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EZB-Umfrage : Deutsche sind die Ärmsten im Euroraum

  • -Aktualisiert am

Vermögensverteilung im Euroraum Bild: F.A.Z.

Das Nettovermögen der Masse der deutschen Haushalte ist nach Daten der Europäischen Zentralbank niedriger als in jedem anderen Euroland. Das Medianvermögen beträgt hierzulande 51.400 Euro – in Zypern 266.900 Euro.

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          Das ist eines der Ergebnisse einer mit Spannung erwarteten Umfrage der Euro-Notenbanken zu Armut und Reichtum in ihren Ländern. Das Median-Vermögen - eine Hälfte der Haushalte hat mehr, die andere weniger - beträgt im Euroraum rund 109.000 Euro, wobei die Daten für Irland und Estland noch nicht vorliegen. Hierzulande hat die Masse der Haushalte jedoch nicht einmal halb so viel. Das Median-Vermögen beträgt in Deutschland 51.400 Euro.

          Angesichts der vielen Milliarden Euro an Stabilisierungshilfen für Länder wie Griechenland, Portugal und Zypern bergen solche Zahlen einigen politischen Sprengstoff. Das sei auch ein Grund, warum die EZB die Veröffentlichung der Daten so lange hinausgezögert habe, bis das Stabilisierungsprogramm für Zypern beschlossen wurde, heißt es in Notenbankkreisen. Zumal die Zyprer mit einem Netto-Median-Vermögen - also unter Einbeziehung von Gütern wie Schmuck und Autos und nach Abzug von Schulden - von 266.900 Euro je Haushalt zu den reichsten Europäern zählen. Die EZB begründet die relativ späte Veröffentlichung am Dienstag dagegen damit, dass die letzten Daten erst Anfang März eingetroffen seien und für die Studie noch einige statistische Arbeiten erforderlich gewesen seien.

          Befragt wurden 62.000 Haushalte

          Tatsächlich ist der Aufwand für die Studie immens. Befragt wurden 62.000 Haushalte, jeder im Durchschnitt etwa ein Stunde lang. Dabei gaben die Teilnehmer unter anderem Auskunft über ihr Einkommen, die Aufteilung ihres Vermögens, ihre Schulden sowie über Höhe und Laufzeit ihrer Schulden. Die EZB erhofft sich von den Daten unter anderem Aufschluss darüber, wie sich wirtschaftliche Schocks auf die privaten Haushalte und ihr Verhalten auswirken.

          Doch derzeit dürfte vor allem die politische Wirkung der Daten dominieren. Und so verwenden die Fachleute der EZB - wie schon einige Wochen zuvor die der Bundesbank - einige Mühe darauf, die Ergebnisse der Umfrage zu relativieren. Ein gängiges Argument ist dabei der starke Unterschied bei der Häufigkeit von Immobilieneigentum. In Ländern, in denen besonders viele Menschen ein Haus oder eine Wohnung besitzen, ist auch das Vermögen meist größer. In Österreich zum Beispiel ist ein großer Anteil der städtischen Wohnungen - in Wien wohl mehr als die Hälfte - im Besitz der öffentlichen Hand. Diese Art von Vermögen taucht in den Statistiken über die privaten Vermögen nicht auf.

          Zudem könne der Zeitpunkt der Befragung eine Rolle spielen. Ermittelt wurden die meisten Daten im Jahr 2010. Damals war die Spekulationsblase etwa auf dem spanischen Immobilienmarkt noch nicht geplatzt. Im vorangegangenen Jahrzehnt waren die Häuserpreise in Spanien stark gestiegen, während sie in Deutschland stagnierten, erläuterten die Statistiker der Notenbanken am Dienstag. Auch die durchschnittliche Haushaltsgröße beeinflusse das Bild von den Vermögensverhältnissen. In Deutschland verteilt sich das Vermögen je Haushalt im Durchschnitt auf gut zwei Personen (2,04) in Zypern auf knapp drei (2,76) und im Durchschnitt des Euroraums auf 2,32.

          Um den Einfluss der Hauspreise und der Häufigkeit von Hauseigentum auf die Vermögensverteilung zu illustrieren hat die EZB auch eine um diese Faktoren bereinigte Statistik veröffentlicht. Nehme man nur die Umfrageergebnisse der Hauseigentümer - in Deutschland sind das etwa 40 Prozent der Haushalte - und verwende zudem Immobilienpreise von 2002 statt 2010, ergebe sich ein anderes Bild. Dann liege Deutschland über dem Durchschnitt und Zypern entspreche mit dem Medianvermögen dem Durchschnitt.

          Ihre im Vergleich unerfreuliche Vermögensposition werden die Teilnehmer an einer Umfrage des Meinungsforschunsinstituts Forsa noch nicht gekannt haben. Nach dieser Studie ist die Zustimmung der Deutschen zum Euro im vergangenen Jahr deutlich gestiegen. 69 Prozent der Befragten hat sich demnach dafür ausgesprochen, den Euro zu behalten, 27 Prozent wollen die D-Mark zurück. Im vergangenen Jahr hatte sich noch jeder zweite Deutsche gegen den Euro ausgesprochen.

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