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Zwischen Minijob und Schwarzarbeit : Die unsichtbare Perle

  • Aktualisiert am

Wer seine Putzfrau schwarz arbeiten lässt, muss mit einem Bußgeld rechnen Bild: Grimm, Lena

Zehn Jahre nach Einführung der Minijobs sind 250.000 Menschen als Hilfe in einem Privathaushalt gemeldet. Beschäftigt sind allerdings weit mehr: In fast jedem zehnten Haushalt wischt und bügelt die Putzfrau auf illegaler Basis. 

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          Seit zehn Jahren können sich geringfügig Beschäftigte bis zu einer Einkommensgrenze von derzeit 450 Euro als Minijob anmelden. Als Hilfe in einem Privathaushalt sind 250.000 Menschen registriert, meldet die Minijob-Zentrale der der Deutschen Rentenversicherung Knappschaft-Bahn-See (KBS).

          Obwohl geschätzt vier Millionen Deutsche schwarz bei einem privaten Arbeitgeber arbeiten, ist die KBS mit der Zahl der Anmeldungen zufrieden: „Die Anmeldung ist freiwillig und es drohen keine Kontrollen - anders als bei den rund sieben Millionen Minijobbern im gewerblichen Bereich“, sagte Erik Thomsen, Leiter der Minijob-Zentrale in Essen.

          Jede zehnte Haushaltshilfe illegal beschäftigt

          Vor allem Putz- und Pflegehilfen in Familien gehören zu den Minijobbern.Doch fast jeder fünfte Haushalt ist tolerant gegenüber Schwarzarbeit, fast jeder Zehnte hat bereits ohne große Gewissensbisse illegal eine Haushaltshilfe beschäftigt. Elf Prozent können sich vorstellen, dies zu tun. Das ist das Ergebnis einer Forsa-Umfrage vom September vergangenen Jahres im Auftrag der Minijob-Zentrale zum durchschnittlichen Arbeitgeber, der Helfer im Haushalt schwarz bezahlt. Heraus kam: Die Schwarzarbeit-Quote steigt mit Alter, Einkommen und Bildung der Haushaltsvorstände. Und: Ein schlechtes Gewissen haben sie meist nicht, wenn sie Haushaltshilfen heimlich beschäftigen.

          Arbeitgeber, die auffliegen, müssen mit Bußgeld bis 5000 Euro rechnen. Dabei kann jeder, der seine Haushaltshilfe auf Minijob-Basis anmeldet, von den Ausgaben jährlich bis zu 510 Euro von der Einkommenssteuer absetzen.

          Jeder vierte Minijobber zahlt für die Rente ein

          Seit der Einführung der Rentenversicherungspflicht für Minijobber zu Jahresbeginn zahlt jeder vierte geringfügig Beschäftigte Beiträge für die Rente ein. Das geht aus einer Bilanz der KBS für das erste Quartal hervor. Damit hätten sich weniger Menschen von der Beitragsleistung befreien lassen als von der Bundesregierung ursprünglich erwartet, sagte eine KBS-Sprecherin. „So gesehen ist das durchaus ein Erfolg.“ Die Bundesregierung hatte im Herbst vergangenen Jahres bei den Beratungen über die Versicherungspflicht mit 90 Prozent Befreiungen gerechnet.

          Viele Minijobber sind bereits Rentner oder haben Ansprüche aus einem anderen sozialversicherungspflichtigen Job und nutzen deshalb die gesetzliche Option der Befreiung. Der Anspruch für Minijobber ergebe keine auskömmliche Rente, sei aber trotzdem für viele Versicherte attraktiv, sagte die Sprecherin. Er ermögliche etwa das Riestersparen und eröffne den Zugang zu Angeboten der Rehabilitation. Außerdem zählten die Jahre voll für Rentenanwartschaften.

          Die Verdienstgrenze für Minijobs war zu Jahresbeginn zugleich von 400 auf 450 Euro angehoben worden. Der Arbeitgeber muss pauschal 14,44 Prozent des Arbeitsentgelts abführen. Jeweils 5 Prozent werden in die Kranken- und Rentenversicherung eingezahlt, 2 Prozent sind Pauschalsteuer, 1,6 Prozent gehen an die gesetzliche Unfallversicherung und 0,84 Prozent sind für Aufwendungen bei Krankheit, Schwangerschaft und Mutterschaft gedacht. Der Arbeitnehmer im Privathaushalt zahlt, sofern er sich nicht von der Versicherungspflicht in der Rentenversicherung befreien lässt, 13,9 Prozent in die Rentenkasse ein. Im gewerblichen Bereich gibt es knapp sieben Millionen Minijobs, für sie gelten andere Regelungen.

          Allerdings lehnen die Haushaltshilfen und Putzfrauen oft selbst die Legalisierung ab: Um sich finanziell über Wasser zu halten, haben sie bisweilen mehrere Minijobs und liegen damit über der Verdienstobergrenze von 450 Euro im Monat.

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