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Soziale Mobilität : Der Aufstieg ist bedroht

Wie groß sind die Chancen? Mädchen in einer Plattenbau-Siedlung Bild: dpa

Alle Welt empört sich über die wachsende Ungleichheit der Einkommen und Vermögen in Deutschland. Doch das ist gar nicht das Problem. Wirklich schlimm ist, dass es heutzutage viel weniger Leute von unten nach oben schaffen.

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          Vielleicht hat die gefühlte Gerechtigkeit im Land mit dem Moment zu tun, in dem der Paketbote klingelt und in der Berliner Gründerzeitwohnung das Päckchen des Internethändlers Amazon abliefert. Abgehetzt wirkt er, für ihn zählt offensichtlich jede Sekunde, und die Bezahlung hält mit dem Stress vermutlich nicht Schritt. In nichts erinnert der hagere junge Mann noch an den früheren Postbeamten, der gemächlich die Briefe austrug und bis zum Lebensabend ausgesorgt hatte.

          Ralph Bollmann

          Korrespondent für Wirtschaftspolitik und stellvertretender Leiter Wirtschaft und „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung in Berlin.

          Inge Kloepfer

          Freie Autorin in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung in Berlin.

          Der Empfänger der Büchersendung hingegen könnte sich freuen: Der Immobilienboom in deutschen Großstädten hat seiner Eigentumswohnung gerade einen kräftigen Wertzuwachs beschert. Aber wenn er in der Zeitung von den Millionen-Boni der Manager liest, empfindet er sich immer noch nicht als reich.

          Parteien greifen Thema auf

          Die Meinungsforscher des Instituts für Demoskopie Allensbach haben den Postboten-Effekt neulich gemessen. „Sind die wirtschaftlichen Verhältnisse bei uns in Deutschland im Großen und Ganzen gerecht oder nicht gerecht?“, wollten die Interviewer von den Deutschen wissen. Gerade mal 15 Prozent der Befragten antworteten, sie hielten die Verteilung von Einkommen und Vermögen im Land für gerecht. Stolze 69 Prozent vertraten die gegenteilige Ansicht. Selbst die Reichen denken mehrheitlich so. Unter den Angehörigen der Oberschicht waren immer noch 58 Prozent der Ansicht, es gehe hierzulande ungerecht zu.

          Kein Wunder, dass die Parteien im Wahljahr das Thema aufgreifen. Union und FDP wollen die Einkommen nach unten und oben begrenzen, indem sie einerseits einen tariflichen Mindestlohn befürworten und andererseits hoffen, eine Abstimmung der Aktionäre auf der Hauptversammlung über die Managergehälter könne diese begrenzen. SPD und Grüne möchten auch dazwischen kräftig umverteilen, mit Steuererhöhungen und neuen Zuschüssen für Familien mit Kindern, deren Verteilungswirkung im Einzelnen schwer zu durchschauen ist.

          Einkommen bewegen sich auseinander

          Aber lässt sich die Vermutung, die der Paketbote an der Wohnungstür erweckt, überhaupt mit Zahlen belegen? Die Verteilung von Wohlstand kann man klassischerweise anhand von drei Größen messen. Als Erstes schauen die Leute darauf, was sie Monat für Monat und Jahr für Jahr bekommen, also auf ihr Einkommen. Dann fragen sie, wie viel Geld sie auf dem Konto haben, ob sie ein Haus besitzen oder gar Anteile an einem Unternehmen, also nach ihrem Vermögen. Schließlich überlegen sie sich, ob es der Postbote auch einmal zu einer Eigentumswohnung bringen kann oder ob seine Kinder, wenn sie sich anstrengen, an der Universität studieren werden. Es geht also um die Frage, ob die Aufstiegschancen in diesem Land gerecht verteilt sind. Und je nachdem, welchen der Faktoren man betrachtet, fällt die Antwort höchst unterschiedlich aus.

          Schaut man auf die Einkommensentwicklung der zurückliegenden Jahrzehnte, dann haben sich die Einkommen seit den achtziger Jahren tatsächlich auseinanderbewegt - allerdings nicht kontinuierlich, sondern mit mal steigenden, dann wieder sinkenden Einkommensunterschieden. Ein starker Anstieg der Einkommensungleichheit fand zu Beginn des neuen Jahrhunderts statt, mit seinem Höhepunkt im Jahr 2005.

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