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Weltklimagipfel : Das große Klima-Geschacher

Amerikas Außenminister John Kerry kam und mahnte: „Der Klimawandel geschieht und menschliche Aktivitäten sind dafür verantwortlich.“ Bild: dpa

In Lima ringen die Staaten um den Schutz des Klimas. Amerikas Außenminister John Kerry mahnt und drängt, die deutsche Umweltministerin will Freitagabend pünktlich nach Hause fliegen.

          Wenn die Not am größten ist, kommen die Amerikaner – und wenn auch nur als Mahner. Wenige Stunden vor dem geplanten Abschluss des Weltklimagipfels übernimmt diese Rolle am Donnerstagnachmittag Ortszeit in Lima der amerikanische Außenminister John Kerry. Während die Unterhändler aus mehr als 190 Staaten sich im Dickicht des auf 68 Seiten angeschwollenen Vertragsentwurfs von Lima fast verheddern, zieht Kerry die großen Linien: Klimawandel geht alle an, er ist real, niemand kann sich im entziehen. Jeder Industriestaat, der nicht hilft, ist Teil des Problems. Kerry sagt auch: Jede Nation ist verpflichtet,  ihre Rolle zur Lösung des Problems zu übernehmen.

          Andreas Mihm

          Wirtschaftskorrespondent in Berlin.

          Er spricht emphatisch, emotional, mit großer Ernsthaftigkeit. Die Menschheit habe ein Problem kreiert, die Menschheit müsse es deshalb auch lösen. Man könne es auch beheben, und das sogar zu vertretbaren Kosten. Die Wissenschaft habe es vorgerechnet. „Ein ambitioniertes Abkommen in Paris ist keine Option sondern eine Notwendigkeit.“

          Da wird Kerry, der seit Jahren für sein klimapolitisches Engagement bekannt ist, in Lima keiner widersprechen. Allenfalls fragen sich manche, ob nicht gerade auch die Amerikaner jahrelang den Fortgang der Verhandlungen erschwert haben.

          Ein normaler Minister darf vor dem Plenum der Weltklimakonferenz drei Minuten reden. Manche überziehen und machen daraus fünf, so wie die deutsche Umweltministerin Barbara Hendricks (SPD). „Jeder Dollar, den wir jetzt für Klimaschutz ausgeben, ist eine Investition in die Zukunft unserer Länder“, sagt sie Donnerstagvormittag vor dem fast leeren Plenum. Freitagabend will die in Lima von einem Schwächeanfall geplagte Ministerin wieder nach Deutschland fliegen.

          Das traditionelle und deshalb absehbare Geschacher der Minister um das Ergebnis des Klimagipfels in den Nachtstunden, in denen Vorgänger wie Jürgen Trittin (Grüne), Norbert Röttgen oder Peter Altmaier (beide CDU) zu Hochform aufliefen, überlässt sie ihren erfahrenen Staatssekretär Jochen Flasbarth (SPD). Hendricks‘ Rückflug ist von langer Hand geplant. Für Montag steht ein Grußwort auf dem Abschlussfest des EU-Projektes „KliKER – Klimakommunen in der Region Rhein-Waal“ in ihrem Wahlkreis Kleve im Kalender der Ministerin. Vor der COP in Lima sagt sie aber noch, die Frage, ob Klimaschutz der Wirtschaftsentwicklung schade, sei falsch gestellt: „Wir müssen andersherum denken: Können wir es uns angesichts von drohenden Überschwemmungen, Dürren, Hunger und verschmutzter Luft wirklich leisten, nicht zu handeln?“

          Kerry sagt das auch, nur mit anderen Worten und 45 Minuten lang. Er spricht auch nicht zum Plenum, sondern vor Fernsehkameras und ein paar Hundert Presseleuten, also auch direkt – wenn auch nicht nur – an seine skeptischen Landsleute in den amerikanischen Wohnzimmern: „97 Prozent aller wissenschaftlich überprüften Klimastudien haben bestätigt, dass der Klimawandel geschieht und dass menschliche Aktivitäten dafür verantwortlich sind.“

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