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Asiatische Währungen : Bindung an den Dollar ist ein Problem

Asien hortet hohe Währungsreserven, überwiegend in Dollar-Wertpapieren Bild: REUTERS

Die G-20-Gruppe will in Pittsburgh auch über globale Konjunktursteuerung reden. Sie sollte sich besser mit den Ungleichgewichten befassen, die aus festgezurrten Wechselkursen entstehen.

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          Zu den Fehlentwicklungen, die nach Ansicht vieler Fachleute zu der Finanzkrise beigetragen haben, gehört der jahrzehntelange Aufbau riesiger Leistungsbilanzsalden zwischen den Vereinigten Staaten und asiatischen Ländern wie China und Japan. Um eine hohe eigene Ausfuhr in die Vereinigten Staaten zu sichern, haben diese Länder den Wechselkurs ihrer Währung gegenüber dem Dollar durch umfangreiche Käufe der amerikanischen Währung weitgehend stabil gehalten. China wertet zwar ein wenig auf, aber nie stark genug, um seinen Leistungsbilanzüberschuss zu gefährden.

          So entstanden in Asien hohe Währungsreserven, die überwiegend in Dollar-Wertpapieren, darunter nicht zuletzt Staatstiteln, angelegt wurden und so dazu beitrugen, den amerikanischen Kapitalmarktzins niedrig zu halten. Der niedrige Kapitalmarktzins begünstigte die Hausse in den Teilen des amerikanischen Immobilienmarktes und die daraus folgenden Spekulationen an den Finanzmärkten. Forderungen von Amerikanern und Europäern, sie sollten die Devisenmärkte nicht länger manipulieren und damit eine kräftige Aufwertung ihrer Währung gegenüber dem Dollar zulassen, erteilten die Chinesen eine Absage. Eine solche Aufwertung ihrer Währung würde chinesische Exporte und damit den Aufbau weiterer Währungsreserven erschweren. Im Gegenteil würde eine Abwertung des Dollar gegenüber der chinesischen Währung die Dollarreserven Pekings entwerten. Daran besitzt Peking keinerlei Interesse.

          „Bretton Woods 2“

          Währungsfachleute bezeichnen diese freiwillige Bindung von vorwiegend asiatische Währungen an den Dollar als „Bretton Woods 2“ in Erinnerung an das offizielle Währungssystem von Bretton Woods, das zwischen 1946 und den frühen siebziger Jahren existierte und in dem die meisten Länder ihre Währungen an den Dollar gebunden hatten. Bretton Woods war als Folge amerikanischer Inflationspolitik zugrunde gegangen.

          Seit Monaten betreibt China gegenüber dem Dollar eine Doppelstrategie. Aus politisch-strategischer Sicht strebt China eine multipolare Welt an, in der der Dollar nicht länger die dominierende Weltwährung darstellt. China hat unter anderem eine Warenreservewährung ins Spiel gebracht und eine Aufwertung des vom Internationalen Währungsfonds (IWF) herausgegebenen Kunstgeldes, des Sonderziehungsrechtes. „China will aus der unheiligen Allianz mit den Vereinigten Staaten heraus“, sagt Ulrich Kater, der Chef-Volkswirt der Deka-Bank. „China will den Rang des Dollar durch administrative Regeln schwächen.“

          Aber um seinen Export und seine Dollarreserven zu sichern, stemmt sich Peking andererseits gegen eine kräftige Abwertung des Dollar gegenüber seiner Währung. Aus politischer Sicht soll der Dollar schwächer werden, aber aus wirtschaftlicher Sicht darf die amerikanische Währung auch nicht zu schwach werden. Das ist eine Strategie nicht ohne Widersprüche, deren Folgen vor allem die Europäer tragen sollen.

          „Die Chinesen reden den Dollar am Devisenmarkt gegenüber den frei austauschbaren Währungen wie dem Euro herunter. Indem sie ihre eigene Währung fest an den Dollar binden, wird damit auch die chinesische Währung gegenüber dem Euro billiger“, erläutert Jörg Krämer, der Chef-Volkswirt der Commerzbank die Strategie Chinas. Die chinesischen Unternehmen gewinnen damit an Wettbewerbsfähigkeit gegenüber ihren europäischen Konkurrenten. Es geht um nicht wenig: Europa ist für die chinesische Wirtschaft ein wichtigerer Absatzmarkt als die Vereinigten Staaten.

          Strategie der Chinesen funktioniert

          Die Strategie der Chinesen funktioniert nicht schlecht. Der Dollar tendiert an den Devisenmärkten seit einiger Zeit zur Schwäche, zum Beispiel gegenüber dem Yen und dem Euro. Der Wechselkurs lag am Donnerstagnachmittag mit 1,4770 Dollar nahe seinem Jahreshoch. Für die Schwäche des Dollar nennen Analysten neben den Pekinger Bemühungen, den Kurs herunterzureden, unter anderem die wachsende Risikobereitschaft vieler Großanleger. Sie hatten nach dem Zusammenbruch von Lehman Brothers Geld in der traditionellen Fluchtwährung Dollar geparkt, das sie nunmehr wieder in anderen Regionen, darunter vielen Schwellenländern investieren. Kursbelastend wirken auch die sehr niedrigen Dollarzinsen, die Anlagen in höherverzinslichen Währungen begünstigen.

          Die Abwertung des Dollar und der chinesischen Währung Renminbi schlägt sich noch nicht spürbar in den Außenhandelszahlen der Eurozone nieder, zumal Europa nicht nur mit den Vereinigten Staaten und China Handel betreibt. Der Dollarkurs ist für Europa nicht unwichtig, aber auch nicht von herausragender Bedeutung. Der sogenannte „handelsgewichtete Wechselkurs“ des Euro, der die Wertentwicklung der Gemeinschaftswährung gegenüber einem Bündel von Währungen der europäischen Handelspartner ausdrückt, zeigt jedenfalls noch keine dramatischen Veränderungen an.

          Im Unterschied zur Eurozone betreibt Großbritannien eine eindeutige Abwertungsstrategie. „Ein schwaches Pfund ist hilfreich für unser Land“, sagte der Gouverneur der Bank of England, Mervyn King, am Donnerstag. Nach Kings Ansicht bedarf die britische Wirtschaft einer stärkeren Ausrichtung auf den Export: „Der Rückgang des Wechselkurses, den wir jüngst gesehen haben wird hilfreich sein für diesen Prozess.“

          Nach Meinung Katers brauchen Großbritannien und die Vereinigten Staaten billige Währungen, um die Wiederansiedlung von Industrie zu erleichtern. Andererseits führt eine Abwertung zu einer Verteuerung der Einfuhr und eventuell zu höheren Zinsen, wenn internationale Kapitalgeber Risikoaufschläge in Erwartung weiterer Abwertungen fordern.

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