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Banken : Völlig von der Rolle

Im Zinsskandal hat die EU den Banken eine Rekordstrafe von 1,7 Milliarden Euro verhängt. Unter den Sündern finden sich ehemals hoch angesehene Namen. In den ganzen Bankskandalen hat es wenig Sinn auf Selbstreinigungskräfte zu vertrauen.

          Das Bankgeschäft lebt wie fast kein anderes Gewerbe vor allem vom Vertrauen. Das Wort Kredit leitet sich von dem Verb „credere“ ab, dem lateinischen Wort für „glauben“. Ein Bankgewerbe, dem die Menschen nicht mehr vertrauen, ist völlig von der Rolle. So weit ist es leider Gottes gekommen. Die Buße über 1,7 Milliarden Euro, die von der EU-Kommission für Manipulationen von Zinssätzen verhängt worden ist, stellt beileibe keinen Einzelfall dar. Man weiß gar nicht mehr, wo die Auflistung von Skandalen beginnt und wo sie einmal enden wird.

          In der Liste der Sünder finden sich die Namen ehemals hoch angesehener Banken. Die amerikanische Großbank JP Morgan zahlt in einem Vergleich 13 Milliarden Dollar als Folge unseriöser Geschäfte mit Hypotheken. Schweizer Banken sollen wegen des Vorwurfs der Beihilfe zum Steuerbetrug durch amerikanische Staatsbürger in den Vereinigten Staaten herangezogen werden. Die britische Großbank HSBC zahlte eine Strafe von fast zwei Milliarden Dollar wegen des Vorwurfs der Geldwäsche unter anderem für lateinamerikanische Drogenkartelle. Manipuliert worden sind möglicherweise auch Wechselkurse und der Goldpreis. Die Liste der Fehltritte ließe sich verlängern. Ihr Aufarbeitung wird vermutlich noch Jahre dauern.

          In Deutschland ist vor allem die Deutsche Bank betroffen. Deren Vorstandsvorsitzende Jürgen Fitschen und Anshu Jain haben zwar vollmundig einen Kulturwandel angekündigt. Aber gerade sie sind Vertreter der alten Führung unter Josef Ackermann, in deren Zeit die fragwürdigen Geschäfte fallen, wegen der heute ermittelt wird. Das Geld für die Strafzahlungen zahlen letztlich die Aktionäre als Eigentümer; den Schaden aus dem Reputationsverlust haben auch die vielen Mitarbeiter, die niemals anrüchigen Geschäfte betrieben haben. Die Gewinner der Skandale sind jene Führungsleute, die jahrelang hohe Boni eingesteckt haben, und Rechtsanwaltskanzleien, die für die Banken versuchen, den Schaden klein zu halten. Es hat wenig Sinn, auf Selbstreinigungskräfte in den Banken zu vertrauen oder zu glauben, die Vertreter der alten Ordnung könnten das Gewerbe in eine neue Blüte führen. Die Tragik für die Allgemeinheit ist, dass die Banken staatlicher Regulierung bedürfen, der Staat aber nicht weiß, wie man Banken effizient reguliert.

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