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Außenwirtschaftspolitik : Die Weltbank ist besorgt über Chinas Afrika-Politik

  • Aktualisiert am

Afrika, ein Kontinent mit erheblichen Schwierigkeiten Bild: picture-alliance/ dpa

In den internationalen Entwicklungsorganisationen löst die aggressive Außenwirtschaftspolitik Chinas Besorgnis aus. Die Kredite unterlaufen die westlichen Standards und konterkarieren die Wirkungen des jüngsten Schuldenerlasses.

          In den internationalen Entwicklungsorganisationen löst die aggressive Außenwirtschaftspolitik Chinas zunehmend Besorgnis aus: Handel und Direktinvestitionen zwischen Afrika und Asien wachsen auch dank der Kredite, die China gewährt. "Wir hatten gerade den Schuldenerlass für die ärmsten Länder.

          Ich hoffe, dass die Chinesen nicht dieselben Fehler machen wie früher die Europäer und Amerikaner", sagte Lars Thunell, der seit gut einem Jahr die International Finance Corporation (IFC) führt - das ist jener Arm der Weltbankgruppe, der sich um private Investitionen in den Entwicklungsländern kümmert. Natürlich hätten die Chinesen dasselbe Recht wie andere Völker, Geschäfte abzuschließen. "Aber wir müssen aufpassen, dass der Schuldenerlass nicht durch neue Kredite ins Leere läuft", warnte der ehemalige Chief Executive Officer der schwedischen Bank SEB.

          Thunell wies im Gespräch mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung darauf hin, dass es in den vergangenen 20 Jahren erhebliche Veränderungen in der Statik der Weltwirtschaft gegeben habe: Mittlerweile werde die Hälfte aller Güter und Dienstleistungen in Ländern produziert, die nicht zu den klassischen Industrieländern zählten; fast ebenso groß sei der Anteil dieser Gruppe am globalen Exportwert. "Die Süd-Süd-Investitionen betragen inzwischen 46 Milliarden Dollar im Jahr", hob er hervor. Dazu zählten auch die chinesischen Investitionen in Afrika.

          Lars Thunell, Leiter der International Finance Corporation

          „Wir müssen unsere Standards halten“

          "Sie haben häufig nicht dieselben Standards wie amerikanische oder europäische Unternehmen, was beispielsweise den Umweltschutz betrifft. Das schafft einige Spannungen." Die Europäische Investitionsbank habe deshalb den europäischen und amerikanischen Unternehmen empfohlen, ihre Standards zu senken. "Ich bin damit nicht einverstanden. Wir müssen unsere Standards halten", sagte Thunell. Ziel müsse es vielmehr sein, dass sich die neuen Spieler an den Normen der anderen orientierten. "Wir versuchen in Gesprächen mit China und Indien, das zu erreichen, aber das ist ein langer Weg."

          Grundsätzlich sieht der IFC-Chef einen enormen Bedarf an Infrastruktur-Investitionen in den Entwicklungsländern. "Schauen Sie nach Afrika, schauen Sie nach Indien, es gibt enorme Engpässe." Zwar gebe es zunehmend Kapital, das in öffentlich-privaten Partnerschaften (Public Private Partnerships, PPP) in die Infrastruktur investiert werden solle. "Aber derzeit gibt es dafür mehr Geld als realisierbare Projekte."

          Hingehen, wo der Markt nicht funktioniert

          Der Banker sieht ungeachtet des rasanten Aufbaus in vielen Schwellenländern keinen Bedeutungsverlust der IFC. "Wir gehen dahin, wo der Markt nicht funktioniert", erklärt er. Man arbeite stärker in Ländern, die gerade einen politischen Konflikt hinter sich hätten ("Postkonfliktländern"). Dort beteilige sich die IFC an der Finanzierung von Banken, Straßen oder Hotels. "Wir sorgen im Libanon für neue Kreditmöglichkeiten, wir sind in Afghanistan, wir unterstützen eine Zementindustrie im Nordirak."

          Die IFC versteht sich nach Thunells Worten als Türöffner. Man leihe Unternehmen Geld, die in Entwicklungsländern investieren wollten. Oder man beteilige sich an Projekten. Auch arbeite man mit Regierungen zusammen, um das Investitionsklima zu verbessern. "Ohne privates Unternehmertum gibt es kein Wachstum." Das zeigten die asiatischen Erfolgsgeschichten.

          Afrika soll den östlichen Vorbildern folgen

          Den östlichen Vorbildern muss nach Einschätzung des IFC-Chefs nunmehr Afrika folgen. Der Kontinent habe noch erhebliche Schwierigkeiten. Dort steige die Zahl der Armen, während sie im Rest der Welt sinke, auch sei die Krankheit Aids eine schreckliche Belastung. Korruption und Bürgerkrieg hätten viele Länder behindert. Auch wenn es immer noch einige Länder gebe, in denen die Lage erschreckend sei, sei die Zahl der Konflikte zuletzt gesunken. Auch sei das Wachstum in Afrika mit durchschnittlich fünf Prozent höher als zuvor.

          Die IFC selbst wächst derzeit rasant, wie Thunell weiter berichtete. Nach einem Gewinn von 1,5 Milliarden Dollar im Jahr 2005 sei ein Überschuss von mehr als zwei Milliarden Dollar im Jahr 2006 möglich. "Wir erleben gerade die Spitze des Aufschwungs. Wir brauchen das Geld, um den Abschwung aufzufangen, wenn er kommt", sagte er. "Wir nutzen das Geld aber auch, um zu wachsen." Die Zahl der Mitarbeiter habe man in einem Jahr von 2400 auf 3000 erhöht. Bis Ende Juni 2007 sollen weitere 600 Mitarbeiter hinzukommen. Am stärksten seien die Finanzierungen in Afrika gewachsen. Das Geschäft der IFC sei dort in drei Jahren von 140 Millionen Dollar auf zuletzt 700 Millionen Dollar gestiegen.

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