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Banken eröffnen Konten in Renminbi : Interesse am Handel in chinesischer Währung

„Noch keine frei konvertible Währung“

Ein deutsches Unternehmen, das nach China liefert, kann den erhaltenen Yuan-Betrag künftig in China ausgeben, für andere Geschäfte in der Währung nutzen oder auf dem Konto lassen. Dort könnte das Geld von der Aufwertung profitieren. Die Währung lässt sich aber nach wie vor nicht in Deutschland umtauschen. Dafür muss das Geld an eine Bank in China überwiesen werden, die Euro, Dollar oder andere handelbare Devisen zurückschickt.

„Trotz der neuen Regelungen ist der Renminbi noch keine frei konvertible Währung“, stellt Peter Schothöfer klar, der Leiter des internationalen Geschäfts der Commerzbank in Schanghai. „Dennoch sind die Neuerungen ein großer Schritt auf dem Weg zur freien Konvertibilität.“ Im Januar hatte der Vize-Gouverneur der Zentralbank, Yi Gang, angekündigt, China werde den Renminbi in fünf Jahren Schritt für Schritt handelbar machen. Zur gleichen Zeit hatte Chinas Staatschef Hu Jintao die Dollar-Dominanz im Weltwährungssystem als „Produkt der Vergangenheit“ bezeichnet. Allerdings sei der Renminbi noch nicht so weit, diese Stelle einzunehmen.

China versucht seit längerem, den Renminbi marktgängig zu machen. Im Juni kündigte die Notenbank eine „Flexibilisierung“ des Wechselkurses an, der zuvor an den amerikanischen Dollar gekoppelt war. Im Dezember vervielfachten die Behörden die Zahl von Unternehmen, die ihren grenzüberschreitenden Handel in Renminbi fakturieren dürfen, von 370 auf fast 67.400. Sie können die Währung auch für Direktinvestitionen im Ausland nutzen. In einem Pilotprojekt ist es seit Januar Privatpersonen in der Stadt Wenzhou erlaubt, im Ausland bis zu 200 Millionen Yuan (etwa 22 Millionen Euro) zu investieren. Auch soll es bald gestattet sein, im Ausland gehaltene Renminbi für Direktinvestitionen in China zu nutzen.

In den Vereinigten Staaten noch wenig Aufmerksamkeit

Das war zuvor nur einigen lizenzierten Anlegern erlaubt. Chinas Kapital- und Wechselkurskontrollen haben bisher übermäßige Zu- und Abflüsse der Währung verhindert und der Exportindustrie Preisvorteile verschafft. Durch die Dollar-Bindung waren grenzüberschreitende Geschäfte in dieser Devise berechenbar, nicht aber solche in Euro oder in anderen Währungen mit einem eigenen Wechselkurs zum Dollar. Die Kosten für diese Vorteile sind hoch. Um den Wechselkurs stabil zu halten, muss Chinas Zentralbank die aus dem hohen Handelsüberschuss zufließenden Devisen umtauschen. Dadurch flutet sie die Inlandsmärkte mit Yuan, was die Geldentwertung antreibt. Die gleiche Wirkung haben die überteuerten Importe.

In den Vereinigten Staaten hat das jüngste Bemühen Pekings, den Yuan stärker als Handelswährung und als Reservewährung zu fördern, noch keine Aufmerksamkeit gefunden. Volkswirte wie Barry Eichengreen von der Universität Berkeley prognostizieren freilich, dass die globale Herrschaft des Dollar zum Ende komme.

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