https://www.faz.net/-gqe-82dqt

Energiepolitik : Atommüll-Endlagerung nicht mehr in diesem Jahrhundert

  • Aktualisiert am

Castoren-Behälter - derzeit sind sie faktisch die Endlager für den Atommüll. Bild: dpa

Die Entsorgung des radioaktiven Mülls wird wohl viele Milliarden Euro teurer. Außerdem zeigt sich: Faktisch sind die Zwischenlager die Endlager.

          1 Min.

          Die Suche nach einem Atommüll-Endlager läuft schleppend. Deswegen drohen die Kosten der Entsorgung zu explodieren. Nach Einschätzung des Vorsitzenden der Endlager-Suchkommission des Bundestags, Michael Müller (SPD), könnten sie in den nächsten Jahrzehnten auf 50 bis 70 Milliarden Euro ansteigen, berichtet die „Frankfurter Rundschau“. Müller verwies darauf, dass die Rückstellungen der vier Stromkonzerne Eon, RWE, EnBW und Vattenfall für den Abriss der Atomkraftwerke und für die Zwischen- und Endlagerung nur rund 36 Milliarden betrügen.

          „Auf den Staat kommen erhebliche finanzielle Risiken zu“, warnte er. Jahrzehntelang habe sich die Suche und der Bau von Endlagern nun schon verzögert. Das Projekt werde möglicherweise erst Mitte des nächsten Jahrhunderts abgeschlossen sein, berichtete die Zeitung unter Berufung auf ein aktuelles Papier einer Arbeitsgruppe der Endlager-Suchkommission.

          Das Ende der Atommüll-Einlagerung - also das Einbringen des letzten Atommüll-Behälters - erwarten die Experten demnach erst „zwischen 2075 und 2130“ und den „Zustand eines verschlossenen Endlagerbergwerks „zwischen 2095 und 2170 oder später“.

          Kommissionsmitglied Michael Sailer warnte davor, die abgebrannten Brennelemente und Glaskokillen mit hoch radioaktivem Abfall dauerhaft in den vorhandenen 16 Zwischenlagern unterzubringen, die sich zumeist an Kernkraftwerks-Standorten befinden. „Ohne zügige Abwicklung der Endlagersuche könnte Atommüll in einigen Zwischenlagern bis nach 2100 bleiben“, sagte er.

          Es bestehe die Gefahr, dass große Mengen Radioaktivität freigesetzt würden, da die oberirdischen Lager eher gefährdet seien als ein Endlager - etwa durch Krieg oder Terrorismus. „Die Zwischenlagerung als Quasi-Dauerzustand hinzunehmen, würde künftige Generationen unverantwortlich belasten“, mahnte Sailer, der auch Chef der Entsorgungskommission des Bundes ist.

          Weitere Themen

          So geht Youtube mit Hassnachrichten um

          Künstliche Intelligenz : So geht Youtube mit Hassnachrichten um

          Nach der Bluttat in Hanau wird wieder über Hasskommentare im Netz diskutiert. Was macht Youtube dagegen? „Die Algorithmen werden immer besser“, sagt Youtubes Europachefin im F.A.Z.-Gespräch.

          Bauarbeiter wollen 6,8 Prozent mehr Lohn

          IG BAU : Bauarbeiter wollen 6,8 Prozent mehr Lohn

          Eine Lohnsteigerung von 6,8 Prozent – das fordert die Gewerkschaft IG Bauen-Agrar-Umwelt für die anstehenden Tarifverhandlungen. Außerdem sollen die Bauarbeiter für den teilweise langen Weg zur Baustelle bezahlt werden.

          Topmeldungen

          Ein Eurofighter Typhoon auf der Farnborough Airshow nahe London im Juli 2018

          Konzernumbau : Airbus zerlegt die Rüstungssparte

          Die Folgen von Exportverboten für Waffen und verzögerte Großaufträge bekommt vor allem Deutschland zu spüren. 2400 Stellen will Airbus Defence abbauen. Und es soll einen neuen Jagdbomber geben.
          Lange hinterher, jetzt vornedran: die Wissenschaftsstadt Nürnberg

          Neue TU Nürnberg : Ein Professor für 25 Studenten

          Die neue TU Nürnberg soll die erste deutsche Uni-Neugründung seit 30 Jahren werden. Das Konzept ist ambitioniert – nicht nur, weil in Nürnberg alles komplett auf Englisch stattfinden soll.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.