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Ausstieg aus den Anleihekäufen : Wie die amerikanische Notenbank uns alle trifft

Am Mittwochabend hat sich Fed-Chef Ben Bernanke erstmals konkret zum Ausstieg aus der ultralockeren Geldpolitik geäußert Bild: AFP

Amerikas Notenbank hat viele Staatsanleihen gekauft. Damit soll nächstes Jahr Schluss sein. Das hat enorme Folgen für die ganze Welt.

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          Wenn die Notenbanken ihre Geldpolitik erklären, ist das meistens nur für Experten ein hochinteressanter Termin. Ob der Leitzins etwas früher oder später angehoben wird, bewegt zwar Milliardensummen, doch die meisten Menschen betrifft es nur indirekt und meist spüren sie davon wenig. Gestern Abend aber war es etwas  anders. Amerikas Notenbank-Präsident Ben Bernanke kündigte einen Schwenk an, der weitreichende Folgen für die ganze Welt haben kann.

          Patrick Bernau
          Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaft und „Wert“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Was passiert da? Weil die Zinsen schon nahe bei Null stehen, aber die Wirtschaft immer noch nicht richtig in Gang gekommen war, begann die amerikanische Notenbank im Zuge der Finanzkrise zunehmend  Staatsanleihen aufzukaufen. Damit erleichterte sie dem Staat die Verschuldung, aber verfolgte  vor allem  ein anderes Ziel: die Zinsen für Staatsanleihen und darüber die Kreditzinsen zu drücken, weil sie ihre eigenen Leitzinsen nicht weiter senken kann.

          Das will die Notenbank jetzt einschränken, bis zur Mitte nächsten Jahres könnte sie ganz damit aufhören. An den Börsen hat das schon mal Folgen gezeigt: Die Aktienkurse in Amerika und Deutschland sanken, die Zinsen (Renditen) amerikanischer Staatsanleihen stiegen. Doch auch weiter kann sich noch einiges ändern. Das kann geschehen:

          Der Dollar wird wertvoller

          In den vergangenen Jahren konnten Anleger in Amerika und Europa kaum Zinsen für ihr Geld bekommen. Wenn sich das in Amerika nun ändert, werden einige wieder Geld nach Amerika verschieben. Weil mehr Geld nach Amerika strömt, wird der Dollar teurer.

          Krisengefahr in den Schwellenländern

          Wenn die Investoren Geld nach Amerika umschichten, muss es irgendwo herkommen. Bisher hatten sie viel Geld in Schwellenländer wie China, die Türkei oder Brasilien gesteckt. Dort herrschen gerade ohnehin Konflikte, die Konjunkturaussichten sind schlechter geworden. Wenn die Investoren das Geld jetzt abziehen, könnte das die Entwicklung der Wirtschaft stark beeinträchtigen.

          Inflationsdruck in Europa

          Viele Importgüter werden in Dollar abgerechnet, vor allem Benzin und viele andere Rohstoffe - zum Teil auch Nahrungsmittel. Wenn der Dollar teurer wird, werden auch diese Güter teurer. Andererseits aber stehen die Rohstoffpreise derzeit unter Druck, weil die Nachfrage aus den Schwellenländern nachlässt. Besonders der Goldpreis, der sich erfahrungsgemäß entgegengesetzt zum Dollarkurs entwickelt, fällt derzeit stark. Gold spielt allerdings für die Wirtschaft allerdings keine große Rolle.

          Europäische Firmen werden wettbewerbsfähiger

          Amerikanische Produkte werden zusammen mit dem Dollar tendenziell teurer. Wo immer europäische Firmen mit denen aus Amerika konkurrieren, erleichtert ihnen dies das Geschäft. Und zwar auch in der Konkurrenz mit chinesischen Firmen, weil deren Währung immer noch eng an den Dollar gebunden ist. Unklar ist, ob die bessere Wettbewerbsfähigkeit den europäischen Firmen hilft, wenn die Lage für ihre Kunden in den Schwellenländern schwieriger wird.

          Aktienkurse sinken

          Nicht nur die Aktienkurse in Amerika sinken, weil die Firmen schlechtere Aussichten haben. Auch der Dax hat erst mal Blessuren davon getragen. Das liegt unter anderem an den neuen Geldströmen: Geld fließt jetzt zurück nach Amerika, dazu werden auch Aktien in Europa verkauft.

          Für den amerikanischen Staat werden Schulden teurer

          Wenn die amerikanische Notenbank keine Staatsanleihen mehr kauft, gibt es weniger Nachfrage. Dadurch  muss der Staat höhere  Zinsen zahlen, um seine Anleihen absetzen zu können.

          Die Blasengefahr sinkt

          Seit Monaten diskutieren Wirtschaftsforscher, Unternehmer und Börsianer darüber, ob eine neue Blase droht: an den Immobilienmärkten, auf den Aktienmärkten und anderswo. Aus vielen dieser Märkte wird jetzt Geld abgezogen. Das drückt die Kurse - und begrenzt so den Aufbau möglicher Blasen, die eines Tages platzen könnten.

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