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Ko-Chef der Deutschen Bank : Fitschen warnt vor lockerer Geldpolitik

Jürgen Fitschen bei der Asien-Pazifik-Konferenz Bild: dpa

Jürgen Fitschen fordert einen Kursschwenk der Europäischen Zentralbank. Er könne nur hoffen, dass die Europäer die Lektion aus Japan lernen, sagte er bei der Asien-Pazifik-Konferenz in Vietnam.

          Die Krise in Japan verführt Jürgen Fitschen zu starken Worten: „Ich habe schon seit Beginn nicht an die „Abenomics“ geglaubt. Ich kann nur hoffen, dass die Europäer diese Lektion lernen“, sagte Fitschen mit Blick auf die lockere Geldpolitik der Japaner, benannt nach Regierungschef Shinzo Abe. Der Ko-Vorstandsvorsitzende der Deutschen Bank sprach auf der Asien-Pazifik-Konferenz der Deutschen Wirtschaft (APK) in der vietnameschen Metropole Saigon (Ho-Chi-Minh-Stadt).

          Christoph Hein

          Wirtschaftskorrespondent für Südasien/Pazifik mit Sitz in Singapur.

          Auch Ulrich Grillo, der Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI), warnte im Gespräch mit FAZ.NET vor weiterhin offenen Geldhähnen der Europäischen Zentralbank: „Europa und die EZB müssen in Japan ganz genau hinsehen. Die Lektion lautet doch: Billiges Geld allein kann die Konjunktur nicht retten.“
          Fitschen stellte fest: „Der Grad der Verschuldung in Japan ist schlicht atemberaubend.“ Das lockere Geld aber helfe nicht: „Man kann Menschen nicht dazu zwingen, mehr zu konsumieren.“ Dies liege zum Teil auch an der Altersstruktur in Japan: „Eine lockere Geldpolitik kann in überalterten Gesellschaften wie in Japan nicht denselben Effekt haben wie in jungen Gesellschaften. Alte Menschen tendieren nicht dazu, viel auszugeben.“ Hinzu komme die Verunsicherung nach der nun Jahrzehnte andauernden Krise in Japan: „Die Menschen dort vertrauen einfach nicht auf die Zukunft, sie halten ihr Geld zusammen, sparen.“

          Die derzeitige Regierung habe dramatische Fehler begangen. „Sie haben es ganz falsch angefangen, in der derzeitigen Situation auch noch eine Mehrwertsteuer von 3 Prozent einzuführen – auch wenn nicht einmal die 5 Prozent, die nun geplant waren, ausreichend gewesen wären“, analysierte Fitschen. Abe hatte als einen Pfeiler in seinem Köcher die Mehrwertsteuererhöhung in zwei Schritten angekündigt, nun aber den zweiten Schritt verschoben. „Japan braucht ganz dringend Strukturreformen. Theoretisch müssten sie junge Leute aus dem Ausland über die Grenzen lassen. Aber dazu wird es nicht kommen, weil sich Japan als geschlossene Gesellschaft wohlfühlt.“

          Grillo befürchtet in der Freitags-Ausgabe der Frankfurter Allgemeinen Zeitung deshalb auch einen Rückgang der Investition in Japan: „Ich glaube schon, dass Neuinvestitionen in Japan nun leiden werden. Es gibt andere Länder, die die Fantasie stärker ankurbeln – Vietnam etwa, mit seiner jungen Bevölkerung“, sagt der Unternehmer.

          Der Chefvolkswirt für Asien der Bank HSBC spannte den Bogen noch weiter. „Japan ist nur der Anfang. Das, was dort vorgeht, wird sich auch in anderen Ländern abspielen“, warnte Frederic Neumann auf der APK. „Mehr und mehr Länder werden durch Überalterung eine schrumpfende arbeitende Bevölkerung verzeichnen.“ So verliere Nippon jährlich durch das zunehmende Durchschnittsalter ein Prozent seiner Arbeitskräfte. In Japan habe der Rückgang der arbeitenden Bevölkerung 1997 eingesetzt. Dies werde in China nun erstmals im nächsten Jahr zu verzeichnen sein. „Chinas demographische Entwicklung folgt derjenigen Japans.“

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