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Aufsichtsratssitzung : Berliner Flughafen startet Probebetrieb 2014

Der Hauptstadtflughafen könnte zunächst teilweise eröffnet werden - zur Probe. Bild: dpa

BER-Geschäftsführer Mehdorn hat sein Konzept durchgesetzt. Im Frühjahr 2014 soll ein Testbetrieb auf dem neuen Berliner Hauptstadtflughafen beginnen. Zehn Maschinen sollen dann pro Tag dort starten und landen.

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          Flugpassagiere sollen im kommenden Jahr einen kleinen Vorgeschmack auf den Betrieb am neuen Hauptstadt-Flughafen BER bekommen. Der Aufsichtsrat der Flughafengesellschaft Berlin Brandenburg (FBB) zeigte am Freitag in Berlin seine Unterstützung für das Teileröffnungskonzept von Flughafen-Geschäftsführer Hartmut Mehdorn. Danach soll so bald wie möglich ein „kleiner Probebetrieb“ im Nordflügel des neuen Abfertigungsgebäudes beginnen. Mehdorn will im Nordpier mit bis zu zehn Flügen und höchstens 1.500 Passagieren am Tag starten und auf diese Weise die betrieblichen Abläufe im neuen Flughafen testen. Diese Idee war in der Flughafengesellschaft umstritten, Mehdorn konnte sich offenbar mit dem Vorschlag letztlich durchsetzen.

          Kerstin Schwenn

          Wirtschaftskorrespondentin in Berlin.

          Insgesamt zählen die beiden Berliner Flughäfen Tegel und Schönefeld (alt) dieses Jahr rund 25 Millionen Passagiere, gut zwei Drittel davon in Tegel. Insgesamt kommen die Fluggesellschaften auf mehr als 240.000 Starts und Landungen. Auf den Probetrieb am Nordpier des neuen Flughafens BER sollen davon allenfalls ein bis zwei Prozent entfallen. Einen Termin für die vollständige Eröffnung des Hauptstadtflughafens gibt es nach wie vor nicht.

          Wowereit leitet Aufsichtsrat kommissarisch

          Der scheidende Aufsichtsratsvorsitzende, der brandenburgische Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD), leitete die Sitzung zum letzten Mal. Ein neuer Vorsitzender soll dem Vernehmen nach erst nach der Bundestagswahl bestimmt werden, möglicherweise erst in der nächsten Aufsichtsratssitzung am 25. Oktober, in der Mehdorn sein Gesamtkonzept präsentieren will. Bis dahin soll der Berliner Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) das Aufseher-Gremium kommissarisch leiten.

          Die Grünen kritisierten das heftig. Die Grünen-Bundestagsfraktionsvorsitzende Renate Künast sagte am Freitag: „Das Schmierentheater um Bau und Inbetriebnahme des BER wird immer absurder.“ Es sei unglaublich, dass die Bundesregierung sich als Anteilseigner weigere, einen Personalvorschlag zu machen. „Die Bundesregierung ist in der Pflicht, eine Rückkehr von Wowereit auf den Posten zu verhindern, an dem er bereits einmal krachend gescheitert ist“, sagte Künast.

          In Gesellschafterkreisen wird derweil nicht mit einer Eröffnung vor 2015 gerechnet. Nach Informationen der „Bild“-Zeitung, die sich auf einen Siemens-Bericht zur Brandschutzanlage beruft, werden die Bauarbeiten voraussichtlich frühestens im März 2015 abgeschlossen sein. Anschließend würden weitere vier Monate mit Bauabnahmen und Probebetrieb verstreichen, so dass eine vollständige BER-Eröffnung am „31. Juli 2015“ möglich sei.

          Flughafensprecher Ralf Kunkel wies den Bericht als reine Spekulation zurück. „Wir sind derzeit in Verhandlungen mit den Unternehmen zur Lösung der Brandschutzprobleme. Hier sind aber noch keine Entscheidungen getroffen“, sagte er am Freitag. Es bleibe dabei, dass der Aufsichtsrat im Oktober über den Zeitplan für die Eröffnung entscheiden werde. Dann sollen auch die Mehrkosten für das Projekt beziffert werden, das zurzeit mit 4,3 Milliarden Euro kalkuliert wird.

          Der neue Hauptstadtflughafen

          Der Vorsitzende des Bundestags-Verkehrsausschusses Anton Hofreiter (Grüne) wandte sich unterdessen gegen die vorgeschlagene Teileröffnung. Eine „Kleinst-Eröffnung“ halte er für wenig sinnvoll, sagte er im Rundfunksender RBB. Dies sei unwirtschaftlich und bringe die Flughafengesellschaft in noch größere finanzielle Schwierigkeiten. Auch der Landrat des Kreises Dahme-Oberspree, der für die Genehmigung zuständig ist, hatte vor einer Teileröffnung gewarnt, die Verzögerungen für das Gesamtprojekt zur Folge haben könne. Hofreiter forderte ferner einen neuen Aufsichtsratschef, „der seine ganze Kraft und Zeit“ für den Flughafen einsetzen könne. Dazu könne es auch notwendig sein, dessen Arbeit besser zu bezahlen. Derzeit bekommen die Aufseher nur geringe Sitzungsgelder.

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