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Bankenregulierung : Die Banken an die Leine legen

Too big to fail: Die Frankfurter Bankenlandschaft bei Nacht
          3 Min.

          Ein „neuer Anlauf zur Bändigung der Finanzmärkte“: So überschreibt Peer Steinbrück sein Manifest zur Bankenregulierung, mit dem der SPD-Kandidat in den Wahlkampf ziehen will. Er greift ein populäres Thema auf: Weltweit gibt es derzeit eine Flut von neuen Ideen zur Regulierung der Banken.

          Christian Siedenbiedel
          Redakteur in der Wirtschaft.

          60.000 Seiten machen die Vorschläge allein in Europa aus, schätzt der britische Regulator Andrew Haldane von der Bank of England. Sein wichtigster Ratschlag: „Keep it simple“ - „Haltet es einfach!“

          Grundlegende Ziele: Zahlungsfähigkeit und Stabilität sichern

          Doch die große Frage: Wenn man sich bei der neuen Regulierung der Banken auf wenige Punkte konzentriert - welchen Maßstab sollte man dann anlegen, um zu beurteilen, was zielführend ist?

          „Grundlegende Ziele der Regulierung sollten sein, die Zahlungsfähigkeit der Banken und die Stabilität des Bankensystems zu sichern“, sagt Martin Hellwig, Direktor des Max-Planck-Instituts zur Erforschung von Gemeinschaftsgütern in Bonn, einer der angesehensten Experten auf diesem Gebiet. Er meint: Zwar seien Erfolge bei der Stabilisierung einzelner Banken in und nach der Finanzkrise erzielt worden. Aber: „Es ist nicht gelungen, die Risiken für das Finanzsystem insgesamt in den Griff zu bekommen.“

          Das Kernproblem: Die sogenannte implizite Staatsgarantie für große Banken. „Weil die Staaten nicht abschätzen können, welche Dominoeffekte schon die Insolvenz einer großen Bank hätte, können sie in einer Krise keine fallenlassen“, sagt Jan Pieter Krahnen, Direktor des Center for Financial Studies in Frankfurt. „Das Wissen um diese implizite Staatsgarantie führt dazu, dass Fremdkapital für Banken tendenziell zu billig ist.“

          Die wichtigsten Vorschläge im Überblick

          Der Mechanismus geht so: Die Gläubiger leihen den Banken gern Geld, weil sie damit rechnen, dass der Staat sie im Fall einer Schieflage der Bank auf jeden Fall rettet. Dadurch ist das Fremdkapital für die Banken unangemessen billig. Sie verschulden sich hochgradig und gehen zu hohe Risiken ein. So wird die unausgesprochene Staatsgarantie zur sich selbst erfüllenden Prophezeiung: Weil die Gläubiger mit einer Rettung durch den Steuerzahler rechnen, muss der Steuerzahler sie am Ende retten.

          “Ziel einer besseren Regulierung muss es sein, da herauszukommen und die Anreize anders zu setzen“, sagt Hans-Peter Burghof, Bankenprofessor in Stuttgart. Anreize zu verändern sei besser, als detaillierter zu kontrollieren.

          Staaten müssen dafür sorgen, dass Banken konkursfähig werden

          Wie aber kann man dahin kommen? Entweder, indem man Fremdkapital für Banken künstlich teurer macht. Oder, besser, indem man Möglichkeiten schafft, die Gläubiger im Konkursfall einer Bank die Verluste tragen zu lassen. Offenkundig müssen die Staaten dafür sorgen, dass auch große Banken „konkursfähig“ werden, wie die Experten sagen.

          Eine Idee dazu, über die viel diskutiert wird: Man könnte Großbanken zwingen, sich in eine Investment- und eine Geschäftsbank aufzuspalten. In einer Krise könnte der Staat die Geschäftsbank mit den Krediten und Spareinlagen der Bürger retten - und die Investmentbank pleitegehen lassen. Ökonom Hellwig hält davon allerdings nicht besonders viel. „Man kann das machen, ich halte es aber nicht für besonders zielführend.“ Sein gewichtigstes Argument: „Die Drohung, dass der Staat in einer Krise die Investmentbank fallenlässt, ist unglaubwürdig.“

          Mehr Eigenkapital der Banken für riskante Geschäfte

          Auch Vorschläge, den Ratingagenturen an den Kragen zu gehen oder die Banker-Gehälter zu begrenzen, räumen Finanzexperten als wenig hilfreich ab. „Das kommt vielleicht in der Bevölkerung gut an, trägt aber zur Lösung des Problems leider wenig bei“, meint Finanzprofessor Krahnen.

          Für sinnvoll halten die meisten Experten hingegen Vorschriften, die von den Banken mehr Eigenkapital für riskante Geschäfte verlangen. Allerdings warnen Ökonomen wie Hellwig davor, dabei einfach das bestehende System mit höheren Eigenkapitalquoten fortzusetzen. Wie viel Eigenkapital eine Bank für ein Geschäft haben muss, hängt bislang davon ab, wie riskant dieses Geschäft eingeschätzt wird.

          Das klingt zunächst vernünftig - hat aber einen Haken: Weil niemand die Risiken in einer Krise so ganz genau vorhersehen kann, können sich diese Risiko-Bewertungen als trügerisch erweisen. „In einer Krise sind die Reaktionen auf Verluste entsprechend hektisch und wirken krisenverstärkend.“ Besser wäre es Hellwig zufolge, den Banken vorzuschreiben, mehr Eigenkapital in Bezug auf die gesamte, ungewichtete Bilanzsumme zu haben. Das macht sie unabhängiger von nicht vorhersehbaren Entwicklungen - auch in schweren Krisen.

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