https://www.faz.net/-gqe-vzvx

Manager-Gehälter : Aufsichtsräte sollen stärker kontrollieren

  • Aktualisiert am

Für mehr Transparenz, aber gegen Gesetze: Berthold Huber, der Vorsitzende der IG-Metall Bild: ddp

Angela Merkel hat die Debatte über eine Obergrenze für Managergehälter angestoßen, will aber keine gesetzliche Regelung. Beistand bekommt sie dabei selbst von der IG-Metall. Politiker von Union und SPD sehen die Wirtschaft in der Pflicht.

          Politiker von Union und SPD sehen in der Debatte um die Begrenzung von Managergehältern und Abfindungen die Wirtschaft in der Pflicht. Der CDU-Wirtschaftsexperte Laurenz Meyer sagte am Dienstag im ARD-„Morgenmagazin“, der Gesetzgeber könne keine Lohnobergrenzen festlegen. Die Politik könne über das Thema nur diskutieren und die verantwortlichen Aufsichtsräte der Unternehmen sensibilisieren.

          Auch SPD-Fraktionsvize Joachim Poß sagte im Deutschlandfunk, die Hauptverantwortung für die Höhe der Managergehälter liege bei den Aufsichtsräten der Unternehmen. Die Politik könne nur einen Beitrag zu mehr Transparenz leisten. Trotz möglicher verfassungsrechtlicher Schwierigkeiten sei es seiner Ansicht nach jedoch machbar, die Steuerabzugsfähigkeit von Abfindungen zu begrenzen. „Wir können da noch nachdenken, um zu verbesserten Regelungen zu kommen.“ Das SPD-Präsidium hatte am Montag eine Arbeitsgruppe zur „Angemessenheit und Transparenz von Managervergütungen“ eingerichtet.

          Aufsichtsräte in der Pflicht

          „Vor allem die Spitzen der Aufsichtsräte müssen eine größere Rolle spielen“, sagte der Finanzpolitiker Joachim Poß, der die neue SPD-Arbeitsgruppe zu Manager-Vergütungen leitet. Das gleiche gelte für die Aktionärsversammlungen, sagte Poß am Dienstag im Deutschlandfunk. Außerdem regte Poß eine Begrenzung der Steuerabzugsfähigkeit von Abfindungen an, auch wenn deren Zulässigkeit möglicherweise vor dem Verfassungsgericht geklärt werden müsse. Dieses Risiko müsse man im Zweifel eingehen.

          „Vor allem die Spitzen der Aufsichtsräte müssen eine größere Rolle spielen”: Joachim Poß

          „Wir leben in Deutschland in einer Art Raubtier-Kapitalismus“, sagte Poß. Dafür seien Regeln nötig. Die vom SPD-Parteipräsidium eingesetzte Arbeitsgruppe soll bis zum Frühjahr Vorschläge für mehr Transparenz vorlegen. Geprüft werden soll eine Begrenzung der Absetzbarkeit von Managergehältern und -abfindungen bei der Steuer.

          Huber: Die Regierung kann keine Größenordnung festlegen

          IG-Metall-Chef Berthold Huber hat sich für eine Offenlegung von Managergehältern in allen Bestandteilen ausgesprochen. Veröffentlicht werden müssten nicht nur die Gehälter, sondern auch Aktienoptionen und zu erwartende Renten, forderte Huber am Montagabend in den ARD-“Tagesthemen“.
          Huber kritisierte die Zahlungen als häufig viel zu hoch. Wenn Manager ohne entsprechende Leistung Millionen erhielten, sei die Schamgrenze überschritten. Das Verhalten von Managern, die nur absahnen wollten und die Belegschaften auf der Strecke ließen, nannte Huber „moralisch in keinster Weise akzeptabel“. Dagegen wehre sich die Bevölkerung zurecht.

          Die Höhe von Managergehälter festzulegen und zu begrenzen, sei seiner Einschätzung nach aber unmöglich, den es komme auf viele Faktoren an, auch die Unternehmensgröße, sagte der IG-Metall-Vorsitzende. Auch die Regierung könne keine Größenordnung festlegen.

          Arbeitgeberpräsident verteidigt die Höhe der Managergehälter

          Henkel-Chef Ulrich Lehner sprach sich dagegen aus, Managern auch bei Erfolglosigkeit hohe Gehälter zu zahlen. „Was nicht zusammenpasst, sind schlechte Leistung und ein hohes Gehalt“, sagte Lehner der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ (Dienstagausgabe). Es habe sicher im Einzelfall Fehlleistungen von verschiedenen Aufsichtsräten gegeben.

          Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt hat die Höhe der Managergehälter in Deutschland verteidigt. Die Bezüge fielen im internationalen Vergleich nicht aus dem Rahmen, sagte er am Dienstag im Deutschlandradio Kultur. Es gebe aber Ausnahmen, die der Glaubwürdigkeit der jeweiligen Unternehmensleitung schadeten. Daher nehme er die Debatte über die Managerbezüge ernst. Die überwiegende Zahl der Manager tue jedoch alles für das Wohl der Unternehmen, „um Arbeitsplätze hier in Deutschland zu halten“, sagte der Präsident der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände.

          Weitere Themen

          Hat Donald Trump die Verfassung gebrochen?

          Klage von Hoteliers : Hat Donald Trump die Verfassung gebrochen?

          Trump schädige ihr Geschäft, indem er Diplomaten nötige, in seinen Hotels abzusteigen, monieren Gaststättenbetreiber. Damit haben sie vor einem New Yorker Gericht einen Etappensieg errungen. Nun könnte der Surpreme Court den Fall an sich ziehen.

          Drohnen-Angriff sorgt für Ölpreis-Anstieg Video-Seite öffnen

          Saudi-Arabien : Drohnen-Angriff sorgt für Ölpreis-Anstieg

          Nach den Drohnenangriffen auf zwei Ölanlagen in Saudi-Arabien wird mit einem Anstieg der Ölpreise gerechnet. Die Angriffe verschärfen die angespannte Lage in der Golfregion und führten zum Einbruch der Ölproduktion in Saudi-Arabien.

          Topmeldungen

          Braunkohlekraftwerk Jänschwalde hinter dem ehemaligen Braunkohletagebau Cottbus-Nord

          Details des Klimapakets : Wer hat’s erfunden?

          Kommenden Freitag soll das Klimapaket beschlossen werden. Um die entscheidenden Details wird bis zuletzt gerungen: Offen ist vor allem die Frage, wie viel die Tonne CO2 kosten soll.
          Der frühere türkische Ministerpräsident Ahmet Davutoglu trat am Freitag mit fünf anderen Politikern aus der AKP aus.

          Austritte aus der AKP : Rebellion gegen Erdogan

          Einige prominente Politiker sind aus der türkischen Regierungspartei AKP ausgetreten, um ihre eigenen Bewegungen zu gründen. Für den türkischen Präsidenten Erdogan könnte es eng werden.
          Schild vor dem Trump Hotel in Washington, 21. Dezember 2016

          Klage von Hoteliers : Hat Donald Trump die Verfassung gebrochen?

          Trump schädige ihr Geschäft, indem er Diplomaten nötige, in seinen Hotels abzusteigen, monieren Gaststättenbetreiber. Damit haben sie vor einem New Yorker Gericht einen Etappensieg errungen. Nun könnte der Surpreme Court den Fall an sich ziehen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.