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Banken : Welche Folgen die neuen Eigenkapitalregeln haben

Auch mit mehr Eigenkapital gehen nicht die Lichter aus: Die Frankfurter Skyline Bild: Nora Klein

Die Banken müssen sich auf deutlich strengere Regeln einstellen. Sie haben weitreichende Folgen: steigende Zinsen für Sparer, teurere Kredite für Unternehmen und sinkende Eigenkapitalrenditen für Bankaktionäre. Zur Schrumpfkur sind nun vor allem die Landesbanken gezwungen.

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          Die neuen Eigenkapitalvorschriften für die Banken werden dazu führen, dass für Bankaktionäre die Eigenkapitalrendite sinkt, für Unternehmen Kredite eher teurer und für Sparer die Zinsen eher steigen werden. Ein weiterer Preis für mehr Stabilität im Bankensektor ist die Schrumpfung der gesamten Branche, deren Folgen für die Volkswirtschaft groß sein können.

          Hanno Mußler

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Bank, Josef Ackermann, lässt nun etwa prüfen, ob das Institut sein Eigenkapitalrenditeziel von 25 Prozent vor Steuern aufrecht erhalten kann. Denn Banken werden ihren Jahresgewinn künftig auf mehr Eigner verteilen, wenn sie ihr Eigenkapital erhöhen. Einige werden dafür wie die Deutsche Bank neues Geld aufnehmen. Andere wie die genossenschaftliche DZ Bank werden ihre Ertragskraft steigern müssen, um wie geplant jedes Jahr 500 Millionen Euro aus dem Gewinn dem Eigenkapital zuführen und unverändert Dividende zahlen zu können. Die Commerzbank ihrerseits will von 2012 an damit beginnen, die zum Eigenkapital zählende 16,4 Milliarden Euro große stille Einlage des Bundes zurückzuzahlen. Dafür will Vorstandschef Martin Blessing ein Maßnahmenbündel schnüren: Die Bank soll schrumpfen, um die Relation von Eigenkapital und Risiken zu verbessern, Gewinne einbehalten und Kapital erhöhen. Ob die neuen Regeln Zeitplan und Ausmaß der Kapitalerhöhung - bislang wurde über 5 Milliarden Euro spekuliert - ändern, wollte die Bank am Montag nicht sagen.

          Höhere Kreditnachfrage befriedigen

          Zwischen 1990 und 2010 sind in den Bilanzen deutscher Banken die Kundeneinlagen und Kredite in fast gleichem Ausmaß um 194 Prozent und 197 Prozent gestiegen, die Wertpapiere dagegen weit überproportional um 472 Prozent. Dies wird nun ein Stück weit korrigiert. Die DZ Bank hat ihre Bilanzsumme seit 2007 um 17 Prozent verringert und die strukturierten Wertpapiere von 25 Milliarden auf weniger als 20 Milliarden Euro abgebaut. Die Commerzbank hat 35 Milliarden Euro in eine interne Abwicklungsbank ausgelagert, die West LB hat 80 Milliarden Euro Bilanzvolumen abgespalten.

          Generell versuchen die Banken, vor allem Auslandsgeschäft und Beteiligungen zu kappen. Doch der private Bankenverband warnt, auch jeder dritte von deutschen Banken an Inländer vergebene Kredit müsse abgebaut werden. Die Commerzbank aber will im Kreditgeschäft mit dem Mittelstand sogar noch wachsen. Auch Sparkassen sowie Volks- und Raiffeisenbanken wollen höhere Kreditnachfrage befriedigen. Die Deutsche Bank dagegen spricht offen aus, den Akzent woanders zu legen: Deutschland-Chef Jürgen Fitschen betont, Kredite müssten sich selbst tragen. Offenbar leihen Banken Unternehmen oft Geld zu für sie eigentlich nicht auskömmlichen Konditionen - in der Hoffnung, mit ihnen anschließend lukrativere Geschäfte zu machen. Fitschen nennt dies aber einen Mythos. Solange nicht bessere Kreditkonditionen am deutschen Markt durchzusetzen sind, wird die Deutsche Bank vor allem in den Schwellenländern wachsen, lässt er durchblicken.

          Spareinlagen von Privatkunden zur Refinanzierung

          Zur Schrumpfkur sind nun vor allem die Landesbanken gezwungen. Besonders trifft es LBBW, West LB und HSH Nordbank, in denen stille Einlagen nicht mehr zum harten Kernkapital zählen werden, weil sie in privater Rechtsform organisiert sind. Falls auch die Liquiditätshaltung noch verschärft wird, müssten allein die Sparkassen 22 Milliarden Euro umschichten, die nicht mehr für die Kreditvergabe bereitstünden, warnt ihr Präsident Heinrich Haasis.

          Zur Refinanzierung werden Spareinlagen von Privatkunden wichtiger werden. Die Deutsche Bank, die sich zu 20 Prozent über Einlagen finanziert, kauft die Postbank vor allem wegen ihrer Spareinlagen. Und unter den Landesbanken setzten die wenigen, denen es nicht schlecht geht, auch auf die Einlagen der Privatkunden und nicht nur auf den Kapitalmarkt als Refinanzierungsquelle.

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