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Ashraf Ghani : „Legalisierung des Drogenkonsums würde helfen“

Der Wirtschaftsexperte Ashraf Ghani glaubt: Die ökonomischen Schwierigkeiten Afghanistans werden noch größer werden Bild: DPA

Die wirtschaftlichen Schwierigkeiten Afghanistans werden weiter wachsen. Das sagte der afghanische Wirtschaftsexperte und Politiker, Ashraf Ghani, im Gespräch mit der F.A.Z. Die derzeitige Regierung handle nicht entschlossen genug, denn sie werde von den Drogenhändlern dominiert und sei korrupt.

          Unter der Führung von Hamid Karzai werden die wirtschaftlichen Schwierigkeiten Afghanistans immer größer werden. Davon ist der afghanische Wirtschaftsexperte und Politiker, Ashraf Ghani, überzeugt. Die derzeitige Regierung sei nicht entschlossen genug, die drängenden Probleme des Landes anzugehen, denn sie werde genauso wie die Polizei von den Drogenhändlern dominiert und sei korrupt. Außerdem werde sich das Land nur dann in den nächsten fünf bis zehn Jahren merklich erholen, wenn die westliche Welt kooperiere, sagte Ghani im Gespräch mit dieser Zeitung. Der sechzigjährige Paschtune war von 2002 bis 2004 Finanzminister seines Landes. Zuvor war er lange für die Weltbank tätig und schon mal als deren Präsident im Gespräch.

          Lisa Becker

          Redakteurin in der Wirtschaft

          In der jüngsten Wahl ist er gegen Karzai angetreten. Wie viele Afghanen ihn gewählt haben, weiß Ghani nicht. „Viele Stimmen wurden gestohlen“, sagt er. Manche Beobachter schätzten, dass eine Million Wähler für ihn gestimmt haben könnten. Nach offiziellen Angaben haben insgesamt 38 Prozent der 17 Millionen registrierten Wähler gewählt. Ghani heißt die Präsenz der westlichen Streitkräfte in Afghanistan gut, hält sie aber zumindest wirtschaftlich für kaum wirkungsvoll. Auch komme ein großer Teil der westlichen Finanzhilfe nicht bei den Afghanen an. Von einem Dollar amerikanischen Geldes verblieben nur 10 Cent in Afghanistan. Das liege daran, dass das Geld von einer Stufe zur nächsten weitergereicht und auf jeder Stufe ein Teil davon abgezweigt werde. „Deshalb nutzt Entwicklungshilfe nichts“, sagt Ghani.

          Die Märkte öffnen

          Er hat ganz andere Vorschläge, wie der Westen helfen könnte. Zum einen sollte er endlich seine Märkte für afghanische Agrargüter öffnen. „Wir haben einige der besten Gemüsesorten und Früchte der Welt; doch sie verrotten, weil die Märkte nicht offen sind“, sagt Ghani.

          Sein zweiter Vorschlag, den er für noch wichtiger hält, ist hingegen unkonventionell. Die westlichen Länder sollten den Drogenkonsum ihrer Einwohner legalisieren, fordert Ghani. „Die westliche Mittelschicht konsumiert vor allem Drogen, die in Afghanistan angebaut werden.“ Das gelte insbesondere für Heroin, das wichtigste Anbauprodukt der afghanischen Drogenwirtschaft. Es gibt Schätzungen der Weltbank, wonach die afghanische Wirtschaft zu einem Drittel vom Anbau und Verkauf von Heroin und Opium abhängt. Das führt zu Korruption und Gewalt. Weil der Konsum nicht erlaubt ist, werden auf den illegalen Märkten extrem hohe Preise bezahlt. Unter dem bis 2001 herrschenden Taliban-Regime war die Drogenproduktion weitgehend unterbrochen worden.

          Einige wirtschaftliche Fortschritte habe es seit dem Ende der Taliban-Herrschaft gleichwohl gegeben, sagt Ghani. Eine Erfolgsgeschichte sei die Entwicklung der Telekom-Branche. Im Juli 2002 habe es im ganzen Land etwa hundert Mobiltelefone gegeben, jetzt seien es mehr als 8 Millionen, rechnet Ghani vor.

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