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Sozialpolitik : Mehr als jeder dritte Arme verzichtet auf Hartz IV

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Lieber arm als Hartz IV? Bild: dpa

Es bleibt dabei: Sozialhilfe, Arbeitslosenhilfe, Hartz IV - die Namen ändern sich, das Stigma bleibt. Deshalb versuchen viele Anspruchsberechtigte, ohne auszukommen.

          In Deutschland beantragen Millionen sozial schwache Menschen keine Hartz IV-Leistungen, obwohl sie Anspruch darauf hätten. In einer aktuellen Berechnung gehen Forscher des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) von 3,1 bis 4,9 Millionen Betroffenen in verdeckter Armut aus, wie der Berliner „Tagesspiegel“ (Montag) berichtet.

          Umgerechnet verzichteten damit zwischen 34 und 44 Prozent der Berechtigten auf staatliche Unterstützung, also mehr als jeder dritte. Als mögliche Gründe nennen die Forscher in ihrer Studie Unwissenheit, Scham oder eine voraussichtlich nur geringe Leistungshöhe und -dauer.

          Gleichzeitig berichtet der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB), dass jeder sechste neue Arbeitslose in Bayern direkt in den Bezug von Hartz-IV-Leistungen abrutscht. Nach einer Sonderauswertung der Arbeitslosenzahlen waren 16,3 Prozent der 420.400 Menschen, die im Jahr 2012 im Freistaat arbeitslos wurden, direkt auf die Grundsicherung angewiesen.

          Am stärksten traf es Leiharbeiter - von ihnen geriet fast jeder Dritte direkt in den Hartz-IV-Bezug, statt zunächst Arbeitslosengeld zu bekommen. Dies ist dann der Fall, wenn der Betroffene entweder nicht lange genug berufstätig war, um Ansprüche auf Arbeitslosengeld zu erwerben. Oder aber er hat so schlecht verdient, dass er ergänzend zu seinem niedrigen Arbeitslosengeld auf Hartz IV angewiesen ist. Der DGB forderte deshalb die Wiedereinführung jener Regelung, wonach schon nach einer Beitragszeit von drei Jahren ein Versicherungsanspruch von mindestens sechs Monaten galt.

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