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Mehr Selbstanzeigen : Auch die Schweizer waschen ihr Schwarzgeld rein

Blick auf Zürich Bild: dpa

In Deutschland haben zigtausende Steuersünder reinen Tisch gemacht. Jetzt legen auch immer mehr Schweizer ihr Schwarzgeld offen.

          Auch wer kein Jurist ist, hat von ihr schon gehört: der strafbefreienden Selbstanzeige. Allein im vergangenen Jahr haben sich mehr als 40.000 Deutsche mit diesem Instrument ihrer Steuersünden entledigt. Das waren so viele wie nie zuvor. Dabei spielte eine Rolle, dass der deutsche Gesetzgeber die Regelungen für die strafbefreiende Selbstanzeige zum Jahreswechsel verschärft hat. Außerdem steht der automatische Informationsaustausch (AIA) vor der Tür. Mit diesem Abkommen zwischen mehr als 100 Staaten auf der Welt, das in den nächsten Jahren in Kraft tritt, wird der grenzüberschreitenden Steuerhinterziehung wohl weitgehend der Garaus gemacht.

          Johannes Ritter

          Korrespondent für Politik und Wirtschaft in der Schweiz.

          Auch die Schweiz will beim automatischen Informationsaustausch mitmachen. Und dieser Schritt wirft in der Eidgenossenschaft offenbar seine Schatten voraus. Nach einem Bericht der „NZZ am Sonntag“ nimmt die Zahl der „straflosen Selbstanzeigen“, wie es in der Schweiz heißt, stark zu. Die Schweizer legten Milliarden Franken an Schwarzgeld offen.

          Seit 2010 hätten die Kantone dem Finanzministerium in Bern mehr als 15.000 Selbstanzeigen als erledigt gemeldet. Allein im vergangenen Jahr seien es fast 7600 Selbstanzeigen gewesen. Zahlen des Kantons Bern zeigten, dass Konten, Zins- und Dividendenerträge sowie Immobilien im Ausland den Löwenanteil der nichtdeklarierten Vermögenswerte ausmachten. „Allein in Zürich sind 2014 unversteuerte Vermögen von gut einer Milliarde Franken gemeldet worden – nahezu doppelt so viel wie im Vorjahr“, schreibt die Zeitung.

          Neben der drohenden Transparenz infolge des geplanten, internationalen Datenaustauschs dürften auch die Schlagzeilen aus Deutschland die Schweizer Steuersünder dazu verleiten, reinen Tisch zu machen. Die Steueraffären um Klaus Zumwinkel, den früheren Chef der Deutschen Post, und Uli Hoeneß, den wegen Steuerhinterziehung inhaftierten, ehemaligen Präsidenten des FC Bayern München, haben auch in der Schweiz hohe Wellen geschlagen.

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