland stellt sich dieses Problem kaum.“ Hierzulande regelt seit August ein Gesetz, was unter angemessenen Vorstandsbezügen zu verstehen ist. Etliche Unternehmen, zuletzt Volkswagen und die Commerzbank, haben daraufhin ihre Vergütungssysteme angepasst; andere arbeiten mit Hochdruck daran.

          Zudem hat sich die deutsche Finanzbranche verpflichtet, jene Regeln, die die Gruppe der 20 wichtigsten Wirtschaftsländer (G 20) im September auf dem Weltfinanzgipfel in Pittsburgh ausgearbeitet hat, schon für das zu Ende gehende Jahr anzuwenden. Das bedeutet: Die Vergütung muss langfristigen Erfolgskriterien folgen, die Rückforderung von schon gewährten Boni möglich sein. Lediglich ein Teil der variablen Vergütung darf bar ausgezahlt werden. Völlig übertrieben findet deshalb so mancher Beobachter die derzeitige Hexenjagd auf Manager im Allgemeinen und Banker im Besonderen.

          Zum Beispiel Nicola Sievers, Personalberaterin bei Inner Circle Consultants. „Wir reden hier über einen kleinen Teil der Banken, die ihre Gewinne mit dem Investmentbanking erwirtschaften“, sagt die Britin, die nach ihrem Jura-Studium in Oxford selbst für Bankhäuser wie Société Generale und die Deutsche Bank gearbeitet hat. Heute vermittelt sie Führungskräfte an Finanzdienstleister in aller Welt. In Direktbanken und sogenannten Retailbanken, die sich auf das Massengeschäft mit Privatkunden konzentrieren, seien die variablen Vergütungsanteile und damit die Verdienstmöglichkeiten deutlich geringer als in den Handelsabteilungen der Investmentbanken.

          „In New York wartet keiner auf einen deutschen Banker“

          Die Argumentation der Personalverantwortlichen dort läuft immer nach dem gleichen Muster ab: Wer nicht im Wettstreit um die höchsten Vergütungspakete mitmacht, verliert seine Leute an die Konkurrenz. Amerikanische Banken haben auch deshalb so schnell die in Anspruch genommenen Staatshilfen zurückgezahlt, damit sie wieder frei über Vergütungsfragen entscheiden können, um Mitarbeiter im Unternehmen zu halten. Headhunter nehmen solche Begründungen mit einem Schmunzeln zur Kenntnis. „Das ist ein Scheinargument“, sagt Matthias Saenger von der auf die Finanzbranche spezialisierten Personalberatungsge- sellschaft Saenger Advisory. Zwar gebe es für sehr gute Mitarbeiter immer Wechselmöglichkeiten. Und denen sei es im Prinzip auch gleich, in welchem Glasturm ihr Schreibtisch stehe. Doch die „Wenn ich woanders mehr bekomme, bin ich weg“-Drohung kann sich eben nur ein kleiner Teil der Belegschaft leisten. Und auch der ist nicht ständig auf dem Sprung, wie das gerne suggeriert wird. Im Moment wird Sicherheit großgeschrieben. Wenn jemand wechseln will, dann häufig nur deshalb, weil seine Stelle gestrichen wird.

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