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Armut und Reichtum : Essen: Die gespaltene Stadt

Wie eine Grenze zwischen Arm und Reich: die Stadtautobahn A 40 durchschneidet Essen. Bild: dpa

Arm und Reich driften auseinander in deutschen Großstädten. Besonders extrem sieht man das in Essen. Ein Ortsbesuch.

          9 Min.

          Ciara gibt gerne den Ton an. Auf dem Spielplatz hinter der Kirche weist die Vierjährige den anderen die Plätze zu: Schwester Laura, sechs Jahre alt, muss alleine schaukeln, während sie mit ihrer Freundin zusammen die andere Schaukel erklimmt. Das ist zwar ungemütlich, aber zu zweit kommen sie höher hinaus als die große Schwester. Was für ein Triumph!

          Bettina Weiguny

          Freie Autorin in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Dann fliegen Ciaras Zöpfe, ihr Lachen tönt über den Kirchplatz bis zu dem beigefarbenen Eckhaus, in dem die Familie lebt, oben im dritten Stock. Dann ist alles in Ordnung für das Mädchen mit dem dichten, dunklen Haar, das ein paar Brocken Italienisch spricht, wegen der Großeltern. Sie ist zufrieden mit sich und ihrer Welt.

          Sie kennt nicht die Sorgen ihrer Eltern, die ihren Töchtern gerne alles ermöglichen wollen, eine sichere, gute Zukunft. „Wir leben für die beiden Mädchen“, sagt Vater Lorenzo Anelli, ein Industriemechaniker, und verschränkt die kräftigen Arme vor der Brust. „Seit sie auf der Welt sind, dreht sich unser Leben nur noch um sie.“ Trotzdem fragen die Eltern sich, ob es reicht, was sie ihnen bieten können.

          Kleine Welt vom Eckhaus zum Kindergarten

          Ciaras kleine Welt erstreckt sich vom Eckhaus über Kirchplatz und Spielplatz bis zum evangelischen Kindergarten, in den sie geht. Sie kennt den Weg dorthin, es sind nur wenige Schritte. Trotzdem begleitet ihr Vater sie jeden Morgen. Er bringt auch Laura zur Grundschule, ein Stückchen weiter. Er hat ja Zeit dafür: Seit dem Herbst ist der Metallarbeiter arbeitslos. Sein Job war befristet, wie die seiner Kollegen auch - ihre Verträge sind alle nicht verlängert worden. Nun ist er „arbeitssuchend“, wie er betont. Er ist keiner, der sich auf die faule Haut legt. Aber die Zeiten sind schwierig in seiner Branche. Und solange er keine Arbeit hat, keinen Schichtbetrieb wie sonst, macht er die Mädchen morgens fertig. Denn seine Frau Verena verlässt in aller Frühe das Haus. Die Bürokauffrau arbeitet in einem großen Gastronomiebetrieb. Trotz der beiden Kinder zieht sie den Vollzeitjob durch, sie brauchen ihr Gehalt.

          Erwischt sie nach der Arbeit die Straßenbahn, schafft sie es gerade noch, die Kinder um 16 Uhr abzuholen. Alleine wollen sie die Mädchen nicht nach Hause gehen lassen. „Das ist uns hier zu unsicher.“

          Hier, das ist Essen. Essen-Altendorf. Im Essener Norden. Und der Norden der Revierstadt hat es in sich. Wer hier lebt, ist arm. Oder besser gesagt: Es leben immer mehr Menschen in dem heruntergekommenen Stadtteil, die arm sind, bedürftig, sozial schwach, von der Gesellschaft abgehängt, wie immer man es nennen will, wenn das Geld nicht reicht.

          Wer durch Altendorf geht, sieht die Zurückgebliebenen

          Wer durch Altendorf geht, sieht sie vor den Bierbuden auf der Helenenstraße, Essens Drogen-Umschlagplatz Nummer eins, sie sitzen in den Döner-Buden, lungern vor dem Supermarkt oder sitzen auf den Bänken, stumm und teilnahmslos. Es sind die Zurückgebliebenen. Denn wer kann, zieht weg aus dem Arbeiterviertel am Rande der Essener Innenstadt.

          Und es kommt kaum jemand nach. Essen schrumpft. Wohnungen und Geschäftszeilen in Altendorf stehen leer. Schulen werden hier und in den angrenzenden Gebieten geschlossen, Schwimmbäder, Sportplätze, öffentliche Büchereien. Der Bezirksbürgermeister Klaus Persch zeigt frustriert auf die brachliegenden Flächen, während er seinen Teil von Essen zeigt. Er kennt die Stadtteile hier seit seiner Kindheit, weiß, dass die Probleme im Sprengel eher zu- als abgenommen haben. Trotzdem zeigt er Optimismus: „Wir fliegen auf den Mond, da werden wir hier auch eine Lösung finden.“

          Wer neu nach Altendorf zieht, wählt das Viertel, weil er sich anderswo die Mieten nicht leisten kann - Arbeitslose, Alleinerziehende, Hartzer, Illegale und Halbillegale, Kriminelle und Kleinkriminelle.

          Im Süden stehen die Villen der Industriellen

          Die anderen ziehen in den Süden, dahin, wo die prächtige Villa Hügel thront, der einstige Stammsitz der Krupps. „Soziale Entmischung“, Segregation, nennen Soziologen und Städteplaner das Phänomen, das in Essen besonders hervorsticht: Die Stadt ist zweigeteilt in den nördlichen Zechenteil mit seinen Arbeitervierteln und den südlichen Villenbezirk der Industriellen.

          Der Trend zur Spaltung der Städte in Reich und Arm zeigt sich in allen deutschen Großstädten. „Über die Jahrzehnte hat die Teilung zugenommen: Die Reichen bleiben unter sich, die Armen ballen sich in Problemvierteln“, erklärt der Soziologe Jürgen Friedrichs. Der Professor an der Universität Köln beschäftigt sich seit Jahrzehnten mit der Frage, ob und wie das räumliche Milieu, in dem man aufwächst, sich auf das Schicksal des Einzelnen auswirkt. Dabei kommt er zu dem Schluss: Deutschland ist weit entfernt von amerikanischen Verhältnissen, in denen die Gesellschaft räumlich und sozial immer weiter auseinanderdriftet. „Aber auch hierzulande fallen die schlechten Wohnviertel immer weiter zurück.“

          Das sieht in Essen nicht anders aus als in Köln, Berlin, Hannover, Leipzig oder auch München. In einer Studie hat Friedrichs in mehreren Großstädten zwischen den Jahren 1991 und 2005 verfolgt, in welchen Vierteln Sozialhilfeempfänger leben und wie hoch ihr Anteil an den Bewohnern des Quartiers ist. Dabei offenbart sich: Mischgebiete werden weniger, arme Wohnviertel, in denen bald jeder Vierte oder Fünfte Sozialhilfe bezieht, nehmen zu. In den richtig „guten“ Vierteln liegt der Wert über die Jahre hinweg konstant unter einem Prozent. „Diese Tendenz hat sich bis heute weiter verstärkt“, sagt der Städteforscher, nur sind die Werte seit der Umstellung der Sozialhilfe auf Hartz IV im Jahr 2005 nicht mehr vergleichbar.

          Wer in München wohnt, lebt nicht automatisch auf der Sonnenseite

          Es ist demnach ein Trugschluss zu denken: Wer in Essen aufwächst, ist benachteiligt, wer dagegen in München wohnt, ist auf der Sonnenseite des Lebens. Das Hasenbergl in der Isarstadt gleicht dem Essener Norden, die Bewohner beider Bezirke drohen von der Gesellschaft abgehängt zu werden. Der Essener Süden dagegen ist wohlhabend, voller Pracht. Hier lebt eine sehr privilegierte, kleine Oberschicht, reich wie die Grünwald-Bewohner in München oder in Hamburg-Blankenese. Um sie herum schart sich die gehobene Mittelschicht.

          Und zwischen Nord und Süd, zwischen Arm und Reich in Essen, zieht sich wie eine Grenzlinie die Stadtautobahn A 40. Sie wird selten überschritten von den Bewohnern der Stadt. Die Fußball-Knirpse im Norden spielen gegen andere Vereine im Norden, die im Süden gegen die Teams der Nachbarviertel.

          Die Menschen im Norden kennen kaum den Reiz des grünen Ruhrtals im Süden, waren nie am Baldeneysee, dem Naherholungsidyll der Wohlhabenden, die hier Tennis spielen und segeln. Die im Süden wiederum meiden den Norden, wagen sich gerade mal zum Besuch der „Zeche Zollverein“ in das fremde Terrain vor, um eine der Kulturveranstaltungen in der umgebauten ehemaligen Zeche zu besuchen. Essen ist eine Stadt, und doch sind es zwei Welten, deren Bewohner sich nicht begegnen.

          Eine Viertelstunde Autofahrt, die über das Schicksal entscheidet

          Lena zum Beispiel ist auch vier Jahre alt, genau wie Ciara. Auch ihre Familie wohnt direkt neben einer Kirche, einem mächtigen roten Klinkerbau in Essen-Werden. Sie besucht einen evangelischen Kindergarten, der von ihrem Zuhause aus nur über die Straße ist. Ihre Mutter bringt sie morgens hin und holt sie nachmittags wieder ab. Genau wie den Bruder, sechs Jahre alt, der ein paar Meter weiter die Grundschule besucht. Auch Lena ist ein hübsches Mädchen, blondgelockt und wild. Wie Ciara gibt sie gerne den Ton an, und wenn sie mit ihrer Kindergarten-Freundin durchs Haus tobt, dann ist sie glücklich. Wie Ciara.

          Auf den ersten Blick unterscheidet sich das Leben der beiden Mädchen kaum: Beide schwimmen und singen gerne, gehen in einen Turnverein - Ciara im Norden. Lena im Essener Süden. Dazwischen liegen fünf Kilometer Luftlinie, eine Viertelstunde Fahrt mit dem Auto, die über das weitere Schicksal entscheiden. Der Soziologe Friedrichs weiß: „Die Chancen, die unsere Gesellschaft bietet, sind für Kinder aus guten Vierteln viel höher als die von Kindern aus schlechten.“ Denn ein schlechtes Wohnviertel führt häufig zu einer schlechten Schulbildung, das zieht eine schlechte Ausbildung nach sich und steigert die Wahrscheinlichkeit späterer Arbeitslosigkeit.

          Lenas Vater ist Partner in einer Wirtschaftsprüfungsgesellschaft, ihre Mutter gelernte Kinderkrankenschwester. Sabine Becker arbeitet nicht, der Schichtbetrieb im Krankenhaus wäre schwierig mit dem Familienleben zu vereinbaren, weil ihr Mann so oft unterwegs ist und die beiden Kinder noch klein sind. „Wir sind auf ein zweites Gehalt zum Glück nicht angewiesen“, erzählt sie. Deshalb bleibt sie zu Hause und kümmert sich um die Kinder, den Haushalt, die Hausaufgaben, achtet darauf, dass Klavier geübt wird. Das ist Luxus, sie weiß es. Genau wie die Reise auf die Malediven in diesem Jahr. Nebenher macht sie eine Ausbildung zum Klinik-Clown, eine Entscheidung „aus Idealismus“. Wenn die Kinder größer sind, möchte sie als Clown todkranken Kindern etwas geben, „ein paar glückliche Momente“.

          Gut leben ohne Frühförder-Bohei

          Die Beckers gehören der gehobenen Mittelschicht an. Um die Zukunft ihrer Kinder müssen sie sich keine Sorgen machen, zumindest keine finanziellen. Abitur wäre schön, ein Studium auch. Aber das ist weit entfernt. Noch träumt Erstklässler Benjamin von seiner Karriere als Fußball-Profi oder Sänger. Die Beckers sind keine Neureichen, keine, die ihr Geld zur Schau tragen. Sie leben nicht abgehoben, nur so wie all die Menschen um sie herum, die Lehrer und Psychologen, mit denen sie befreundet sind.

          Sie grenzen sich nicht gezielt ab, haben den Sohn auf der öffentlichen Schule in Werden eingeschult, nicht auf einer der nachgefragten Privatschulen dort. Die Becker-Kinder lernen weder Englisch noch Chinesisch, den ganzen Frühförder-Bohei machen die Eltern nicht mit. „Man muss gucken, dass man nicht in diesen Strudel gerät, dass die Kinder alles machen müssen - Klavier und Tanzen und Kanupolo und so weiter“, meint die Krankenschwester.

          Als die Beckers nach Essen gezogen sind, haben sie sich nur Wohnungen und Häuser im Süden angeschaut. Vor allem in Werden, weil Sebastian hier aufgewachsen ist. Eine Wohnung im Norden? Wäre für sie nie in Frage gekommen. Sie kennen die Viertel dort nicht, kennen niemanden, der da wohnt. Oder doch, ein Mensch fällt Sabine Becker ein: „Die Putzfrau unserer Nachbarn kommt aus dem Norden.“ Ansonsten gibt es keine Berührungspunkte.

          Wo die Aldi-Brüder ihre Villen hinter hohen Hecken verstecken

          In Essen-Werden wohnen weniger Reiche als im angrenzenden Bredeney, wo die Familien der Aldi-Brüder ihre weitläufigen Villen hinter hohen Hecken verstecken, wo der Schuhhändler Deichmann lebt und Berthold Beitz, der betagte Herrscher über den Thyssen-Krupp-Konzern. Dafür hat Werden einen alten Stadtkern mit hübschen Fachwerkhäusern, der ahnen lässt, welche Klientel hier einkauft: Bio-Bäckerei, Fischgeschäft, Kindermode-Boutiquen, eine Käse- und Weinhandlung, eine Chocolateria, mehrere Buchläden, Goldschmieden und Manufactura für die Wellness-Maniküre. Im Straßenbild sieht man viele Ausländer, es sind junge Asiaten mit Geigen- und Cellokästen auf dem Rücken. Sie studieren an der renommierten Folkwang-Universität für Bildende Künste in Werden.

          In Altendorf dagegen leben vorwiegend Migranten, Schwarzafrikaner und Kinder türkischer oder italienischer Einwanderer. Hier reiht sich Döner-Bude an Döner-Bude schier endlos die Helenenstraße entlang, dazwischen mal ein Sonnenstudio. Verena Anelli macht das wütend. Sie hat bei der Stadt angerufen, ob man nicht irgendwas gegen die Döner-Buden machen kann. „Es gibt bald kein einziges Geschäft mehr hier, nur Imbiss neben Imbiss, das muss doch das Gewerbeamt verbieten.“ Denn wo keine netten Geschäfte sind, will auch niemand wohnen. Andererseits: Wo keine Kaufkraft ist, hält sich eben auch keine Manufaktur, kein Bio-Bäcker, keine Designer-Boutique. „Altendorf ist wie ein Stigma“, sagt Ciaras Mutter. Allein die Postleitzahl - 45143 - werte die Menschen dieses Stadtteils ab.

          Wenn die Polizei kommt, rennen die Drogendealer weg - und die Polizei fährt wieder

          Arm fühlt die Familie sich gar nicht. Lorenzo Anelli meint sogar, wenn sie beide arbeiten, „haben wir so viel Geld wie die im Süden“. Nur müssen sie gelegentlich mit weniger klarkommen. Es ist nicht das erste Mal, dass er arbeitslos ist. 2007 hatte Verena Anelli gerade die kleine Ciara entbunden, als Lorenzo arbeitslos wurde. Da hatten sie die Wahl: Entweder Hartz IV (“Das wollten wir auf keinen Fall.“) oder sie geht arbeiten. Also ist sie zurück ins Büro, Vollzeit. 1300 Euro netto, nach Abzug der fixen Kosten wie Miete blieben ihnen 293 Euro. Zu viert. „Das ist nicht viel.“

          Verena Anelli ist klein, schmal und ruhig. Man traut es ihr kaum zu, dass sie die Halbstarken, die auf den Autos am Kirchplatz herumlungern, anfährt, was ihnen einfalle, die Wagen zu demolieren. Aber da kennt sie nichts. Sie guckt nicht weg. Aber was soll sie machen?

          Sie hat schon oft bei der Polizei angerufen wegen der Drogenhändler. „Ich sage denen: Kommen Sie her, schauen Sie sich das an, wie die Dealer vor unserem Haus ihr Zeug verticken.“ Wenn die Polizei kommt, rennen die Schwarzafrikaner weg. Und die Polizei zieht wieder ab.

          Hoffnung auf Thyssen - die sitzen im Norden Essens

          Sie hat den Beamten angeboten, ihre Wohnung zur Observation zu benutzen. Sie kann den Drogenhandel genau beobachten aus dem Wohnzimmerfenster oben im dritten Stock des Eckhauses. Aber meist bemühen sich die Beamten erst gar nicht her, wenn sie anruft. Ist ja Essen-Altendorf. Im Essener Norden. Da, wo mittlerweile jeder dritte Bewohner „existenzsichernde Leistungen“ bezieht. Wie im Ostviertel, Nordviertel, in Altessen-Süd, in Bergeborbeck. Alles keine guten Gegenden.

          Bezirksbürgermeister Klaus Persch versucht gegenzusteuern. Große Hoffnungen setzt er in die Thyssen-Krupp-Zentrale. Die hat der Konzern vor zwei Jahren von Düsseldorf nach Essen verlegt. In den Essener Norden. Ein mutiger Schritt, der mit großen Hoffnungen verbunden ist. Das schicke Areal mit Park, Wasserlauf und Krupp-Museum grenzt direkt an Altendorf. Deshalb hat die Stadt dort einige Wohnblöcke weggesprengt und legt ein nobles Neubauviertel an, in der Hoffnung, dass Thyssen-Krupp-Manager sich einmieten, dass neue Restaurants eröffnen, Kneipen und Geschäfte und dass der Wohlstand ausstrahlt, Straßenzug um Straßenzug hineinsickert nach Altendorf. Bis zur Helenenstraße, wo der Drogenhandel nicht unterzukriegen ist.

          Darauf haben die Anellis keine Lust mehr. Sie sind hier aufgewachsen, haben sich hier kennengelernt. Das Viertel war immer schon arm. „Aber nicht so wie heute.“ Von ihren Schulfreunden sind viele weggezogen, irgendwann. Spätestens, wenn sich Kinder ankündigten. Weil sie um die Chancen der Kinder in Altendorf fürchteten.

          Die Anellis sorgen sich auch, aber sie kommen nicht weg. Weil im Eckhaus auch die italienischen Großeltern wohnen, die die Wohnung irgendwann gekauft haben, als Sicherheit, als Altersvorsorge. „Vielleicht war das ein Fehler.“ Jetzt fesselt die Wohnung die vierköpfige Familie ans Viertel.

          Hoffen auf eine Gymnasial-Empfehlung

          Aber für die Töchter erhoffen sie sich mehr. Die sollen raus aus Altendorf. Sollen so gut in der Schule sein, dass sie eine Gymnasial-Empfehlung bekommen. Dann könnten sie auf eines der Gymnasien in Essen. Es muss gar nicht das elitäre Goethe-Gymnasium im Süden sein. „Damit tut man den Kindern meist keinen Gefallen, die werden da ja nicht akzeptiert“, glauben die Anellis. In Altendorf gibt es kein Gymnasium, nur eine riesige Gesamtschule, und die sei so übel wie ihr Ruf. „Die Erfahrung würde ich den Mädchen gerne ersparen“, sagt die Mutter.

          Einmal haben sie schon versucht, Altendorf über die Bildungsschiene zu entkommen. Sie hatten Laura an einer katholischen Mädchenschule in einer soliden Gegend angemeldet, 20 Minuten mit der Trambahn. Das hätten sie in Kauf genommen, auch das Schulgeld. Beim Vorstellungsgespräch saßen sie einer feinen Dame im Schottenrock gegenüber, die fragte: „Sie kommen aus Altendorf: Was wollen Sie hier?“ Und prompt führte sich Tochter Laura unmöglich auf. „Das Ganze war eine Katastrophe“, sagt die Mutter.

          In der Nacht konnte Verena Anelli nicht schlafen, am nächsten Morgen zog sie die Anmeldung zurück. „Sie hätten hier eh keinen Platz bekommen“, stellte die Direktorin am Telefon klar. Ein Kind aus dem Norden ist halt ein Kind aus dem Norden.

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